„Vertrauensbruch von Seiten des Vorstands“
Funktionärsbeben beim FC Pipinsried: Atdhedon Lushi und Enver Maltas zurückgetreten – Klubpräsident „schockiert“

28.11.2023 | Stand 28.11.2023, 12:48 Uhr

Im April 2023 noch eine verschworene Einheit: Atdhedon Lushi (r.) und Enver Maltas (2. v. l.) zusammen mit FCP-Präsident Benny Rauch (l.) und Finanzchef Josef Ankner (2. v. r.). Das hat sich jetzt geändert. Foto: D. Libossek (Archiv)

Paukenschlag beim FC Pipinsried: Sportdirektor Atdhedon Lushi und Sportlicher Leiter Enver Maltas sind mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern zurückgetreten. Der offizielle Grund, wie die Beiden unisono mitteilten: „ein großer Vertrauensbruch von Seiten des Vorstands, der eine weitere Zusammenarbeit komplett ausschließt“.

„Bei Verhandlungen mit Trainer übergangen worden“

Konkret gehe es darum, dass hinter ihrem Rücken die Vereinsspitze bereits Gespräche mit Cheftrainer Martin Weng bezüglich einer Vertragsverlängerung geführt habe. Sogar eine mündliche Einigung solle es schon geben – ohne dass Lushi und Maltas davon gewusst hätten. „Hier geht es selbstverständlich nicht um die Person Weng. Er leistet eine gute Arbeit – also spricht tatsächlich nichts dagegen, dass er beim FCP bleibt. Aber dass Ati und ich bei einer solchen trotzdem grundlegenden Entscheidung komplett übergangen werden, das geht natürlich überhaupt nicht“, erklärte Maltas am Montagvormittag.

Er und Lushi hätten im Laufe des Sonntags davon erfahren – und jetzt zogen sie eben ihre Konsequenzen daraus. „Und unsere Rücktritte sind keine Entscheidungen schnell mal aus dem Affekt heraus“, betonte Maltas: „Zugegeben, Ati und ich sind hin und wieder auch echte Emotionsbestien. Aber diesen Schritt haben wir wohl überlegt. Wir berieten uns, besprachen uns – und kamen leider immer wieder zu dem Schluss, dass es ein ,Weiter so’ unmöglich ist.“

Ein klärendes Gespräch mit der Vereinsspitze habe es (zumindest bis zum Montagmittag) nicht gegeben. Aber wirklich viel hätte ein solches auch nicht gebracht, wie Lushi deutlich machte: „Es gibt für uns keinen Weg zurück.“

Andererseits, und das sei ihm auch ausgesprochen wichtig: „Wir wollen jetzt keinesfalls schmutzige Wäsche waschen, hierfür ist uns der FC Pipinsried viel zu wichtig. So werde ich weiterhin ein Riesenfan von ihm sein, er wird weiterhin mein Herzensverein bleiben. Und ja, natürlich werde ich mir in Zukunft auch weiterhin Spiele von ihm anschauen – nur dann halt nicht mehr als Funktionär, sondern als Zuschauer“, so Lushi.

Maltas sieht es ähnlich: „Der FCP ist ein maximal geiler Klub mit maximal geilen Leuten. Und ihn hat es vor uns gegeben – es wird ihn auch nach uns geben. Dass ich ihn nun mit mindestens einem tränenden Auge verlasse, dürfte wohl jeder nachvollziehen können – zumal Ati und ich in unserer rund einjährigen Zeit dort wohl doch eine Menge auf die Beine gestellt haben.“

Für das Gesicht des aktuellen Kaders verantwortlich

Tatsächlich trägt der aktuelle Bayernliga-Kader der Gelb-Blauen ganz deutlich die Handschrift von Lushi und Maltas. Ihr großes Ziel, eine Mannschaft im wahrsten Sinne des Wortes aufzubauen – mit einem ausgesprägten Teamspirit, mit einem hundertprozentigen Miteinander sowie echten Charakteren auch aus der näheren Umgebung ausgestattet – es wurde erreicht. Nicht zuletzt diese Tugenden führten dann ja auch zum Sensationscoup gegen den TSV 1860 München (1:0-Sieg) vor nicht einmal zwei Wochen, durch den der FC Pipinsried erstmals in seiner Klubhistorie in das Halbfinale des Bayerischen Verbandspokal-Wettbewerbs einzog.

