Wobei nach Aussagen der Vereinsverantwortlichen weniger die Ergebnisse zur Beurlaubung des Kulttrainers geführt haben, sondern dessen "vereinsschädigendes Verhalten". Der VfL war die 13. (2001 bis 2005) und die 16. Trainerstation (seit 2013) des Coaches.
 
Frank Goosen nahm im dritten und letzten Block Stellung zur Situation beim VfL und explizit zu Peter Neururer.
 
Mit einem "Tach!" begrüßte er im Münchner Lustspielhaus die Jungs von 19er Alu und sprach von seiner Heimatstadt. Dass die Suizidrate ausgerechnet in Bochum so hoch sei, könnte damit zusammenhängen, dass an der Ruhruni das Gebäude der Geisteswissenschaften schwarz und gelb angestrichen sei, meint Goosen - "wo doch alle wissen, dass schwarz und gelb total geistfern sind". Möglicherweise, so seine Schlussfolgerung, sei der ein oder andere damit nicht klargekommen "und hat das Fenster im achten Stock aufgesucht". Goosen, Jahrgang 1966, beichtet, dass er sein Geld nie mit ehrlicher Arbeit verdient hat. Er hätte nach seinem Examen von den Kabarettauftritten "Tresenlesen" und "ein bisschen" von seiner Oma, die inzwischen 91 Jahre alt ist, gelebt. Seit 2000 ist er solo mit seinen Programmen unterwegs.
 
 


Im Mittelblock spricht Goosen über seine große Liebe, den VfL. Das erste Spiel der Bochumer besuchte er im Februar 1975 im Alter von achteinhalb Jahren gemeinsam mit seinem Vater. Der VfL rang den Wuppertaler SV mit 4:2 nieder. Am 18. September 1976 war er Zeuge des Jahrhundertspiels zwischen dem VfL und dem FC Bayern. Mit 4:0 hatte Bochum nach 53 Minuten geführt, Sepp Maier war restlos bedient. Am Ende stand es 5:6 - "typisch VfL", sagt Goosen. "Ein Spiel, mit dem Uli Hoeneß heute noch Hermann Gerland aufzieht" - beide standen damals auf dem Rasen, Hoeneß erzielte den Siegtreffer in der 89. Minute. Mit zwölf, 13 Jahren war Goosen dann schon allein bei den Spielen seines VfL und saugte bereits zweieinhalb Stunden vor dem Anstoß die Atmosphäre im zu diesem Zeitpunkt noch leeren Stadion an der Castroper Straße (ab 1979 Ruhr-, seit 2006 Rewirpowerstadion) ein.
 

Durch Meckern in den Aufsichtsrat

 
Zum Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden kam er eher zufällig. Nach einem "sehr kritischen" Online-Artikel hätte ihn Werner Altegoer (1993 bis 2003 Präsident des VfL) angerufen und gefragt, ob er nur meckern oder auch mitmachen könne. Goosen gab sich einen Ruck. Er war als zehntes Mitglied in einem funktionierenden Gremium vorgesehen, doch nachdem bis auf einen alle geschlossen ihren sofortigen Rücktritt erklärten und nur noch zwei übrig waren, sah er sich plötzlich als Vize im Aufsichtsrat wieder. "Das war überhaupt nicht so geplant", räumt er ein.
 
Die Entlassung von Peter Neururer ist innerhalb von vier Jahren die vierte Trainer-Entlassung. Gefragt, ob Neururer noch der richtige Mann an der Seite der Bochumer wäre, meinte Goosen in unserem Fußballtalk: "Wenn man mit Peter Neururer Erfolg hat beim VfL, gibt es nichts besseres, weil er für die Mentalität im Ruhrgebiet steht. Gleichzeitig ist er abhängig von den Ergebnissen." Stand heute steht fest, dass "Mr. Moonwalk" Geschichte ist beim VfL. Gefragt, wie es mit Bochum weitergehen soll, gibt der sympathische Autor und Kabarettist eine bemerkenswerte Antwort. "Als Bochumer wächst du so auf, dass der Verein immer am Abgrund steht". Die Frage sei nun, wie man auf mittlere Sicht dafür sorgen kann, dass "diese Täler, durch die man geht, einen nicht gleich immer bis an den Abgrund führen".
 
 


Wann der VfL wieder in der Bundesliga spiele? "So schnell wie möglich", lautet Goosens reflexartige Antwort. Man hätte ein extrem begeisterungsfähiges Publikum, die Entwicklung der Zuschauerzahlen in dieser Saison sei positiv. "Wir haben in dieser Saison einen sehr viel besser zusammengestellten Kader, um den nächsten Schritt zu gehen." Goosen würde einen Aufstieg nach einer unglaublichen Siegesserie billigend in Kauf nehmen, er würde aber bereits auf dem Tisch tanzen, wenn man mit dem Abstieg nichts zu tun hätte. "Ich hoffe, dass wir in drei bis fünf Jahren wieder in der Bundesliga spielen. Das ist schon so, wo man sich als Bochumer sieht."
 

Ein Kompliment für Hasenhüttl

 
Die Entwicklung beim FC Ingolstadt betrachtet er aus der Ferne. "Bochum hat 380.000 Einwohner, im Umkreis gibt es 70 Fußballvereine. Da hat man die süddeutschen Vereine nicht so auf dem Radar - da ist der Wuppertaler SV praktisch schon Tirol", sagt Goosen. Für ihn kommt der Höhenflug des FC04 aber nicht ganz überraschend. Ralph Hasenhüttl hat ihm, damals noch Trainer beim VfR Aalen, Respekt abgenötigt. Nach dem 2:2 zwischen Aalen und Bochum hätte er sich "großartig fachlich über das Spiel geäußert", erinnert sich Goosen. Und auch wenn an ihn "die Wahrnehmung herangetragen wurde", dass Ingolstadt im Falle eines Aufstiegs ins deutsche Fußballoberhaus in einem Topf mit Leverkusen, Hoffenheim, Wolfsburg und vielleicht auch Leipzig geworfen wäre - "Vereine, die von großen Unternehmen alimentiert werden" -, so gilt für ihn doch festzuhalten: "Kohle allein ist es nicht, da muss dann einer dazukommen, der denen ausreichend gut erklären kann, wo sie hinzulaufen haben." Ein dezent verpacktes Kompliment für FC04-Coach Ralph Hasenhüttl.
 
Der selbst erklärte Fußballromantiker wünscht sich für die Zukunft, dass "es häufiger möglich ist, die Geldtabelle außer Kraft zu setzen". Bundesliga-Aufsteiger Paderborn wäre "schon eine coole Geschichte", meint er. "Schön, wenn gute Ideen die reine Macht des Geldes außer Kraft setzen." Ansonsten, und damit spricht er zigtausende Ehrenamtliche in ganz Deutschland an, hofft er, dass es gerade für Jugendtrainer einfacher wird für Leute, sich in Vereinen zu engagieren. "Was da an Arbeit und Sozialarbeit geleistet wird, ist unglaublich. Das weiß ich, seit ich selbst Jugendtrainer bin."