Motocross

Höhenflüge trotz brütender Hitze

Jonas Haimerl bei Motocross-Rennen auf dem Podium – Zug verpasst Punkteränge bei DTM in Imola

22.06.2022 | Stand 22.06.2022, 15:58 Uhr

Erneut sein Talent zeigte der Hettenshausener Jonas Haimerl bei der Motocross-Südbayern-Serie in Essenbach, von der er mit zwei Podiumsplätzen zurückkehrte. Foto: M. Haimerl

Von Erhard Wallenäffer

Pfaffenhofen – „Hohe Temperaturen, heißer Rennsport, DTM“, so kündigten die Organisatoren des Deutschen Tourenwagen Masters ihr Rennwochenende in Italien an. Marius Zug kehrte aus Imola mit Platz 17 und einem Ausfall heim, aber auch zwei weitere Rennfahrer aus der Region mussten unter dem Helm schwitzen: Speedwayfahrer Julian Bielmeier konnte sich beim traditionellen Olchinger Fronleichnamsrennen gut gegen starke Konkurrenz behaupten. Motocross-Nachwuchsfahrer Jonas Haimerl wiederum fuhr im Hitzekessel von Essenbach zweimal auf das Podium.

Julian Bielmeier, Olching, German Speedway Masters, 1. Station: „Szymon Szlauderbach klebt an Julian Bielmeiers Hinterrad, kann aber nur dessen Staubfahne bestaunen.“ So schilderte der Kommentator der Internet-Direktübertragung das Szenario in Lauf 8. Und zweifellos durfte der Pfaffenhofener Speedwayfahrer die Zieleinfahrt vor dem viel erfahreneren polnischen Profi als großen Erfolg verbuchen. Das German Speedway Masters ist ein völlig neues Format – bei drei Meetings sind die deutschen Spitzenfahrer am Start, wobei noch einige internationale Cracks das Line-up aufwerten. Für Bielmeier gewiss eine große Herausforderung, gegen Profis zu bestehen, die heuer schon bis zu 30 Rennen bestritten haben. „Ein herrlich heißer Renntag – ich bin happy, dass ich mich in einem solchen Feld beweisen konnte“, fasste der 20-Jährige seine Eindrücke zusammen. An die 3000 Fans waren an das Highspeed-Oval im Münchener Westen gepilgert und sie bekamen gewaltige Staubwirbel ab, die durch die heiße Luft zum benachbarten Volksfest hinüberzogen. „Sommerliche Bräune – einmal anders“ war sozusagen das Motto im Olchinger Stadion, indes spielte für Bielmeier die Ausbeute von drei Punkten nicht die große Rolle, es waren andere Details die ihn froh machten: Den Qualifikationslauf gewann er vor Sandro Wassermann, der zu den schnellsten deutschen Driftern zählt. In Sachen Tempo war der Pfaffenhofener immer voll bei den Gegnern und letztlich hatte es mit Kupplungsproblemen zu tun, dass nicht mehr Zähler auf seinem Konto gutgeschrieben wurden.

Jonas Haimerl, Essenbach, Motocross-Südbayern-Serie, 2. Station: Der Rischberg ist unter Bayerns Motocrossern ein Begriff, in seinem Nordhang haben die Mitglieder des CMF Essenbach ihre Rennstrecke modelliert. 1400 Meter mit Tables, Buckeln, Furchen und jeder Menge Kurven, durch die sich am Samstag auch Jonas Haimerl kämpfen musste. Dabei hätten sich die Junioren-Crosser statt dem Rischberg wohl eine Art „Frischberg“ gewünscht, denn: „Der Hitzepegel war Hardcore – wir hatten 36 Grad unter der Markise am Wohnmobil“, meldete Jonas´ Vater Martin Haimerl noch am Abend. Was man dagegen tun kann? „Nach den Fahrten schnell ausziehen und ein Kühlendes Handtuch umlegen“, war laut dem Vater das einzige Gegenmittel.

Der Start in den ersten Lauf misslang Jonas Haimerl gründlich, als Vorletzter verließ er das eingeklappte Gatter und dann wurde es spektakulär: Nach einem Sturz plus Massenstau in der ersten Haarnadelkurve konnten die beiden Führenden Piloten davonziehen. Jedoch schoss Haimerl mit einem mutigen Manöver durch die enge Lücke zwischen einem Bike und der Absperrung, sodass er als Dritter die Verfolgung aufnehmen konnte. Zwischendurch als Zweiter geführt, fiel er letztlich nach auf Platz drei zurück. „Holeshot“ nennt man im Motocross-Englisch das Gewinnen des Starts, also das Einbiegen als erster Fahrer in Kurve eins und der beste Starter in Lauf 2 war tatsächlich Haimerl. Der Zehnjährige peitschte seine 65 ccm-KTM lange als Führender, wurde aber vor dem Ziel noch durch Kilian Wolferstetter (Husqvarna) abgefangen.

Marius Zug, Imola (Italien), DTM, 3. Station: Der legendäre Grand-Prix-Kurs von Imola ist heimisches Terrain für Ferrari und Lamborghini, allerdings kennt auch Zug die dortigen 4,9 Kilometer Asphalt sehr gut. Immerhin betritt der Pfaffenhofener in den vergangenen beiden Jahren sämtliche Rennen der Italienischen GT-Meisterschaft und da waren selbstverständlich einige Wettfahrten in der Emilia-Romagna dabei. Auch über ein Wiedersehen mit seinem Ex-Teamchef durfte sich Zug freuen, denn Roberto Ravaglia war mit seiner Crew von Ceccato-Racing für ein Gaststart-Wochenende angereist. 55 und 70 waren indes die heftigsten Werte des Wochenendes: 55 Grad Asphalt-Temperatur wurden am Sonntagmittag gemessen und bis zu 70 Grad heizten sich die Innenräume der Super-Sportwagen auf. „Was für eine Hitzeschlacht auf einer meiner Lieblingsstrecken, vier Positionen habe ich gut machen können.“ Das postete der Pfaffenhofener nach dem Samstags-Rennen auf den Sozialen Kanälen. Von Startplatz 21 war Zug gestartet, abgewunken wurde er letztlich auf Position 17. Wieder keine Meisterschaftspunkte für den Audi R8 von Attempto-Racing, jedoch bestand Zuversicht für den Sonntag: „Wir greifen morgen früh zu 100 Prozent an und freuen uns auf das Rennen“, gab Zug als Losung aus. Beim Qualifying reichte es allerdings nur für Rang 23 und dann wurde der Attempto-Audi auch noch bis in die letzte Startreihe strafversetzt. Grund war ein Verstoß im ersten Lauf, jedoch konnte sich Zug noch bis an die 14. Stelle nach vorne kämpfen. In Runde 25 kam jedoch das verfrühte Aus – sein Rennwagen war nach einer Kollision arg ramponiert: Der Heckdiffusor flog meterweit durch die Luft und an einem hinterem Rad hingen die Fetzen.

PK