Der König der Lüfte
Jonas Meier aus Griesstetten ist Deutscher Meister im Streckensegelflug

09.12.2023 | Stand 09.12.2023, 8:00 Uhr

Strahlender Deutscher Meister: Jonas Meier legte für seinen Titelflug insgesamt 2722 Kilometer, aufgeteilt in drei Etappen, zurück. Fotos: Privat

Der Deutsche Meister im Streckensegelflug 2023 kommt aus Griesstetten und heißt Jonas Meier. Mit 3444,40 Punkten landete der 26-Jährige vom Luftsportverein Beilngries auf dem ersten Rang in der Kategorie Standardklasse. Die Siegerehrung war vor wenigen Tagen in Freudenstadt (Baden-Württemberg).

Vom Fußball über das Schwimmen und das Rennradfahren kam der begeisterte Sportler bereits in jungen Jahren zum Segelfliegen. Die Faszination war spätestens beim Spielen (Flugsimulator) am eigenen PC entfacht. Diese habe sich dann übers „Modellfliegen und einen Mitflugtag, den der LSV Beilngries veranstaltet hat, weiter verfestigt“. Anschließend mussten aber die Eltern noch von der Idee, in die Lüfte abzuheben, überzeugt werden. „Dann konnte ich mit knapp 16 Jahren anfangen, meine ersten Flugstunden zu nehmen“, sagt der jetzige Deutsche Meister.

Freiheitsgefühle und Lust auf Neues

Nachdem der sehr talentierte Schwimmer seinen Pilotenschein in der Tasche hatte, fand er seine Passion in der Luft. „Am Fliegen fasziniert mich diese Freiheit – und immer wieder etwas Neues zu sehen.“ Seine Augen funkeln, wenn er über die Zeit in der Luft berichtet. „Wenn man einmal so richtig weit vom Heimatflugplatz weg und am Abend wieder zurück ist, dann gibt dies einfach ein großartiges Gefühl.“

Die deutsche Meisterschaft im Streckensegelflug wird jährlich vom 1. Oktober bis 30. September des Folgejahres ausgetragen. Jeder Pilot kann dabei seine GPS-Flugaufzeichnung online stellen. Durch die Eintragung auf der Website wird der jeweilige Flug automatisch gezählt und geht in die Wertung mit ein. Wichtig dabei ist immer, dass der Startort in Deutschland liegt.

Für die finale Bewertung werden die drei punkthöchsten Flüge eines jeden Piloten summiert. Zunächst gehen dabei die Kilometer im Segelflug in die Wertung ein. Diese werden mit dem Handicap des Flugzeugs verrechnet und ergeben die Punkte. Das Handicap gibt an, wie viele Kilometer geflogen werden müssen, um 100 Punkte zu erreichen. Der Flieger von Meier hat ein Handicap von 109 und muss somit 109 Kilometer zurücklegen, um 100 Punkte zu erreichen. „Das Handicap oder – wie wir es nennen – der Flugzeugindex, ist dazu da, dass die vielen verschiedenen Flugzeugtypen mit ihren unterschiedlichen Flugleistungen fair in einem gemeinsamen Wettbewerb teilnehmen können“, sagt Meier.

Zusätzliche Bonuspunkte gibt es, wenn vor dem Flug eine Aufgabe mit Start, Wende- und Zielpunkten deklariert wird. „Das schwierige an großen Aufgaben sind die vielen Aspekte, die passen müssen. Wenn auf der Strecke ein Gewitter im Weg ist oder man zu langsam voran kommt, wird es nichts.“

Beim Segelfliegen werden unterschiedliche Flugzeuge eingesetzt. Deshalb gibt es zur Bewertung der deutschen Meisterschaft auch verschiedene Klassen (Club, Standard, 15m, 18m, Doppelsitzer, offene Klasse). Meier selbst ist in der Standardklasse kategorisiert. Sein Flieger hat eine Spannweite von 15 Metern und keine Wölbklappen. Meier erklärt: „Wölbklappen sind Auftriebshilfen, die an der Hinterkante der Tragflächen des Flugzeugs angebracht werden. Sie sind dazu da, um in bestimmten Flugsituationen den Auftrieb zu verbessern. Der Pilot muss dann nochmal einen Hebel mehr bedienen, um mit den Wölbklappen die Gleitleistung des Flugzeugs zu verbessern, aber das spare ich mir gerne.“

