Sportschießen

Monika Karsch richtet Visier auf Paris 2024

Die Olympia-Zweite aus Regensburg und Schützin des SV Kelheim-Gmünd will zu ihren dritten Spielen

22.06.2022 | Stand 22.06.2022, 16:40 Uhr

Kelheims Bundesliga-Schützin Monika Karsch, Olympia-Zweite von Rio 2016, will ein drittes Mal zu Olympia. Foto: Alex Brandon/dpa

Von Martin Rutrecht

Kelheim – Bruno kommt eben von der Schule nach Hause, zugleich ruft der Küchenplaner an, das gemeinsame Mittagessen wird zur Randnotiz — Alltag einer Mutter. In diesem Fall auch einer Olympia-Silbermedaillengewinnerin vom SV Kelheim-Gmünd. Pistolenschützin Monika Karsch gibt in ihrer Wohnung in Regensburg zwischen Kochen und Küchenumbau ihr nächstes großes sportliches Ziel aus: Paris 2024, es wären ihre dritten Spiele.

„Ich habe mir viel Zeit gelassen, um zu überlegen, ob ich noch mal antreten will“, sagt die 39-jährige Weltklasse-Schützin. Nach Olympia 2021 in Tokio, wo sie die Finals in Luft- und Sportpistole klar verfehlte, gab sie sich eine „Schonfrist“. Eine geplante Pause kürzte sie aber wieder ab. „Ich hatte so viel Lust auf die Bundesliga mit Kelheim und den Kollegen.“ Eigentlich wollte sie bis Ende 2021 aussetzen.

Die ungebrochene Freude an ihrem Sport war die Grundvoraussetzung für das „Oui“ (Ja) zu Paris. „Ein Schritt dorthin ist auch die Weltmeisterschaft heuer. Bei einer WM fehlt mir noch eine Medaille“, erklärt die Regensburgerin. Motivationsprobleme hat sie trotz Olympia-Silber in Rio 2016 und anderer Erfolge auch mit knapp 40 nicht. „Ich trainiere wahnsinnig gerne, die tägliche Arbeit wird mir nicht langweilig.“

EM und WM am Zettel

So ist sie auch jetzt voll fokussiert, da das deutsche Qualifikationsrennen für die WM und EM in 2022 stattfindet. Am Wochenende wurden in Suhl die ersten Durchgänge geschossen. „Mit der Sportpistole habe ich 585 Ringe erzielt und liege auf Rang zwei. Mit der Luftpistole war‘s mit Platz vier nicht ganz so gut. Da wird es saueng“, so Karsch. Jeweils die ersten drei Damen lösen die Tickets. Die Jahreshöhepunkte werden in Breslau (EM/ 5. bis 18. September) und Kairo (WM/ 12. bis 25. Oktober) abgehalten.

„Eine Schützen-WM gibt es nur alle vier Jahre. Mit einem fünften und sechsten Platz habe ich das Podest bisher verpasst“, sieht Karsch in den Titelkämpfen ein „richtiges Highlight“. Da dort auch die ersten Quotenplätze für Paris (ein Land darf nur mit erkämpften Startplätzen zu Olympia) ausgelobt sind, steigt der Druck auf die Athletinnen. Für die Kelheimer Schützin an sich kein Problem: „Nach Silber in Rio habe ich in Tokio gespürt, wie die Erwartungshaltung wächst. Das war ein guter Lerneffekt.“ Diese Erfahrung wäre ein Vorteil für Olympia 2024.

Dass es in Japan nicht wie gewünscht klappte, führt Karsch rückblickend auf die Verschiebung durch Corona zurück. „Ich war 2020 voll in Fahrt. Hätte es da wie geplant die Spiele gegeben, hätte ich einen großen Wurf landen können. Das Jahr darauf hat etwas gefehlt.“ Auch deshalb sagt sie: „Ich fühle mich noch nicht am Ende angelangt. Ich will es noch mal wissen.“

Olympia-Silber hat sie seit Rio. „Gold wäre der Traum, der Eintrag in die Geschichtsbücher.“ Aber die Sportsoldatin will noch keine Ziele ausgeben. „Es ist schon eine tolle Leistung, sich im Schützensport für die Spiele zu qualifizieren. Da muss ich erst hin.“ Und jede Medaillenfarbe glänze im Licht der Ringe. „Nur einen Olympiasieg als Erfolg zu werten, mache ich sicher nicht.“

Die laufende WM-Quali wird am 14. Juli mit dem zweiten Durchgang erneut in Suhl abgeschlossen. Bis dahin hält Karsch ihr Trainingspensum hoch. „Danach gibt‘s aber eine Sommerpause.“ Mit Ehemann (und Trainer) Thomas Karsch sowie den Kindern Lina (11) und Bruno (9) ist auch ein Urlaubstrip drin. Für die EM im September gilt es die Intensität wieder hochzufahren.

Ehemann als Nationalcoach

Verändert hat sich das Betreuer-Gefüge im Nationalteam der deutschen Schützinnen. Die frühere Spitzenathletin Claudia Verdicchio-Krause ist seit Februar Pistolen-Bundestrainerin. Thomas Karsch fungiert als Assistenzcoach. Das Paar Karsch muss sich erst „reinfinden“ in die Konstellation. „Wir sind jetzt öfter gleichzeitig unterwegs. Mit den Kindern müssen wir das irgendwie auf die Reihe kriegen.“

Das Zusammenspiel aus Spitzensport und Familie ist für Monika Karsch meist eine leichte Übung. „Ich kenn‘s seit Jahren nicht anders.“ Daneben hat sie auch die Ausbildung zur Betriebswirtin und A-Trainerin gemeistert. Das Visier ist jetzt gerichtet auf: Paris 2024.

DK