„Ich hätte nichts gegen Regen“
Pfaffenhofener Rennfahrer Daniel Nadelstumpf hofft im NAT-Cup auf einen erfolgreicheren Saisonstart als 2022

07.03.2023 | Stand 17.09.2023, 1:22 Uhr |
Erhard Wallenäffer

Der letzte Feinschliff vor dem Auftakt: Daniel Nadelstampf und Moritz Held, Azubi vom Autohaus Heinzlmair, bereiten den Renault Clio in der heimischen Garage auf das ersten Rennen des Norddeutschen ADAC Börde Tourenwagen Cups in Oschersleben vor. Foto: Wallenäffer

Er ist ein Quereinsteiger: Autorennen kannte Daniel Nadelstumpf bis 2018 nur vom TV, wo er die Formel 1 anschaute. Mittlerweile geht der Pfaffenhofener bereits in seine fünfte Saison als Tourenwagen-Pilot, weil am kommenden Wochenende die Auftaktrennen des NATC (Norddeutscher ADAC Börde Tourenwagen Cup) gestartet werden. Sehr gut vorbereitet habe er sich für Oschersleben, sagt Nadelstumpf – im Interview spricht der 36-Jährige über die Tücken der letzten Saison und darüber, was er sich für die sechs Rennwochenenden bis November vorgenommen hat.

Herr Nadelstumpf, immer wieder Oschersleben – fast alle Rennen des NATC finden auf dem Kurs bei Magdeburg statt. Sie müssen mittlerweile jeden Meter Asphalt dort kennen?
Daniel Nadelstumpf: (lacht) Das stimmt natürlich, auch deswegen wurden meine Rundenzeiten immer besser. Im vergangenen Mai stellte ich mit alten, harten Reifen einen neuen eigenen Rekord auf – da war ich um 1,4 Sekunden schneller als 2021. Meine Referenz ist immer Alf Ahrens, der schon Spitzenfahrer des Central Europe Clio Cups war. Von ihm war ich bei dieser Fahrt nur noch eine gute Sekunde entfernt.

Einen Renault Clio fahren auch Sie, den Sie für die 2022er-Saison aber erst einmal rennfähig machen mussten.
Nadelstumpf: Das kostete viel Geld, Zeit und Energie: Fast bis auf die letzte Schraube habe ich das Auto zerlegt. Dann habe ich ich das verbeulte Gerippe zu einem Karosseriebauer nach Rotterdam transportiert, der Spezialist für Renault-Tourenwagen ist. Und später waren auch zu Hause noch unzählige Arbeitsstunden fällig – aber ein Detail habe ich übersehen.

Was meinen Sie?
Nadelstumpf: Beim ersten Rennwochenende ist die Tankpumpe kaputt gegangen, sie war das einzige Teil, das ich nicht auseinandergenommen habe. Ein Bruch im Kunststoffgehäuse war dann die Ursache, weshalb mir in den schnellen Kurven der Sprit weggeschwappt ist. Aber ich hatte eh Probleme, die Bremsbalance vernünftig einzustellen. So war es ein Saisonauftakt zum Vergessen – das sollte bitte diesmal nicht passieren.

Verbleiben wir im Frühjahr 2022 – lief es bei der zweiten Station besser?
Nadelstumpf: Bedingt, denn wir hatten im April Temperaturen um den Gefrierpunkt, vom Vorjahr hatte ich auch noch einen harten Reifensatz übrig, den ich aufbrauchen wollte. Aber einen harten Slick bekommst du bei zwei Grad nicht gescheit fahrbar. Wobei es im Regentraining noch gut gelaufen ist, denn Regen ist genau mein Ding, das kann ich. Im Rennen bin ich aber wegen der unpassenden Reifen durchgereicht worden.

Fehlte Ihnen da auch die nötige Erfahrung, um solche Bedingungen zu meistern?
Nadelstumpf: Ganz gewiss. Ich bin ein Gefühlsfahrer, der keine Rennsport-Grundausbildung absolviert hat: Ich bin als Jugendlicher nie Kart gefahren und viele Rennen habe ich ja seit meinem Einstieg im Jahr 2019 noch nicht bestritten. Trotzdem konnte ich schon beachtliche Rundenzeiten fahren, was mir immer wieder Auftrieb gegeben hat.

Dass Sie mit wenig Routine gerne und schnell auf nassen Strecken fahren erstaunt. Gab es 2022 noch einmal ihre ‘Lieblings-Verhältnisse‘?
Nadelstumpf: Tatsächlich gab es die. Und zwar im Juli, am Lausitzring – das dortige Regenchaos habe ich ausgenutzt, indem ich mir zweimal den Klassensieg gesichert habe. Bei den drei Oktoberrennen bin ich dann jeweils Dritter geworden, auch darüber habe ich mich gefreut. Dann aber, beim Finale im November, habe ich gemerkt, dass mancher Konkurrent sich noch einmal verbessert hat. In den Trainings war ich zwar gut dabei, aber im Rennen konnte ich die Pace der Spitzengruppe nicht mitgehen.

Und jetzt wünschen Sie sich für das kommende bestimmt, dass es schüttet?
Nadelstumpf: (schmunzelt) Hier in Pfaffenhofen darf es natürlich schön sein. Aber in Oschersleben hätte ich nichts gegen Regen. Spaß beiseite: Auch für trockene Bedingungen bin ich gut gerüstet, denn ich habe jetzt einen heilen Renner da stehen, von dem ich weiß, wie er sein muss, damit er gut funktioniert. Schließlich habe ich in Sachen Setup viel dazugelernt und harte Reifen habe ich auch keine mehr herumliegen, die ich aufbrauchen müsste. Von den neuen Medium-Soft-Pneus verspreche ich mir einiges.

Das klingt optimistisch. Gibt es sonst noch Neuerungen an Ihrem Clio und welche Ziele setzen Sie sich für heuer?
Nadelstumpf: Vor kurzem habe ich noch den Tank ausgetauscht, weil das Verfallsdatum abgelaufen ist. Mein Vorteil ist, dass ich als KFZ-Meister alle Arbeiten selbst machen kann. Mit dem Auslesen der Telemetrie-Daten habe ich aber schon im letzten Jahr begonnen. ‘Nach dem Rennen – ist vor dem Rennen‘, ist seither mein Motto: Zu Hause werte ich von der Gaspedalstellung bis zum Lenkwinkel alles aus und auch die Aufnahmen der Onboard-Kamera studiere ich immer wieder von der Couch aus. Ich will einfach konstanter fahren und näher an die professionelle Spitzengruppe herankommen, die teils technisch überlegenen ist. Im Rahmen der NATC ist geplant, alle sechs Rennwochenenden zu bestreiten.

Das Gespräch führte
Erhard Wallenäffer