Fussball, Personalgeschichte

„Der verlorene Sohn ist heimgekehrt“

Nach 16 anderen Stationen in der großen weiten Fußballwelt: Für Mariusz Suszko schließt sich beim VfB Markt Mörnsheim ein Kreis

05.08.2022 | Stand 05.08.2022, 17:44 Uhr

Mariusz Suszko in Aktion: Vom Sommer 2019 an bis vor wenigen Wochen fungierte der einstige Junioren-Nationalspieler Polens als Spielertrainer des BSV Berg im Gau (rote Kleidung). Foto: M. Schalk

Von Roland Kaufmann

Berg im Gau/Mörnsheim – Wieder zu Hause im Altmühltal: Mariusz Suszko scheint das nun in vollen Zügen zu genießen. Vom VfB Markt Mörnsheim war er einst ausgezogen, um die große Fußballwelt zu erobern. Um höherklassig zu kicken, ja sogar von einer Profikarriere zu träumen. Ganz dazu hat es zwar nicht gereicht – aber „Sushi“ wie er allerorts nur genannt wird, ist trotzdem zufrieden mit dem Erreichten. Insgesamt für 16 auswärtige Klubs war er tätig gewesen, hatte zu Beginn seiner Karriere sogar mehrere Länderspiele für polnische Junioren-Nationalteams bestreiten dürfen – um jetzt, nach drei Jahren beim BSV Berg im Gau, eben wieder zu „seinem“ VfB Markt Mörnsheim zurückzukehren.

Mariusz Suszko strahlt über das ganze Gesicht. „Es ist schon extrem schön hier“, sagt 35-Jährige und startet zugleich eine regelrechte Lobeshymne auf seine neue alte Heimat. Begriffe wie „unberührte Natur“ und „erholsame Ruhe“ fallen. Auf den Charme des Flüsschens Gailach wird von ihm ebenso gesondert hingewiesen wie auf jenen der Nachbarorte wie Mühlheim, Ensfeld oder Haunsfeld. Und, ach ja: Dass die gesamte Gemeinde Mörnsheim doch „immerhin rund 1800 Einwohner“ beheimatet, das vergisst „Sushi“ außerdem nicht zu erwähnen.

Joe Schallers Wurstsalat fehlt schon ein bisschen

Wobei: Eines gibt es dort im Altmühltal dann doch nicht – nämlich einen Wirt wie den Schaller Joe. Also wie den Chef jener Berg im Gauer Gastwirtschaft, bei dem Suszko die vergangenen drei Jahre stets mit seinem dortigen BSV einkehrte. Und bei dem es diesen so legendären Wurstsalat gibt, den „Sushi“ in all dieser Zeit kennen und lieben gelernt hat. „Aber nicht nur deswegen werde ich meine Tätigkeit in Berg im Gau immer in sehr guter Erinnerung behalten“, sagt der 35-Jährige: „Für mich war’s dort ganz allgemein gesehen superschön, ich fand dort tolle neue Freunde – und der Kontakt dorthin wird wohl auch nie mehr abreißen.“

Umso mehr verwundert es, dass vor wenigen Wochen Suszkos Amtszeit beim BSV so abrupt endete – mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison 2022/23, und obwohl der einstige polnische Junioren-Nationalspieler noch einen gültigen Vertrag beim Traditionsverein im Altlandkreis Schrobenhausen besaß. „Es ging tatsächlich alles sehr schnell“, nickt „Sushi“ zustimmend: „Aber es war der richtige Schritt.“

Einer, der nicht zuletzt durch seine eigenen Ansprüche begründet ist. Denn trotz seines zumindest auf fußballerischer Ebene schon fortgeschrittenen Alters ist Suszko ehrgeizig wie eh und je. Er möchte stets das Optimum erreichen – und fordert es prompt auch von allen seinen Mitstreitern. Auf Berg im Gau umgemünzt bedeutete das: Der Inzwischen-wieder-Mörnsheimer wollte mit dem BSV nicht erneut „nur“ im Tabellenmittelfeld der Kreisklasse Neuburg mitmischen, sondern im Aufstiegskampf.

„Das Potenzial hierfür wäre im Kader da gewesen“, berichtet Suszko: „Aber nicht wirklich der Wille.“ So habe sich im Laufe der Vorbereitung immer mehr abgezeichnet, dass das nötige Feuer, um in Berg im Gau 2022/23 ganz Großes zu erreichen, nicht vorhanden sei – „zunächst bei der Mannschaft nicht, dann immer mehr auch bei mir nicht“, verrät der 35-Jährige. Spätestens da sei für ihn der Zeitpunkt gekommen gewesen, dass sich Vereinsführung und er zusammensetzen mussten: „Es war in diesem Moment das Beste, jenen schleichenden Prozess, dass die Ansprüche des Teams und von mir immer weiter auseinanderdriften, zu beenden. Man kann schließlich nichts erzwingen“, sagt „Sushi“. Und er betont: „Wir sind jetzt hundertprozentig im Guten auseinandergegangen. Ich bin definitiv niemandem beim BSV böse – also auch nicht den jungen Akteuren dort, die aktuell eben nicht jenen Ehrgeiz haben, den ich mir gewünscht hätte. Vielleicht habe ich zu schnell zu viel von ihnen gewollt.“

