Bayernliga Nord
Nach 5:2 in der Hinrunde: Gibt es beim Duell VfB Eichstätt gegen FC Ingolstadt II wieder ein Torfestival?

17.11.2023 | Stand 17.11.2023, 5:00 Uhr
Julian Meier

Im anstehenden Bayernliga-Derby sind wieder eine Menge rassiger Zweikämpfe zu erwarten: So wie im Hinspiel zwischen dem Eichstätter Pascal Schittler (links) und Johannes Birkl vom FC Ingolstadt II. Fotos: Meyer

Das verrückte 5:2 (0:2) der Bayernligisten FC Ingolstadt II und VfB Eichstätt aus der Hinrunde ist noch präsent. An diesem Samstag (14 Uhr) kommt es zum Wiedersehen. Im Vorfeld unterziehen wir die beiden Kontrahenten einem Team-Check:

Was ist anders als in der Hinserie?

VfB Eichstätt: Souverän mit 2:0 geführt und sogar mindestens eine Großchance zum dritten Treffer liegengelassen, danach ein Slapstick-Tor nach dem anderen kassiert und letztendlich 2:5 verloren. So hat – kurz zusammengefasst – Dominic Rühl das Hinspiel in Ingolstadt in Erinnerung, das seinerzeit für seine Elf bereits die zweite Niederlage im dritten Saisonspiel mit sich brachte. Es sollte zugleich aber auch einen Wendepunkt markieren. Denn in den folgenden 16 Partien unterlag der VfB nur noch einmal, machte in der Tabelle Platz um Platz gut und stürmte sogar bis an die Spitze. „Auch so eine bittere Niederlage gehört zum Entwicklungsprozess dazu. Mittlerweile sind wir viel gefestigter und wollen den positiven Trend fortsetzen“, sagt der VfB-Coach. Der 38-Jährige kann sich aus eigener Erfahrung, da er in der Saison 2021/22 Regionalliga-Trainer der SpVgg Greuther Fürth II war, sehr gut in das Innenleben einer U21-Mannschaft hineinversetzen. Er sagt: „Leistungsschwankungen wie bei der FCI-Reserve sind in dem Alter ganz normal. Meist steht die individuelle Entwicklung der Spieler ohnehin vor den Ergebnissen.“
FC Ingolstadt II: Würde man eine Saisonchronik über den FC Ingolstadt II schreiben, das Hinspiel gegen Eichstätt bekäme ziemlich sicher einen prominenten Platz. Ein 5:2-Sieg nach 0:2-Pausenrückstand kommt schließlich nicht alle Tage vor – und erst recht nicht im Derby. „Das war schon außergewöhnlich und man redet natürlich immer mal wieder darüber. Das Hinspiel ist auf jeden Fall in guter Erinnerung“, sagt Trainer Thomas Karg. Während allerdings bei den Eichstättern danach der Aufschwung begann, haben die Jungschanzer (8. Platz) seither Höhen und Tiefen erlebt. Nach einem zwischenzeitlichen Durchhänger mit nur einem Sieg aus sieben Partien schien der FCI zuletzt die Kurve bekommen zu haben. Doch dann folgte am vergangenen Freitag ein erneuter Rückschlag gegen den ATSV Erlangen (0:2). Das soll allerdings ein Ausrutscher bleiben. „Am letzten Wochenende waren wir mit der ein oder anderen Spielphase nicht ganz zufrieden und darüber hinaus nicht effektiv. Wir hatten aber auch schon Spiele gegen sehr gute Gegner, in denen wir unsere Leistung auf den Platz bekommen und auch gewonnen haben“, erklärt Karg.

Wie steht es um Taktik und Personal?

