Fussball, Kreisklasse Aichach

Zurück zu den Grundtugenden

Vereinsboss Andreas Zeitlmair und seine Mammutaufgabe als Interimstrainer des BC Aresing

21.09.2022 | Stand 21.09.2022, 17:16 Uhr

Lang ist’s her: Bereits seit Ende März durften die Kicker des BC Aresing nicht mehr über einen eigenen Punktspielsieg jubeln. Am Donnerstagabend geht es für sie nach Ottmaring. Foto: M. Schalk

Von Roland Kaufmann

Aresing – Als Leiter der Service-Abteilung der Firma Bauer hat Andreas Zeitlmair (kleines Foto) sowieso schon eine Menge zu tun – als ehrenamtlicher Vorsitzender des BC Aresing ebenfalls. Und ab sofort muss er auch noch als eine Art Psychologe fungieren – beziehungsweise Hoffnungsträger, der den Fußballern der Gelbschwarzen das nötige Selbstvertrauen zurückbringen soll, um endlich wieder sportliche Erfolge auf dem grünen Rasen einzufahren.

Ganz offiziell heißt das zusätzliche Amt des 35-Jährigen „Interimstrainer“, nachdem sich der BCA am Sonntagabend vom bislang verantwortlichen Duo David Ibraimovic/ Pavel Klauser getrennt hat. Eine erneut peinlich zustandegekommene Niederlage (0:4 zu Hause gegen die DJK Stotzard) sowie das damit verbundene Abrutschen auf den allerletzten Tabellenplatz der Kreisklasse Aichach ließen den Vereinsverantwortlichen mit Zeitlmair an der Spitze endgültig keine andere Wahl mehr, als auf dem Trainerposten einen Neuanfang zu wagen.

Erst ein Punktrundensieg nach der Winterpause

„Wir haben sehr lange auf David und Pavel gebaut, aber jetzt mussten wir einfach tätig werden“, bestätigt der Klubboss. Zugegeben: Der Abstieg aus der Kreisliga Ostschwaben im Sommer war nicht komplett unerwartet für die Aresinger gekommen – bloß wie blutleer sich die BCA-Truppe schon damals, in den letzten Punktspielen 2021/22 präsentiert hatte, erschrak dann doch: Zwar gab es direkt nach der Winterpause einen eigentlich Mut machenden 5:1-Kantersieg gegen den TSV Burgheim – aber in den elf folgenden Matches holten die Gelbschwarzen lediglich noch einen mickrigen Punkt, das Ganze bei 5:38 Toren.

Eigentlich konnte es in der neuen Saison nur besser werden – hofften zumindest alle in Aresing und glaubten auch viele Außenstehende. Allerdings wurde es nicht besser. Viel mehr folgten desaströse Testspielpleiten im Juli – wie etwa ein 0:9 zu Hause gegen den SV Waidhofen oder ein 0:8 beim SV Hundszell. Wer da noch auf eine einigermaßen entspannte Punktrunde 2022/23 der Gelbschwarzen hoffte, der musste schon ein riesengroßer Optimist sein.

Dummerweise behielten dann doch alle Pessimisten Recht, die den BCA auch in der Kreisklasse Aichach sofort wieder zum Kreis der Kellerkinder gezählt hatten. Sieben Runden sind aktuell absolviert, noch immer warten die Aresinger auf ihren ersten Sieg – und ihr schwaches Torverhältnis von 6:18 spricht ebenfalls Bände.

„Es nur über das Miteinander sowie über den Kampf“

Nur was kann Zeitlmair jetzt tun? Magische Kräfte besitzt selbstverständlich auch er nicht. Allerdings weiß der 35-Jährige sehr wohl, was die Aresinger Grundtugenden sind. „Und die gilt es, sehr schnell wieder auf den Platz zu bringen“, so Zeitlmair: „Es geht bei uns nur über das Miteinander sowie über den Kampf. Die generischen Mannschaften sollen wieder Respekt vor uns haben, wenn sie gegen uns antreten müssen – und nicht von vornherein von leichten Punktgewinnen ausgehen.“

Dass die Seinen nicht lange über den jüngsten Trainerwechsel nachdenken können (Zeitlmair: „Natürlich geht so etwas an keinem Spieler spurlos vorüber“), dass bereits am Donnerstagabend (um 19.30 Uhr beim SV Ottmaring) ihr nächstes Match auf dem Programm steht: Der Interimstrainer beziehungsweise Klubchef sieht dies sehr positiv. Ebenso wie die Tatsache, dass es nur einen Tag später, also am Freitag, auf große Fahrt geht: „Ab da sind wir dann das komplette Wochenende gemeinsam auf Vereinsausflug in Bregenz. Eine bessere Gelegenheit, um die Köpfe freizubekommen, kann es doch gar nicht geben“, erklärt Zeitlmair.

Er selbst werde nun zunächst mal bis zur Winterpause als Interimstrainer fungieren. „Dann sehen wir weiter“, so der 35-Jährige. Dass er nun überhaupt die direkte Nachfolge von Ibraimovic und Klauser als Coach übernahm, sei übrigens nicht seine eigene Idee gewesen – sondern die von BCA-Fußballchef Stefan Oettl und Vize-Vereinsboss Albert Streicher. „Sie meinten, dass ich spontan die beste Lösung sei“, berichtet Zeitlmair: „Und nachdem ich mich dann mit meiner Familie beraten sowie mir selbst Gedanken darüber gemacht hatte, sagte ich eben Ja.“

Zeit der Ausreden nun komplett vorbei

Dass ihm die Trennung von den bisherigen Spielertrainern wahrlich nicht leicht fiel: Der BCA-Vorsitzende macht keinen Hehl daraus: „Wir sind mit David sowie Pavel 2021 in die Kreisliga aufgestiegen, wir sind für die dreieinhalb Jahre mit ihnen ausgesprochen dankbar. Ja: Mir ist es sehr wichtig, dass wir jetzt im Guten auseinandergegangen sind – beziehungsweise im rein Positiven sehr emotional.“Was Zeitlmair in diesem Zusammenhang ebenfalls betont: „Die beiden Trainer waren in der jetzigen Lage halt das schwächste Glied. Aber damit ist nun auch die Zeit der Ausreden für unsere Mannschaft endgültig vorbei. Sie ist nun komplett gefordert, muss endlich Gas geben.“

Und das am besten schon an diesem Donnerstag in Ottmaring. „In der Kreisklasse Aichach gibt es vier, fünf Teams, die sich deutlich abheben. Vom Rest kann jeder jeden schlagen – und der SV Ottmaring gehört zu diesem Rest“, sagt Zeitlmair. Also, ein bisschen anders ausgedrückt: Er traut seiner Mannschaft durchaus zu, mit einem Erfolgserlebnis im Gepäck den Vereinsausflug am Freitag antreten zu können. „Und in der nächsten Woche starten wir komplett mit den Aufbauarbeiten – wobei ich schon konkrete Pläne im Kopf habe, wie diese aussehen können“, verrät der 35-Jährige. Es herrscht also Aufbruchstimmung beim BCA – und das nicht nur hinsichtlich des bevorstehenden Wochenendtrips nach Vorarlberg.

SZ