Fußball, Regionalliga Bayern

Fußball-Regionalligist auf Abwegen

Dank Teambetreuer Benny Rauch, dem amtierenden ISKA-Weltmeister in der Altersklasse Ü35: FC Pipinsried beim Kickboxen

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 11:14 Uhr

Viel Spaß im und neben dem Ring: Die FCP-Kicker lernten Benny Rauch (l.) nun von einer ganz anderen Seite kennen.. Foto: FCP

Von Roland Kaufmann

Pipinsried/Augsburg – Einen leibhaftigen Weltmeister als Teambetreuer zu besitzen, das kann wahrlich nicht jeder behaupten. Fußball-Regionalligist FC Pipinsried genießt diesen Luxus sehr wohl, mit Benny Rauch hat er den amtierenden WM-Champion der International Sport Kickboxing Association (ISKA) in der Klasse Ü35 in seinen Reihen.

Kopfschutz anstatt perfekt gestylter Haare

Hier die „gute Seele“ der Mannschaft, der stets entspannt wirkende und sympathische Zeitgenosse an der Seitenlinie bei den Gelbblauen – dort der knallharte Fighter im Ring: Der 40-Jährige führt in seiner Freizeit in der Tat ein kleines Doppelleben. Wobei die FCP-Kicker jetzt die Gelegenheit erhielten, auch Rauchs andere Seite kennenzulernen – nämlich in Form einer ausgiebigen Trainingseinheit gemeinsam mit ihm in der Kampfsportschule Augsburg.

Boxhandschuhe anstelle von Fußballschuhen, Kopfschutz anstatt perfekt gestylter Haare: kein Problem für die Pipinsrieder Regionalligafußballer. Wirklich niemand von ihnen drückte sich vor der außergewöhnlichen Einheit, es herrschte sogar eine große Vorfreude darauf. „Manch einer meinte aus dem Kader sogar, im Vorfeld eine kesse Lippe riskieren zu müssen“, berichtet Rauch schmunzelnd: „Die Strafe dafür folgte dann im Laufe der Einheit.“

Genauer ausgedrückt war das zum Ende hin der Fall, als einigen Akteuren die Chance geboten wurde, im Rahmen eines Sparrings kurz mal gegen die Profis in den Ring steigen zu dürfen. Halit Yilmaz beispielsweise traute sich – ebenso wie Belmin Idrozovic sowie Claudio Milican. Und natürlich Daniel Witetschek: Der Keeper aus Schrobenhausen, auch anson-sten nie um einen coolen Spruch verlegen, maß sich sogar gleich mit dem Kampfsportschulen-Cheftrainer sowie K1-Profi Cihan Selcuk. Allerdings nicht lange. „Eine Runde bei uns dauert zwei Minuten, aber so lange hielt ,Witte’ nicht durch“, erzählt Rauch mit einem Lachen im Gesicht.

Nein, komplett ernst wurde da natürlich nicht gefightet. Der Spaß stand definitiv im Vordergrund – wie ganz allgemein bei dieser Trainingseinheit an ungewohnter Stelle. Was allerdings nicht bedeutet, dass die ansonsten kickenden FCP-Herren einen ruhigen Nachmittag erlebte. Das wollten sie auch überhaupt nicht. „Und so wurden aus den ursprünglich geplanten 90 Minuten am Ende 120“, verrät Rauch, der gemeinsam mit Selcuk, Kabüs Kaba und Anja Jünger die Leitung der Veranstaltung innehatte.

Der 40-Jährige ist fest überzeugt: Vor allem in Sachen Ausdauer, Kraft sowie Explosivität könne das Kick- beziehungsweise Thaiboxen einem Fußballer sehr weiterhelfen – zumal hierbei Bewegungen nötig sind, die er ansonsten aus seiner Sportart kaum kennt. „Das hat prompt zur Folge, dass unsere Jungs mittlerweile von Muskelkater an Stellen berichten, von denen sie überhaupt nicht wussten, dass man da einen Muskelkater haben kann“, berichtet Rauch: „Ganz grundsätzlich ist ein Fußballer tatsächlich eher unbeweglich. Je mehr es ihm gelingt, sich dehnen zu können, umso weniger Bänderverletzungen oder Zerrungen wird er in Zukunft erleiden. Und hierbei kann das Kickboxtraining sehr gute Dienste leisten.“

Erst recht, wenn die Kicker so engagiert bei der Sache sind, wie es die FCP-Aktiven nun eben gewesen seien. „Sie entwickelten sehr schnell einen riesigen Ehrgeiz und Kampfgeist. Keiner wollte frühzeitig aufhören, jeder ging an seine Grenzen, jeder blieb bis zur allerletzten Minute“, so Rauch. Und das gefiel nicht nur ihm, sondern der gesamten Pipinsrieder Mannschaftsführung. Denn selbstverständlich ließen es sich auch Teammanager Atdhedon Lushi, Chef-Spielertrainer Herbert Paul sowie Co-Trainer Enver Maltas nicht nehmen, vor Ort zu sein und das Geschehen zu beobachten – und das bei allerbester Stimmung.

Teambuilding-Maßnahme der besonderen Art

Tatsächlich ging’s in der Kampfsportschule in Augsburg nicht nur ums Trainieren an sich. Die 120 Minuten dienten außerdem als willkommene Teambuilding-Maßnahme – was, so zumindest die ersten Reaktionen, auch hundertprozentig klappte. Gerade Rauch als „gute Seele“ der Mannschaft weiß, wie wichtig das sein kann. „Wir befinden uns momentan in einer schwierigen Lage. Nur wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, ist der Abstieg aus der Regionalliga Bayern noch zu verhindern“, ist der 40-Jährige fest überzeugt.

Die Einheit in fremder Umgebung soll übrigens keine Eintagsfliege beim FCP bleiben: „Ich kann mir gut vorstellen, dass das vielleicht schon sehr bald wiederholt wird“, sagt der amtierende Weltmeister der International Sport Kickboxing Association (ISKA) in der Klasse Ü35. Und wer weiß: Eventuell schafft es „Witte“ Witetschek das nächste Mal sogar, eine komplette Runde gegen Selcuk im Ring durchzuhalten...

SZ