VfB Eichstätt: Die witterungsbedingte Spielabsage in der Vorwoche beim TSV Kornburg kam dem VfB Eichstätt nicht ungelegen. Ein Großteil der Mannschaft war nämlich von einer Krankheitswelle erfasst – und musste sich damit auch noch in den zurückliegenden Tagen herumschlagen. „Statt wie sonst üblich 23 Mann waren beispielsweise am Dienstag nur 16 Spieler im Training“, berichtet VfB-Coach Rühl und meint: „Personell wird es echt spannend, wer bis Samstag wieder fit wird.“ Da die Eichstätter immer gegen den Gegner spielen, gegen den der FCI II in der Woche zuvor antrat, hat Rühl die Schanzer Reserve zur Genüge analysiert. Auch wenn es Abstellungen aus dem Profikader gab, hat er deren Stärken und Schwächen sowie die unterschiedlichen Formationen kennengelernt. „Ich will mich aber gar nicht zu sehr mit Ingolstadt befassen. Denn sie müssen beim Tabellenführer antreten. Und so werden wir auch auftreten. Wir orientieren uns an den eigenen Stärken und wollen die drei Punkte mit aller Macht zuhause behalten“, kündigt der VfB-Trainer an.
FC Ingolstadt II: Es ist Fluch und Segen zugleich: Wer in der U21 Leistung bringt, wird mit Einsätzen bei den Profis belohnt – und schwächt damit zugleich das Bayernliga-Team. Am vergangenen Wochenende fehlte etwa Routinier Herbert Paul, der erstmals im Drittliga-Team der Schanzer auflief. Auch Top-Torjäger Michael Udebuluzor (sieben Treffer) fehlte schon das ein oder andere Mal, weil er bei den Profis ran durfte. Ob Paul auch am kommenden Wochenende oben mitspielt, entscheidet sich kurzfristig. Udebuluzor fehlt dagegen sicher; er ist gerade auf Länderspielreise mit der Nationalmannschaft Hongkongs. Darüber hinaus fällt Ersatztorhüter Enrique Bösl verletzt aus. Ansonsten fehlen die üblichen Langzeitverletzten wie Valdrin Konjuhi, der im Hinspiel für den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleichstreffer zuständig war. Auch in taktischer Hinsicht wird sich Eichstätt auf eine andere FCI-Elf einstellen müssen: Seit geraumer Zeit laufen die Schanzer mit Fünfer- statt Viererkette auf. Die Gegentorquote hat diese Maßnahme bislang allerdings nicht wirklich gesenkt: 35 kassierte Treffer sind der zweithöchste Wert aller Teams in der oberen Tabellenhälfte.

Das sagen die Trainer

VfB Eichstätt: Mit durchschnittlich 94 Zuschauern liegt der FC Ingolstadt II in diesem Ranking auf dem letzten Tabellenplatz. Eichstätter Heimspiele verfolgten im Schnitt 360 Besucher. Doch auch das ist nach dem Geschmack von Rühl viel zu wenig. „Wir haben eine größere Resonanz verdient, weil wir nicht nur einen erfolgreichen, sondern über weite Strecken auch ansehnlichen Fußball spielen“, sagt er – und hofft deshalb im letzten Heimspiel des Fußballjahres 2023 auf eine stattliche Derbykulisse, zumal der Wetterbericht einen sonnigen Nachmittag ankündigt. „Neben vielen jungen und wilden Spielern ist beim FCI II neben Michael Udebuluzor, der allerdings mit Hongkong auf Länderspielreise, ist wohl Mario Götzendörfer der interessantesten Akteur“, sagt er.
FC Ingolstadt II: Eine Wiederholung des Hinspiel-Ergebnisses dürfte schwierig werden – und das liegt nicht nur daran, dass Eichstätt mittlerweile zum Top-Team der Liga gereift ist. „Aufgrund der Jahreszeit glaube ich, dass es ein Spiel auf schwierigem Untergrund wird, in dem es viel auf Zweikampfintensität ankommt. Wir wissen, was da auf uns zukommt“, meint der FCI-Coach. Das Spiel gegen den Tabellenführer wird zum Härtetest. Karg hat nur lobende Worte für den Gegner parat: „Sie leisten seit Jahren gute Arbeit. Eichstätt ist trotz des Abstiegs eine Top-Adresse in der Region. Sie haben ihre eigene Identität und bringen das auch immer wieder auf den Platz.“ Dennoch werden die Schanzer nicht ängstlich ins Spiel gehen, wenn es nach Karg geht: „Grundsätzlich wollen wir immer gewinnen. Das wird auch am Samstag so sein.“

DK