Ein Spieler muss zur Mannschaft passen. Das ist für Henke das wichtigste Kriterium für eine Neuverpflichtung. Die Entscheidungsfindung habe sich mit der Zeit aber geändert. Früher sei Henke noch nach Südamerika geflogen, um Neuzugänge zu beobachten. Heute werden vemehrt Videos und Statistiken ausgewertet. Natürlich werden Spieler auch noch live beobachtet. Das ist beim FCI Aufgabe von Sportdirektor Thomas Linke.



19er Alu mit Michael Henke
Erfolgreicher Trainer: Michael Henke war zu Gast bei 19er Alu.
Tom Webel

Amüsant ist Henkes Anekdote, wie er zusammen mit Rainer Calmund, der damals noch Manager von Bayer Leverkusen war, im Flieger saß. Eines hat sich seitdem nicht geändert: Unter Druck dürfe man sich nicht setzen lassen. Purer Aktionismus sei bei der Verpflichtung neuer Spieler fehl am Platz.

Die Chemie muss auch zwischen Chef- und Co-Trainer stimmen. Sollte das nicht der Fall sein, müsse man die Konsequenzen ziehen, sagt Henke. Dass er und sein Chef Ralph Hasenhüttl auf einer Wellenlänge liegen, das habe er auf einer "langen Autofahrt" nach Fürth herausgefunden. Die ganze Geschichte erzählt Henke im ersten Teil der Sendung.

Der Blick muss nach vorne gehen

 

20 Punkte nach der Rückrunde. Eigentlich könnte der FC Ingolstadt als Aufsteiger zurfrieden sein. Ist Henke auf der einen Seite auch, wäre da nicht die unnötige Niederlage gegen Leverkusen und das vermeidbare 1:1 gegen Hoffenheim, die den Co-Trainer ziemlich ärgern.  


 

Doch Negatives aufzuwärmen bringt nichts, das habe er von Ottmar Hitzfeld gelernt. Der ehemalige Schweizer Nationaltrainer sei immer beherrscht geblieben, war die Leistung seiner Spieler auch noch so miserabel. Hitzfeld habe immer nach vorne geblickt und versucht, aus Fehlern zu lernen. Das müssen auch die FCI-Kicker und sich das Selbstvertrauen bewahren. Henke graut davor, dass den FCI das gleiche Schiksal ereilen könnte, wie seinen Heimatverein Paderborn. Der SC war vergangene Saison als Aufsteiger ebenfalls furios gestartet, dann aber fast schon sang- und klanglos abgestiegen. Vergleichbar seien die beiden Vereine nicht, glaubt Henke.

"Der Fußball heilt sich selbst"

 

Zum Schluss der Sendung wird es international. Henke war als Dortmunder Co-Trainer beim legendären Torfall im Bernabéu-Stadion in Madrid dabei. Lange stand nicht fest, ob das Champions-League-Halbfinale überhaupt stattfinden kann. Henke erzählt von der Zeit in Kabine, während der zehn Minuten zur Ewigkeit wurdne und das Zeitgefühl irgendwann versagte.


 

Seit 1998 hat sich im international Fußball viel verändert. Die Bundeliga müsse den internationalen Vergleich nicht scheuen. "Wir sind auf Augenhöhe mit England und Spanien", sagt Henke. Die Irrsinnssummen, die englische Vereine momentan für Spieler auf den Tisch blättern, sieht Henke überraschend gelassen. Die Tendenz gebe es schon länger und da "sind wir erst am Anfang." Der FCI-Coach vertraut daruf, dass sich der Fußball auch in dieser Sache mal wieder selbst heilt.

 

Text: Bernd Limmer
Kamera: Kathrin Schmied und Tom Webel
Schnitt: Kathrin Schmied