Tennis, BTV

Für den Sport das gewohnte Umfeld verlassen

Im Gespräch mit Lea Boysen vom TC Schrobenhausen, die jetzt in der TennisBase in Oberhaching lebt

25.01.2023 | Stand 25.01.2023, 15:44 Uhr

Konzentriert auf dem Court: Die harte Trainingsarbeit in Oberhaching zahlt sich für Lea Boysen bereits aus. Fotos: E. Dürrmann

Schrobenhausen/Oberhaching –Wie weit wird ihr Weg im Tennisleben nach oben führen? Lea Boysen, das dreizehnjährige Riesentalent des TC Schrobenhausen, hat sich für den Tennissport entschieden und lebt jetzt in der TennisBase des Bayerischen Tennisverbands in Oberhaching. Natürlich muss vieles zusammenpassen – aber die Möglichkeit besteht für sie, zur deutschen Tenniselite der Erwachsenen zu gehören oder sogar einen Platz in der Weltrangliste zu erreichen. Immerhin gehört Lea schon jetzt zu den Jahrgangsbesten in ganz Deutschland. Ob es mit mehr klappt, wird die Zukunft zeigen.
Boysen hat als kleines Kind ihren Eltern oft beim Tennis spielen zugeschaut. Mit fünf Jahren hatte sie dann ihre erste Trainingsstunde. Durch großen Ehrgeiz und viel Training, hauptsächlich mit ihrem Heimcoach Crt Gobec (TC Schrobenhausen), machte die jetzt 13-Jährige bei den Bayerischen Meisterschaften und bei den Deutschen Jugendmeisterschaften auf sich aufmerksam. Im vergangenen Jahr erhielt Boysen aufgrund ihrer positiven Entwicklung das Angebot vom Bayerischen Tennisverband, am neuen Leistungskonzept „vom Talent zum Profi“ teilzunehmen. Das aber hieß für das junge Mädchen, ihre gewohntes Umfeld zu verlassen und ihr Leben hauptsächlich südlich von München in Oberhaching zu verbringen – mit Schule und Tennis. Nach langen Überlegungen entschied die Familie schließlich, diese einmalige Möglichkeit zu nutzen. Jetzt, nach ein paar Monaten mit diesen veränderten Bedingungen, gibt Boysen erste Antworten auf Fragen über ihr neues Leben.

Lea, seit wann bist Du im Internat der TennisBase?
Lea Boysen: Das ist seit diesem Schuljahr der Fall.

Was war Deine Motivation, Dich für diesen doch recht weitreichenden Schritt zu entscheiden und Dein vertrautes Umfeld zu Hause in Schrobenhausen zu verlassen?
Boysen: Ich hatte im Frühjahr 2022 eine Anfrage des Bayerischen Tennisverbands erhalten, ob ich in der TennisBase trainieren und im angeschlossenen Internat wohnen möchte. Nach langem Überlegen mit meiner Familie und meinem Heimtrainer Crt Gobec kam ich zu dem Entschluss, das Angebot vom BTV anzunehmen. Am Ende überzeugten mich die sehr guten Trainingsmöglichkeiten und Trainingspartner.

Hast Du Deine Entscheidung nach den Erfahrungen in den vergangenen Monaten bereut?
Boysen: Am Anfang war es schon schwer, mich an alle Veränderungen in der neuen Schule sowie an das umfangreiche Training zu gewöhnen. Es brauchte tatsächlich einige Zeit, um mich hier einzuleben, da ich jetzt doch sehr selbstständig sein muss.

Wie sieht der Alltag in der TennisBase aus?
Boysen: Ich stehe um 6.30 Uhr auf, dann gibt es um 7 Uhr Frühstück, anschließend gehe ich bis um 13 Uhr in die Schule. Nach der Mittagspause habe ich jeden Tag jeweils drei Stunden Training. Zusätzlich kommen regelmäßiges Mentaltraining sowie Physiobehandlungen nach Bedarf dazu. Meine Hausaufgaben erledige ich schließlich nach dem gemeinsamen Abendessen, ehe um zirka 21 Uhr der Tag vorbei ist und ich ins Bett gehe.
Wie kann man sich das Leben im Internat vorstellen?
Boysen: Wir sind eine kleine Wohngemeinschaft mit etwa 15 bayerischen Tennistalenten im Alter von 13 bis 18 Jahren. Jeder Bewohner hat entweder ein Einzel- oder Doppelzimmer. Zusammen nutzen wir eine geräumige Küche und einen Gemeinschaftsraum, in dem wir oft gemeinsam Tennismatches im Fernsehen anschauen, Kicker oder Ähnliches spielen. Unsere Zimmer liegen gleich über den Tennisplätzen: Wir müssen nur die Treppe hinuntergehen, und schon sind wir dort.

Inwiefern veränderte sich für Dich das Training?
Boysen: Es ist nun viel intensiver. So habe ich jetzt jeden Tag eine Stunde Konditionstraining und zwei Stunden Tennistraining mit immer verschiedenen Partnern. Hinzu kommt Einzeltraining, um meine Technik weiter zu verbessern.

Was ist der Unterschied zwischen Internat und zu Hause in Schrobenhausen?
Boysen: Zum einem bin ich von Montag bis Freitag ohne meine Familie und meine alten Freunde. Dafür man lernt viele neue Menschen kennen, und es schließen sich neue Freundschaften. Zum anderen muss ich mir mittags mein Essen selbst kochen und natürlich alltägliche Haushaltsarbeiten erledigen – wie zum Beispiel Wäschewaschen, Aufräumen und vieles mehr. Die Arbeiten teile ich mir jedoch mit meiner Mitbewohnerin Elisabeth auf.

Wie kommst Du mit Deiner Zimmernachbarin klar?
Boysen: Wir verstehen uns sehr gut. Wir kannten uns bereits von Turnieren und spielten schon miteinander Doppel. Wir haben immer sehr viel Spaß und ergänzen uns super.

Merkst Du nach den ersten Monaten in der TennisBase bereits erste Fortschritte in Deinem Tennisspiel?
Boysen: Auf jeden Fall. Ich kann nun viel sicherer spielen und habe mich auch athletisch sehr verbessert. Meinen Aufschlag habe ich zudem umgestellt, dieser ist jetzt viel sicherer und schneller.

Trainieren in der TennisBase Oberhaching auch Profis?
Boysen: Ja, teilweise schon. Zum Beispiel Kevin Krawietz arbeitet hier, wenn er nicht gerade bei Turnieren am Start ist. Er ist ein Weltklasse-Doppelspieler und hat schon zweimal die French Open gewonnen. Manchmal schaut er auch bei unseren Trainingseinheiten vorbei. Zudem ist Davis-Cup-Chef Michael Kohlmann oft in der Base anzutreffen.

Was ist Dein persönliches Fazit nach Deinem ersten halben Jahr in Oberhaching?
Boysen: Ich bin ausgesprochen froh, dass ich diese große Chance bekommen habe, in der TennisBase zu wohnen und zu trainieren. Ich habe bereits in den wenigen Monaten deutliche Fortschritte gemacht und möchte das in der neuen Saison selbstverständlich auf dem Platz zeigen.

SZ

Das Gespräch führte Erhard Dürrmann