Schritt für Schritt dem Traum entgegen
Jonas Perconti aus Mühlried wechselt zum VfB Eichstätt – und hat den Profibereich im Blick

15.06.2024 | Stand 15.06.2024, 17:15 Uhr |

Es war einmal: Jonas Perconti (l.) im Trikot des FC Ingolstadt 04. Foto: Imago Images

Ein Fußballprofi aus Mühlried? Was im ersten Moment ein bisschen verwunderlich klingt, könnte irgendwann vielleicht Realität werden. Die Anlagen dazu hat Jonas Perconti, sagen jedenfalls viele seiner Wegbegleiter. Nach zwölf Jahren beim FC Ingolstadt heißt die neue Herausforderung des 20-Jährigen VfB Eichstätt.

Ausbildung wichtigerals eine höhere Liga

Die in diesen Tagen wichtigste Frage zuerst: Für wen schlägt bei der Fußball-EM das Herz des „Viertel-Italieners“? Perconti muss lachen. „Italien gegen Deutschland wäre natürlich mein Traumfinale“, sagt er. „Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann eher für Deutschland.“

Eine Entscheidung, die seine persönliche Zukunft betrifft, musste der 20-Jährige vor kurzem auch fällen. Und sie ist pro VfB Eichstätt ausgegangen. „Schwer gefallen ist mir das eigentlich nicht“, sagt Perconti. Zum familiären Umfeld beim Bayernligisten und den sportlichen Ambitionen komme nämlich auch noch die Chance, in Eichstätt eine Ausbildung im Bereich Büromanagement und sich nebenbei selbstständig zu machen. Es habe auch Angebote von noch höherklassigen Vereinen gegeben. „Aber als Gesamtpaket hat sich das am besten angefühlt“, sagt er. „Vor allem, weil ich dann auch noch den beruflichen Hintergrund habe.“

„Er bringt alles fürden Profifußball mit“

Was sich so vernünftig und zufrieden anhört, soll nicht bedeuten, dass Perconti seinen Traum vom Profifußball damit begraben möchte. Der lebt, seit der Mühlrieder vor zwölf Jahren – übrigens vom SV Steingriff – in die Jugend des FC Ingolstadt gewechselt war. Sein Vater hatte ihn damals bei einer Art Probetraining angemeldet, bei dem die Besten genommen wurden. Perconti gehörte dazu. Seitdem hat das Talent alle Jugendteams des FCI durchlaufen, spielte in der bayerischen Auswahl, in der U19-Bundesliga, danach in der Bayernliga und war mehrmals auch ganz nah dran am Ingolstädter Profikader. Zum Beispiel in der Vorbereitung auf die Zweitligasaison 2021/22, als plötzlich der damalige FCI-Trainer Roberto Pätzold anrief und Perconti recht kurzfristig zu einem Testspiel mit den Profis einlud – lustigerweise gegen den VfB Eichstätt. Mit damals 17 Jahren feierte er ein gelungenes Debüt, bereitete einen Treffer vor. Auch danach war er immer wieder in Trainingslagern oder bei Freundschaftsspielen dabei. Ganz gereicht hat es (noch) nicht.

Aber das kann ja noch werden. „Er hätte alles, um im Profibereich zu spielen“, sagt sein Berater, der Langenmosener Michael Koppold. Ein bisschen frecher, im positiven Sinne, dürfe Perconti, der groß (1,85 Meter), schnell und beidfüßig ist, noch werden, grinst Koppold. „Die sportlichen Voraussetzungen bringt er jedenfalls alle mit.“ Perconti hört das gerne, ist auch selbstbewusst: „Ich traue mir diesen Sprung auf jeden Fall zu“, sagt er. Wohlwissend, dass er dafür auch noch weiter hart an sich arbeiten muss.

Viele Entbehrungenin der gesamten Familie

Sollte das irgendwann klappen, wäre es eine Bestätigung. Und auch eine Art Lohn für viele Jahre voller Entbehrungen. „In Schrobenhausen kenne ich eigentlich nur die Schule und gehe zum Laufen raus“, lacht Perconti. Ansonsten seien die Jugendjahre, neben der Schullaufbahn, geprägt gewesen von vielen Fahrten und täglichen Trainingseinheiten beim FCI. Dass auch seine Eltern und seine beiden Schwestern diesen Aufwand in Kauf genommen haben, „dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken“, sagt der 20-Jährige. „Sie haben ihre eigenen Interessen und vor allem ihre Zeit hinten angestellt, damit ich meinem Traum Schritt für Schritt näher kommen kann.“

Dieser Traum wird nun zunächst nicht beim FC Ingolstadt weitergehen. Auch wenn der Verein dem Schrobenhausener ans Herz gewachsen ist. „Alle meine engen Freunde habe ich dort im Laufe der Jahre kennengelernt“, sagt er. Mit vielen Trainern und Trainerinnen, wie die neue Verantwortliche für das Drittligateam, Sabrina Wittmann (Perconti: „Sie ist fachlich und menschlich top“), hatte er zu tun, hat unter ihnen trainiert und gespielt. „Dass ich nach zwölf Jahren dort weggehe, war anfangs schon hart“, sagt er, fügt aber an: „Ich denke, es ist jetzt gut, so wie es ist.“

Testspiel gegenden FC Ingolstadt

Und außerdem: Auch in Eichstätt geht es ja familiär zu, ohne dabei die sportlichen Ambitionen zu verlieren. Die Regionalliga-Rückkehr wäre ja auch hier ein realistisches Ziel, das Perconti dem Profibereich ein Stückchen näher bringen würde. Ach ja, und der FC Ingolstadt ist natürlich auch nicht aus der Welt: Am 6. Juli treffen sich die beiden Vereine, der FCI und der VfB, in Böhmfeld zu einem Vorbereitungsspiel, bei dem Jonas Perconti dann erstmals auf der anderen Seite stehen wird.

SZ