Cheftrainerduo bleibt beim SV Steingriff
Michael Dittenhauser und Andreas Brumm: „Zwei Fußballverrückte auf einer Wellenlänge“

10.01.2024 | Stand 10.01.2024, 16:20 Uhr

Bei der Arbeit an der Seitenlinie: SVS-Cheftrainer Michael Dittenhauser (l., hier im Gespräch mit Enes Bektas). Foto: M. Schalk

Die beiden Bescherten bezeichnen es freudestrahlend als „supertolles Geschenk“. Aber führten die Fußballer des SV Steingriff nicht vielleicht doch etwas Listiges im Schilde, als sie ihren beiden Chefcoaches zu Weihnachten zwei Tickets für den Bundesligakick zwischen dem FC Bayern München und dem SV Werder Bremen überreichten? Man muss wissen: Michael Dittenhauser ist leidenschaftlicher Anhänger der Grünweißen von der Weser, während Andreas Brumm rund um die Roten von der Isar keinen Spaß versteht. Und jetzt sollen die Beiden am 21. Januar friedlich nebeneinander sitzend das direkte Duell ihrer Lieblinge in der Allianz Arena anschauen? Kann das wirklich gutgehen?

Notfalls bleibt der Kollege allein im Stadion

Dittenhauser kann bei diesen Fragen so richtig herzlich lachen. „Die Sache ist ganz simpel: Ich stelle mich als Fahrer zur Verfügung – und wenn dann auf dem Rasen etwas schiefgehen sollte, also wenn wir frühzeitig sehr deutlich in Rückstand geraten würden, dann kann ich ja einfach aufstehen und gehen.“ Notfalls ohne seinen Kollegen? „Absolut“, so der 48-Jährige gnadenlos: „Der wird schon irgendwie heimkommen. Das wäre mir in diesem Fall wurscht.“

„Wahrscheinlich wird’s genau so passieren“, ergänzt Brumm mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Aber egal, selbst das würde an ihrem überragenden Verhältnis zueinander nicht das Geringste ändern. Er und der „Michi“, das seien nicht nur zwei Kollegen auf dem Steingriffer Trainerposten. „Aus uns sind innerhalb kürzester Zeit zwei richtig gute Freunde geworden. Wir sind zwei Fußballverrückte, die sich komplett auf einer Wellenlänge befinden“, berichtet der einstige Langenmosener.

Folgerichtig waren sich die Beiden sehr bald einig, dass sie auch über die laufende Saison hinaus zusammenarbeiten wollen – am liebsten natürlich in Steingriff. Da traf es sich vor kurzem ganz gut, dass der SVS mit dem dringenden Wunsch an sie herankam, doch bitte schön ihre Arbeitspapiere bei ihm zu verlängern. „Keine Sekunde“ habe er anschließend überlegen müssen, ob er das Angebot der Lilaweißen annehmen möchte, betont Dittenhauser: „Ich bin sowieso keiner, der nur malkurz für ein Jahr bei einem Klub bleiben möchte. Zudem haben wir in der bisherigen Saison vieles sehr ordentlich hinbekommen, das macht Lust auf mehr.“

Win-Win-Situation für alle Beteiligten

Eben mit Brumm. „Es war für mich schwer vorstellbar gewesen, dass ein Fan des FC Bayern Ahnung vom Fußball haben kann. Aber Andi hat definitiv Ahnung davon“, so Dittenhauser lächelnd: „Und auch menschlich ist er voll in Ordnung.“ Prompt wurde aus dem Steingriffer Experiment, die Beiden als gleichberechtigte Chefcoaches für die Nachfolge von Florian Hergeth zu verpflichten, sehr schnell eine Win-Win-Win-Situation. Brumm profitierte davon, weil er bei seiner allerersten Trainerstation einen erfahrenen Kollegen an die Seite bekam. Dittenhauser, weil er plötzlich ein verlängertes Sprachrohr mit riesigem Sachverstand auf dem Platz hatte („Du kannst von draußen zwar viel reden, aber wirklich lenken kannst du nur von innen“). Und der SVS, weil das durchaus mit einer Portion Risiko zusammengestellte Trainerduo sofort bei der Mannschaft ankam.

