Mit 35 setzte sich der damals hauptberuflich als Lehrer für Deutsch, Englisch und evangelische Religion tätige Fußball-Fan hin und verfasste einen Brief. Der Brief ging an Fritz Hausmann, den damaligen Sportchef des Bayerischen Rundfunks. Koch mokierte sich über die langweiligen Radioreportagen des BR und bot sich als die bessere Alternative an. Und hatte Erfolg: Nach ein paar Trockenreportagen gab er am 3. April 1977 beim bayerischen Zweitliga-Derby zwischen Bayern Hof und dem FC Augsburg seinen Einstand vorm Mikro. Der Rest: ist Geschichte. Und Koch übte seinen Lehrer-Job fortan nur noch auf einer halben Stelle aus.
 
Günther Koch
Radio-Legende Günther Koch
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Der am 22. November 1941 in Posen geborene Fußball-Fanatiker erhielt mehrfach den nach dem WM-Finalkommentator von 1954 benannten Herbert-Zimmermann-Preis, galt und gilt als einer der besten Sportreporter hierzulande und genießt unter Fußballfans absoluten Kultstatus. Aus seiner glühenden Leidenschaft für den 1. FC Nürnberg hat er dabei nie einen Hehl gemacht. Ganz im Gegenteil: Seit vergangenen Sonntag gehört er sogar dem Aufsichtsrat des fränkischen Traditionsvereins an. Was zur Folge hat, dass er demnächst das Mikro beiseite legen und auch keine Kolumnen mehr schreiben wird.
 

"Skandal" - Koch war dem BR zu rot

 
Anfang der 2000er Jahre wurde Koch dem mächtigen Bayerischen Rundfunk zu groß. Und zu rot. Als aussichtsloser Listenkandidat wurde er 2003 mit einem Rekordergebnis für die SPD in den Bayerischen Landtag gewählt. Der BR änderte kurz vor der Landtagswahl eine fast 30-jährige Dienstanweisung, fortan durften auch freie Mitarbeiter nicht gleichzeitig Landtagsabgeordnete sein. Koch nahm sein Mandat unter Protest nicht an, der Fall ging durch die Medien. Eine Narbe, die nie verheilt ist, wie er erst kürzlich in einem Interview mit dem DONAUKURIER gestand. "Das war eine politische Entscheidung, die ich dem damaligen Intendanten und der CSU übel nehme". Koch spricht acht Jahre danach von einem "Eingriff in die Verfassung" und einem Skandal. "Mir hat man einfach mein Hobby verboten, obwohl ich nicht festangestellt war."
 



2006 dann nominierte ihn sein Heimatsender ausgerechnet bei der Fußball-WM im eigenen Land nicht für das ARD-Hörfunkteam. Koch hatte die Nase voll, er schmiss nach dem Ende der Bundesliga-Saison 2005/2006 hin und wechselte die Fronten. Erst zum Pay-TV-Sender arena, seit Mitte 2008 ist er mit 90-Minuten-Vollreportagen beim Webradio 90elf. Darüber hinaus ist er auf seiner eigenen Website sehr aktiv.
 

Aufbauarbeit in Sachen Fußballkultur

 
Lars Wilhelm, Moderator bei 19er Alu, freut sich auf die lebende Radiolegende. "Günther Koch ist ein Original und absolut authentisch mit viel Fußballsachverstand und vor allem mit reichlich Herzblut. Zusammen mit ihm wollen wir ein weiteres, geniales Stück Aufbauarbeit in Sachen Fußballkultur in Ingolstadt leisten."
 
 
Am Donnerstagnachmittag wird eine neue Folge des Schanzer Fußballtalks aufgezeichnet, ab 19.30 Uhr findet im Gasthaus "Zur Schwalbe" (Am Pulverl 74, 85051 Ingolstadt-Haunwöhr) ein "bunter Abend" mit Günther Koch statt. Wer dabei sein möchte: Es gibt noch Karten (der Eintritt liegt bei 10 Euro), für Anfragen steht die Schwalben-Wirtin Tina Dombek unter der Telefonnummer 0841/9000552 höchstpersönlich zur Verfügung. Der Erlös der Veranstaltung geht einem guten Zweck zu; Koch signalisierte, auf eine Gage zu verzichten, wenn die Eintrittsgelder an Gehörlose gespendet würden. Diesem Wunsch entsprach das Team von 19er Alu gern.