Fussball

Plötzlich Allershausen statt Baar-Ebenhausen

TSV Hohenwart schockiert über Umgruppierung in die Kreisliga Donau/Isar II – „Eine Vollkatastrophe“

13.06.2022 | Stand 13.06.2022, 14:43 Uhr

Szene aus dem vorerst letzten Punktspiel des TSV Hohenwart in der Kreisliga Donau/Isar I: Am 21. Mai unterlagen Spielertrainer Markus Kurzhals (l.) und sein Team mit 1:3 beim SV Manching II. Foto: J. Traub

Von Roland Kaufmann

Hohenwart – Raus aus der Kreisliga Donau/Isar I, rein in die eher im Münchner Norden beheimatete Fußball-Kreisliga Donau/ Isar II: Für den TSV Hohenwart kommt es in der nächsten Fußballsaison knüppeldick. „Diese Umgruppierung ist eine Vollkatastrophe für uns“, sagt Abteilungsleiter Michael Hörmann klipp und klar: „An ihr ist nicht einmal im Geringsten etwas Positives aus unserer Sicht zu finden.“

Dass Spielgruppenleiter Ludwig Schmidt dazu gezwungen sein wird, einen Verein aus seiner bisheriger Liga herauszureißen: Nach dem verspäteten Aufstieg des SV Menning via Relegationsrunde zeichnete sich das bereits ein bisschen ab. 15 Klubs in der einen Kreisliga, 13 in der anderen – das geht in der Gedankenwelt des Bayerischen Fußballverbandes grundsätzlich nicht. Es müsse in solchen Fällen ein Gleichgewicht herrschen.

Falsche Berechnungen des Spielgruppenleiters?

Nur welches Team soll umgruppiert werden? Aufgrund ihrer geografischen Lage kamen lediglich der SV Manching II, der TSV Baar-Ebenhausen und der TSV Hohenwart infrage. Und nach den Schmidtschen Berechnungen würden eben die Paartaler die geringsten Entfernungen zu den 13 anderen Kreisliga-II-Klubs zurücklegen müssen.

Hörmann sowie sein Verein sehen das allerdings ein bisschen anders. Die Konsequenz daraus: Die Paartaler werden noch in dieser Woche von der Möglichkeit Gebrauch machen, Einspruch gegen ihre Umgruppierung einzulegen. „In jenem werden wir zudem einfügen, dass wir zu den Klubs in die Kreisliga II deutlich höhere Fahrzeit aufberingen müssten als es der SV Manching II beziehungsweise der TSV Baar-Ebenhausen. Für diese beiden Klubs ist es ja nur ein Katzensprung auf die Autobahn, während wir uns erst einige Kilometer über Landstraßen quälen müssen.“

Zugegeben: Spielgruppenleiter Schmidt habe ihnen gegenüber bereits erklärt, dass er Letzteres nicht als Argument für einen Hohenwarter Verbleib in der Kreisliga I sehen würde – „aber wir werden trotzdem alles in unserem Einspruch erwähnen, was aus unserer Sicht für uns spricht“, betont Hörmann. Man glaube im Paartaler durchaus, dass ihnen Schmidt nichts Böses wolle und ihm in Sachen Umgruppierung an sich die Hände gebunden seien: „Aber wenn es gerecht zugeht, dann dürfen am Ende nicht wir die Dummen sein.“

Es gibt in der Tat nichts, was den Hohenwartern die Kreisliga II schmackhaft machen könnte. Selbst über den eigentlich gut gemeinten Hinweis, dass sein Klub in der neuen Umgebung eine Vielzahl an neuen Vereinen kennenlernen würde, kann Hörmann nur verständnislos den Kopf schütteln: „Aus meiner Sicht ist das völliger Quatsch. Wir möchten einfach nur so attraktiv wie möglich Fußball spielen – und das ist in der Kreisliga II definitiv nicht der Fall. Oder glaubt jemand im Ernst, dass unsere Fans alle zwei Wochen hin und zurück deutlich über 100 Kilometer zurücklegen, um unsere erste Mannschaft zu sehen – erst recht bei den aktuell so extrem hohen Benzinpreisen? Da fahren unsere Anhänger doch lieber zu den Auswärtspartien unserer zweiten Vertretung in der A-Klasse IV – und schauen unser erstes Team nur mehr bei deren Heimpartien an.“

Zudem würden nach der Umgruppierung die eigenen Einnahmen massiv einbrechen. „Denn dass viele Zuschauer beispielsweise aus Walpertskirchen, Lengdorf oder Taufkirchen zu uns ins Paartal kommen – damit ist wohl nicht zu rechnen“, sagt Hörmann. Womit er zweifellos Recht haben dürfte.

Rückzugsplan in die A-Klasse schnell verworfen

Folgerichtig hoffen sie im Paartal, mit ihrem Einspruch nun Erfolg zu haben – also in der Kreisliga I bleiben zu dürfen. Aber wenn nicht? „Dann müssen wir halt in den sauren Apfel beißen und nachgeben“, so der Hohenwarter Fußballchef zerknirscht. Dass es in der ersten Wut über die Umgruppierung sogar auch Überlegungen in seinem Verein gegeben habe, sich komplett aus der Kreisliga zurückzuziehen und stattdessen mit der ersten Garnitur in der A-Klasse anzutreten − Hörmann verhehlt es nicht: „Aber davon sind wir sehr schnell abgekommen. Denn womöglich wären wir dann in die A-Klasse V eingruppiert worden – und diese ist von den Entfernungen zu den restlichen Teams vergleichbar mit der Kreisliga II.“

Hier nun noch ein Überblick über die Gegner, auf die der TSV Hohenwart in der Kreisliga Donau/Isar II treffen würde – und wie weit die kürzeste Strecke dorthin ist: TSV Allershausen (30,00 Kilometer), TSV Eching (44,95), SV Eichenried (64,17), FC Eitting (57,49), SC Kirchasch (70,97), SV Kranzberg (34,67), FC Lengdorf (93,75), FC Moosinning II (68,16), BSG Taufkirchen (77,02), FCA Unterbruck (35,96), SV Walpertskirchen (80,02), TSV Wartenberg (71,14), SV Wörth bei Erding (74,16). Mit anderen Worten: Zumindest die Tankstellenbesitzer könnten sich über eine Umgruppierung der Paartaler riesig freuen.

SZ