„Es ist wirklich extrem schade, dass jetzt schon Schluss für uns ist. Wir hatten uns wirklich auf einem sehr guten Weg befunden“, so Lushi mit trauriger Stimme: „Aber es geht leider nicht anders, nach dem bereits erwähnten Vertrauensbruch müssen Enver und ich einfach unsere Konsequenzen ziehen.“

Auch Maltas war am Montagvormittag anzumerken, wie sehr es ihn schmerzt, den FCP nach nur etwas mehr als einem Jahr bereits wieder zu verlassen. „Ich muss das Ganze jetzt erst einmal ein paar Tage sacken lassen, und dann schaue ich weiter“, sagt der 31-Jährige. Vielleicht werde er in der kommenden Saison irgendwo wieder als Trainer tätig sein, vielleicht werde er sogar eine ganzjährige Pause vom Fußball einlegen. „Schaun mer einfach mal“, so der 31-Jährige – und er versuchte das mit seinem unnachahmlichen Grinsen zu unterstreichen. Aber so sehr sich der bisherige Sportliche Leiter hierbei auch bemühte: Es fiel nicht mal ansatzweise so wohltuend herzerfrischend aus, wie man es von ihm aus den vorherigen zwölf Monaten gewohnt war.

Benny Rauch „menschlich sehr enttäuscht“

„Ich bin schlichtweg schockiert. Ich kann die Entscheidung von Ati und Enver absolut nicht verstehen“, sprudelte es dann kurz nach seinem Dienstschluss aus Benny Reich heraus: „Ich bin ein Mensch, der Probleme normalerweise miteinander im direkten Gespräch löst – auch wenn es mitunter hart wird. Aber dafür gab man mir in diesem Fall keine Chance, stattdessen bekam ich am Montagvormittag über die Medien ein regelrechtes Brett vor den Kopf gehauen. Und das empfinde ich menschlich schon sehr enttäuschend.“

Dem Vereinspräsidenten des FC Pipinsried war in jenen Momenten deutlich anzumerken, das es innerlich in ihm brodelte. Trotzdem versuchte er, die Contenance zu bewahren, ja keine falschen Worte zu wählen. Besonders hart traf ihn der Vorwurf des „Vertrauensbruchs“ gegenüber Maltas und Lushi (siehe oben stehenden Artikel): „Natürlich habe ich mich zuletzt mit unserem Trainer unterhalten. Aber in jenem Gespräch ging es mir rein darum, ihm meinen Dank für seine bislang geleistete Arbeit auszusprechen. Ich erachte Martin Weng als Glücksfall für den FCP – menschlich ebenso wie sportlich. Und ich finde, dass ich als Vereinspräsident sehr wohl das Recht habe, diese Wertschätzung auch direkt auszusprechen – das mache ich gegenüber einem U19-Spieler, der das verdient hat, nicht anders. Sollte das nicht der Fall sein, dann bin ich in meinem Amt fehl am Platz.“

Vertragsgespräche mit Weng oder gar eine Einigung habe es von seiner Seite nie gegeben, darauf legt Rauch allergrößten Wert. „Ich bin doch froh um Leute wie Lushi und Maltas, weshalb hätte ich sie übergehen sollen?“

„Hätten alle Ungereimtheiten aus der Welt schaffen können“

Womit der 41-Jährige wieder am Ausgangspunkt seiner Ausführungen angekommen war: „Wir hätten wahrscheinlich alle Ungereimtheiten aus der Welt schaffen können, wenn Ati und Enver direkt mit uns geredet hätten. Aber die Beiden wählten leider einen anderen Weg – womit sie, um es sehr vorsichtig auszudrücken, wirklich jeden bei uns im Verein extrem überraschten.“

In seiner offiziellen Pressemitteilung, die vom FCP dann um 15.06 Uhr verschickt wurde, wurde der Klub deutlicher. Darin wird „die Vorgehensweise“ von Lushi und Maltas als „befremdlich“ eingestuft und der „Vorwurf“ des Vertrauensbruchs „aufs Schärfste“ zurückgewiesen. Außerdem schrieb der Verein: “Bis zum heutigen Zeitpunkt liegt dem Vorstand kein Konzept für die fußballerischer Zukunft des FC Pipinsried vor. Zudem haben wir Kenntnis, dass Enver Maltas mit einem anderen Verein verhandelt hat.“ Das sieht nicht gerade nach einer friedlichen Trennung aus – selbst wenn der FCP den Zurückgetretenen noch „für die Zukunft alles Gute“ wünschte.

SZ