BFV will künftig genauer hinschauen
SG Möning/Rohr ist unaufsteigbar! Das ist der Grund

07.02.2024 | Stand 07.02.2024, 15:00 Uhr

Martin Schwerdt (l.) und Co. spielen in der Kreisliga gut mit – dürfen aber nicht aufsteigen. Foto: Tschapka

Die SG Möning/Rohr reitet auf der Erfolgswelle, darf sie aber nicht zu Ende surfen. Platz drei in der Kreisliga Ost steht zu Buche, auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen sind die Mannen von Trainer Manuel Fersch, den Weg in die Bezirksliga versperren jedoch die Statuten des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV).

„Spielgemeinschaften zum Zwecke einer Leistungsförderung oder eines Aufstiegs in eine höhere Spielklassenebene über die Kreisebene hinaus dürfen nicht genehmigt werden“, heißt es etwas umständlich in den BFV-Richtlinien. In der Kreisliga ist also Endstation. Sonst, so fürchtet man, würden Vereine zusammengehen, um nicht nur mehr Spieler, sondern vor allem bessere zur Verfügung zu haben. „Sportliche Aspekte dürfen bei der Gründung einer Spielgemeinschaft keine Rolle spielen“, drückt es Bayernliga-Spielleiter Andreas Mayländer (Teisendorf) einfacher aus. „Und in der Bezirksliga steht die sportliche Leistung im Vordergrund.“

Mayländer: „Solche Vereine sind bald tot“

Mayländer ist Mitglied im Verbandsspielausschuss, der die Regional-, Bayern- und Landesligen beaufsichtigt und die Einhaltung der Regeln im Spielbetrieb überwacht. „Der BFV will, dass auch künftig in jedem Ort Fußball gespielt werden kann. Nur darum geht es.“ Und das sieht er in Gefahr, wenn ein Verein nur noch das Anhängsel eines anderen ist. „Solche Vereine sind bald tot. Wenn es keine Herrenmannschaft mehr gibt, gibt es bald auch keine Jugend mehr. Und dann fragt die Gemeinde irgendwann, warum man einen Fußballplatz braucht – oder ob man den Platz nicht besser als Bauland ausweist.“

Über diese Konsequenzen machten sich viele Vereine zu wenig Gedanken. Deshalb warnt der Bayernliga-Spielleiter vor dem radikalen Schnitt: „Oft reicht der Kader wenigstens noch für eine eigenständige Mannschaft. Dann ist es doch besser, wenn man nur die zweite Mannschaft in eine SG einbringt.“ Auch das Flex-Modell „9 gegen 9“ könne genutzt werden.

Möning-Abteilungsleiter Grad: „Für mich nicht schlüssig“

In der Praxis sieht es oft anders aus: „Wir haben uns 2015 ganz bewusst dazu entschlossen, auch die ersten Mannschaften zu einer Spielgemeinschaft zusammenzufassen“, sagt Wolfgang Grad, Abteilungsleiter des FC Möning, der mit der DJK Rohr eine SG bildet. „Der Grund war ganz einfach: Spielermangel.“ Natürlich verspreche man sich auch mehr sportlichen Erfolg, sagt Grad. Aber die Spielgemeinschaft sei nie Mittel zum Zweck gewesen, um die Bezirksliga zu erreichen. Die aus Spielermangel entstandene SG Möning/Rohr ist also versehentlich zu erfolgreich – und scheitert nun an den BFV-Statuten. „Ich kann den Verband nicht verstehen. Wir haben uns sportlich etabliert, bringen viele junge Spieler in die erste Mannschaft und dürfen nicht aufsteigen, wenn wir es sportlich schaffen würden. Dass in der Bezirksliga die sportliche Leistung im Vordergrund stehen würde und in der Kreisliga nicht, ist für mich nicht schlüssig. Da begreife ich den BFV einfach nicht.“

Hoher Anteil an SGen im Kreis Neumarkt/Jura – BFV will künftig genauer hinschauen

Die SG Möning/Rohr ist aktuell Leidtragender des Systems. Insgesamt gibt es in Neumarkt/Jura in dieser Saison laut aktuellen Statistiken aus dem Kreis 50 Spielgemeinschaften (erste und zweite Herrenmannschaften). Die Gesamtzahl an Mannschaften, die im Kreis Neumarkt/Jura 2023/24 antreten, beträgt 252 Teams plus 15 Mannschaften, die Bezirksliga oder höher spielen. Der Anteil an Spielgemeinschaften im Kreis liegt also bei knapp 20 Prozent. Eine hohe Quote. Vergleichswerte gibt es zum Beispiel aus dem Kreis Inn/Salzach: Dort sind es nur sieben Prozent. Andererseits: In einigen dünn besiedelten Regionen Nordbayerns bestehen die A-Klassen fast nur noch aus Spielgemeinschaften – mit bis zu fünf Vereinen. Ein Umdenken, die Bezirksliga künftig auch für SGen zu öffnen, gibt es in München nicht. Im Gegenteil: „Der BFV wird künftig auf jeden Fall genauer hinschauen“, kündigt Mayländer an, und zwar nicht nur bei neu gegründeten Spielgemeinschaften. Denn sie müssen jedes Jahr neu genehmigt werden. In der Praxis seien viele SGen in der Vergangenheit einfach durchgewunken worden – zumal messbare Kriterien in der Richtlinie fehlen. Wann leidet ein Verein wirklich unter Spielermangel? „Wir wollen das nachvollziehen können“, sagt Mayländer. Man denke etwa an einen Fragebogen, der mit dem Antrag ausgefüllt werden muss.

Keine SG in der Bezirksliga – oder doch?

Mehr Bürokratie also. Wobei: Wer sich an die Spielregeln hält, könnte auch als SG in der Bezirksliga spielen. Oder wie ist es zu erklären, dass in der Bezirksliga Mittelfranken die SG TSV/DJK Herrieden antritt?

Der Verein sei „keine klassische Spielgemeinschaft, die der BFV nach seinen Satzungen und Ordnungen versteht, im Sinne der temporären Leistungsförderung, sondern ein Verein, der lediglich die Bezeichnung Spielgemeinschaft im Namen“ trage, erläutert Bezirksspielleiter Felix Böck. Am 7. Mai 1971 haben die beiden örtlichen Sportvereine fusioniert. Die SG Herrieden sei ein „dauerhafter Zusammenschluss, da es sich hierbei um einen eigenständigen Verein handelt und nicht um eine temporäre Spielgemeinschaft aus mehreren Vereinen zum Zwecke der Leistungsförderung“.

Auf Bezirksliga-Platz drei steht die SG Herrieden aktuell. Direkt dahinter folgt der FC Wendelstein – auch ein Zusammenschluss zweier Klubs, nämlich des TSV Röthenbach und des TSV Wendelstein, deren Namen sogar im offiziellen Klubwappen des FC auftauchen. Per BFV-Definition aber offensichtlich keine Spielgemeinschaft und daher stand dem Aufstieg 2019 aus der Kreisliga auch nichts im Wege.

Aus zwei mach einen Verein: Das ist bei Möning/Rohr momentan kein Thema. „Die Spieler wissen Bescheid, dass wir nicht aufsteigen dürfen. Für sie ist es natürlich schade. Aber wir haben ein großes Ziel: Wir wollen Meister werden“, sagt Grad. Am Mittwoch startet die Mission: Dann ist Trainingsauftakt bei der SG.

HK