Kein Motor, dafür thermische Aufwinde

Die Kunst beim Streckenfliegen liegt darin, dass „ohne Motor und nur mit thermischen Aufwinden Höhe mit dem Flieger gewonnen werden muss. Durchs Gleiten in der Luft muss dabei möglichst viel Strecke über den ganzen Tag zurückgelegt werden“, wie Meier weiter ausführt. Dies sei gar nicht so einfach, denn neben dem Bewegen des Flugzeugs müssen das Wetter und der Tag richtig eingeschätzt werden. „Ist die richtige Thermik nicht mehr vorhanden, dann sind Ackerlandungen fernab des Heimatflughafens keine Seltenheit. Solche Außenlandungen sind völlig normal und gehören zum Sport dazu. Ich habe mit Außenlandungen in Tschechien oder auf der Schwäbischen Alb auch schon einige Abenteuer erlebt“, berichtet Meier.

Für die Wertung der Meisterschaft im Streckensegelflug wurden vom Griesstettener drei Flüge aufgenommen. Am 11. Juni erfolgte ein freier Flug über Pilsen (Tschechien) ins Erzgebirge, dann in den Thüringer Wald und über Weiden zurück nach Beilngries. Insgesamt legte der Pilot aus dem Dietfurter Gemeindeteil dabei eine Strecke von 773 Kilometer zurück, war neun Stunden und zehn Minuten durchgehend in der Luft.

Der zweite gewertete Flug stammt vom 17. Juni. „Hier habe ich im Vorfeld des Fluges eine Dreiecksaufgabe deklariert.“ Von Beilngries ging es nach Donaueschingen (Baden-Württemberg) und weiter zum Berg Wasserkuppe (Hessen), ehe über den Flugplatz Nittenau-Bruck die Heimreise nach Beilngries erfolgte. Mit 991 km war dies der Flug mit der längsten Distanz und gleichzeitig Meiers persönlicher Distanzrekord. Die Zeit im Flieger lag bei neun Stunden und 35 Minuten. „Da habe ich mich nach der Landung ganzschön geärgert, weil es nicht zu den magischen 1000 Kilometern gereicht hat. Im Nachhinein war es natürlich ein wirklicher toller Flug.“

Zum dritten Wertungsflug stieg der begeisterte Pilot am 6. Juli in den Flieger. „Auch hier habe ich im Vorfeld ein Dreieck deklariert und mit 1362 Punkten meinen persönlichen Bestwert in diesem Jahr erzielt.“ Vom Heimatflughafen ging es insgesamt 958 Kilometer nach Völkleshofen (Baden-Württemberg), dann zum Flugplatz Stauffenbühl (zwischen Kassel und Erfurt) und über den Berg Brotjacklriegel bei Deggendorf zurück in die Altmühlstadt. Ganze zehn Stunden und elf Minuten verbrachte er dabei im Flieger.

Nicht immer allein in den Lüften

Insgesamt verbringt der Griesstettener um die 100 Stunden pro Jahr im Flieger, ordnet aber gleich ein: „Wenn man bedenkt, dass die wirklich langen Flüge zehn Stunden dauern, ist das in der Anzahl doch nicht so viel.“ Meier ist überdies der 1. Vorsitzende des LSV Beilngries. So ist er regelmäßig vor Ort. „Am Flugplatz bin ich, bei entsprechendem Wetter, alle paar Wochenenden, um beim Flugbetrieb zu helfen und meinen Pflichten als Vorsitzender nachzukommen.“

Allein im Flieger ist der Vorsitzende aber nicht immer. „Unser Verein hat auch zwei Doppelsitzer. Einen zur Ausbildung und einen für den Streckenflug. Damit bin ich dann doch hin und wieder für kürzere Flüge unterwegs und nehme Freunde oder Vereinskollegen mit.“ Die Langstrecken verbringt Meier allerdings allein in seiner eigenen Maschine. „Die großen Flüge mache ich mit meiner LS8, und in die passe ich selbst grade so rein.“ Mit einer Größe von über 1,90 Meter ist es mitunter etwas eng im Flieger. Jedoch ist Meier sehr zufrieden. „Der Flieger ist einfach super. Und bei richtig gutem Wetter mit guten Aufwinden ist das eine Rennmaschine, die mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubert.“

Im Rahmen des 80. Deutschen Segelfliegertages fand zuletzt die Siegerehrung in Freudenstadt statt. „Die Ehrung an sich war kurz und knackig. Nach und nach wurden die Sieger der verschiedenen Klassen auf die Bühne gebeten und haben ihre Urkunde überreicht bekommen.“

mxi