Die bisherige Ausbeute der Lilaweißen in der Kreisklasse Neuburg 2023/24: sieben Siege, zwei Unentschieden und lediglich drei Niederlagen. In der Tabelle bringt das aktuell den vierten Rang ein. „Damit können wir ganz gut leben“, meint Dittenhauser. Besondres stolz sei er auf die bisherigen Leistungen seiner Truppe gegen den Ball. So schlug es im SVS-Kasten erst 14-mal in der laufenden Saison ein, lediglich Klassenprimus SG Münster/ Holzheim (8) weist eine noch geringere Anzahl an Gegentreffern auf. „Die Defensivarbeit beginnt immer schon ganz vorne in der Mannschaft und hat nicht nur etwas mit der Abwehr an sich zu tun. Das haben unsere Jungs stark umgesetzt“, freut sich der 48-Jährige.

Brumm pflichtet ihm bei: „Unsere Jungs sind ganz allgemein sehr lernwillig, geben niemals auf. Und sie wissen, dass es nur übers Kollektiv funktioniert, Erfolg zu haben.“ Das alles habe es ihm „enorm leicht gemacht“, sehr schnell als Novize auf dem Trainerposten Fuß zu fassen. „Ich fühlte mich innerhalb kürzester Zeit pudelwohl. Und nun, nach rund einem halben Jahr im neuen Amt, kann ich tatsächlich voller Selbstvertrauen sagen: ,Hey, ich habe es drauf, diesen Job richtig gut zu machen.“

„Möglichst viele möglichst lange ärgern“

Das eben nicht nur 2023/24, sondern auch 2024/ 25 beim SVS – zusammen mit Dittenhauser. Die Tinte unter den neuen Arbeitspapieren ist längst trocken – und das Trainerduo hat sich für die nächsten Monate eine Menge vorgenommen. Das Ziel in der laufenden Saison lautet, den aktuellen Tabellenplatz möglichst lange zu verteidigen. „Für ganz oben dürfte es zwar nicht mehr reichen – aber wir haben trotzdem keine Lust darauf, die Spielzeit frühzeitig ausklingen zu lassen“, erklärt Dittenhauser: „Möglichst viele möglichst lange zu ärgern, das wäre eine tolle Sache.“ Und dann, 2024/25? „Wollen wir wieder möglichst viele möglichst lange ärgern“, ergänzt der 48-Jährige lächelnd. Ohne ein Schielen in Richtung Aufstiegsränge? „Nur wenn alles passt – und nur dann – können wir als SVS ganz oben angreifen“, so seine klare Antwort: „Aber ich denke gar nicht daran, dahingehend irgendeinen Druck auf unser Team aufbauen zu wollen.“

Riesenkompliment an Coach des Reserventeams

Dass die zweite Steingriffer Vertretung aktuell den zweiten Tabellenrang in der B-Klasse Neuburg belegt – Dittenhauser verfolgt’s mit großer Freude. Aber ob es wirklich gut wäre, wenn sie am Saisonende ein eventuelles Aufstiegsrecht in die A-Klasse wahrnehmen würde? „Das hat rein sie selbst zu entscheiden. Für Andreas und mich ist es vor allem wichtig, dass wir einen starken Unterbau besitzen“, so der einstige Brunnener beziehungsweise Ingolstädter: „ Das ist hundertprozentig der Fall. Stefan Lautenschlager macht als Chefcoach unserer Reservenmannschaft einen überragenden Job, er nimmt Andreas und mir eine Menge Arbeit ab.“

Apropos Arbeit: Wer trifft beim Kreisklassenteam der Lilaweißen jetzt die letzte Entscheidung? Brumm oder Dittenhauser? „Auch wenn es mir jetzt vielleicht niemand glauben mag: Wir waren bislang immer einer Meinung, hatten noch keinerlei Differenzen“, erklärt Letzterwähnter. Brumm nickt zustimmend: „Es ist tatsächlich komisch – aber seit unserem gemeinsamen Amtsbeginn gab es noch fast keinen Tag, an dem wir nicht miteinander telefonieren. Wir gehen immer offen und ehrlich miteinander um – was zur Folge hat, dass wir stets auf einen gemeinsamen Nenner kommen.“

Und wie ist dann das Auftreten gegenüber der Mannschaft? Dittenhauser lacht: „Tja, da bin wohl eher ich es, der den ,Bad Cop’ spielt und mitunter auf den Tisch haut. Aber wer ernsthaft glaubt, dass nicht auch der Andi sehr laut werden kann, der täuscht sich gewaltig.“

SZ