Telefon stand mehrere Tage lang nicht mehr still

Was dann, unmittelbar nach Bekanntwerden seines Abschieds aus Berg im Gau, passierte – das überraschte selbst den 35-Jährigen ein bisschen: „Mein Telefon stand gleich mehrere Tage lang kaum mehr still“, so Suszko durchaus verblüfft. Unzählige Vereine aus den Räumen Ingolstadt und Augsburg kontaktierten ihn, wollten ihn in ihre Reihen locken. Kein Wunder: Ein Mann, der während seiner Laufbahn für den VfB Eichstätt, SC Schwabach 04, 1. FC Nürnberg, FC Augsburg, 1. FC Kaiserslautern, SV Waldhof Mannheim, TSV Rain, TSV Gersthofen, SV Seligenporten, BC Aichach, FC Gerolfing, SpVgg Landshut, FC Pipinsried, TSV Pöttmes, SV Karlshuld und zuletzt eben den BSV Berg im Gau aktiv gewesen war, steht wohl jedem Klub gut zu Gesicht. Die Mischung aus unbezahlbarer Routine und immer noch vorhandenen Topfähigkeiten auf dem Spielfeld: Sie beförderte „Sushi“ auch in diesem Juli 2022 wieder auf zahlreiche Wunschzettel – egal, ob als „reiner Spieler“ oder als Spielertrainer.

„Tatsächlich überlegte ich mir kurz, ob ich für ein Jahr zumindest nochmals in der Landesliga kicken wolle“, berichtet der nun Ex-Berg-im- Gauer: „Aber was hätte es mir letztlich gebracht? Ich hätte dann zwar ein paar Landesligapartien mehr auf meinem Konto – aber die Zeit, die ich dafür hätte aufbringen müssen, wäre das alles nicht mehr wert gewesen.“ Suszko ist schließlich seit ein paar Jahren nicht mehr „nur“ ein leidenschaftlicher Fußballer, sondern zudem ein glücklicher Ehemann und stolzer Vater. Quasi der unübersehbare Beweis dafür, dass es für den mittlerweile 35-Jährigen längst nicht mehr nur um Punkte und Tore geht: Der Name von Söhnchen Marcel ist inzwischen groß auf den rechten Unterarm von Papa Mariusz tätowiert.

Suszko hat sich verändert. Auch in Sachen Wohnort, wo es vor kurzem komplett zurück zu den Wurzeln ging. Also nach Mörnsheim. Also eben in das Dorf, in dem er einst aufgewachsen war. „Ein Kreis schließlich sich dadurch für mich“, so „Sushi“ über den Umzug mit seiner Familie von Ingolstadt aus ins Altmühltal: „Der verlorene Sohn ist hiermit heimgekehrt.“

Mit Fahrrad nur zwei Minuten bis zum Trainingsplatz

Wobei das inzwischen auch für das Sportliche gilt. So befand sich der VfB Markt Mörnsheim, bei dem Suszko einst als Bub seine ersten fußballerischen Schritte unternommen hatte, ebenfalls unter den zahlreichen Interessenten nach seinem Weggang vom BSV Berg im Gau. „Aber gleich bis in die A-Klasse Neumarkt Jura Süd hinunter? Möchte ich das wirklich?“: Diese Fragen schossen dem 35-Jährigen zunächst ganz spontan in den Kopf. Und beide beantwortete er für sich nahezu ebenfalls spontan mit einem Ja: „Das ist gefühltermaßen ,mein’ Verein, ich kenne hier das Umfeld ganz genau – und von meinem Haus zum Trainingsgelände muss ich nur rund zwei Minuten radeln. Wenn ich mich hier nicht wohl fühle, wo denn dann?“

Dass beim VfB nun ob des Heimkehrers fast schon eine Art Euphorie ausgebrochen ist, dass die Mörnsheimer plötzlich wieder zu den Spielen strömen: Natürlich macht „Sushi“ dies zusätzlich stolz. „Die Voraussetzung, hier über Jahre hinweg etwas Gutes aufzubauen, sind definitiv gegeben“, meint der 35-Jährige. Aber diesmal möchte er nicht zu schnell zu viel von seiner Mannschaft fordern: „Mit einem Mittelfeldplatz in der Tabelle wäre ich in der neuen Saison bereits zufrieden“, sagt Suszko ungewohnt bescheiden. Ob’s an der „unberührten Natur“ beziehungsweise der „erholsamen Ruhe“ rund um Mörnsheim liegt?

SZ