Was geht bei der EM?
Eichstätter Weitspringer Simon Batz ist Deutscher Meister – was er über seinen Sprung und den Triumph denkt

10.07.2023 | Stand 14.09.2023, 21:38 Uhr
Julian Meier

Weiter als von ihm selbst vermutet ging dieser Sprung von Simon Batz am Sonntag. Heraus kam die persönliche Bestmarke von 7,97 Metern, die dem 20-Jährigen nun auch im Freien den Meistertitel bescherten. Foto: Imago Images

Früher war er immer derjenige, der beim letzten Versuch noch vom Thron gestoßen wurde. Dieses Mal war die Ausgangslage anders: Vor dem entscheidenden sechsten Sprung lag Simon Batz mit 7,61 Metern nur auf Platz fünf, Platz eins war ganze 30 Zentimeter entfernt. Er nahm Anlauf, sprang – und wartete auf das Ergebnis. Gerade wollte er einem Zuschauer ein Autogramm geben, als das Resultat kam: 7,97 Meter, Platz eins, Deutscher Meister.

Batz wusste gar nicht wohin mit den Emotionen. Nach seinem Erfolg bei der deutschen Hallenmeisterschaft im Februar sicherte sich der gebürtige Offendorfer (Landkreis Eichstätt) also auch den Titel im Freien. „Ganz realisiert habe ich es noch nicht. Ich habe gewusst, dass ich solche weiten Sprünge kann. Aber dass der letzte Versuch dann so geklappt hat, war schon überraschend“, erzählte er am Abend nach dem Wettkampf.
Dabei drohten die deutschen Meisterschaften in Kassel für ihn zur nächsten Enttäuschung zu werden. Erst zwei Wochen ist es her, dass Batz, die deutsche Nachwuchshoffnung im Weitsprung, mit zur Team-EM reisen durfte. Dort reichte es dann aber mit 7,52 Metern nur zu Platz elf. Am Sonntag ging es zunächst so weiter: Der erste Versuch war gleich mal ungültig. Beim zweiten Versuch wurden es immerhin 7,61 Meter, beim dritten waren es bloß wieder 7,54 Meter. „Der erste Versuch war ganz gut, aber Versuch zwei und drei war nicht so gut. Das war wieder ein bisschen das alte Muster“, meinte Batz.

Weitsprung-DM: Letzter Versuch sichert Batz Titel
Die nächsten beiden Sprünge ließ er aus. Eigentlich wollte er ja nur drei Versuche nehmen. Die 7,61 Meter konnte er aber dann doch nicht auf sich sitzen lassen. Bis zur letzten Runde lag Luka Herden (LG Brillux Münster) mit 7,91 Metern unangefochten vorne. Dann kam Batz. „Ich habe gewusst, dass ich die 7,91 Meter schlagen kann. Aber das eine ist das Mögliche und das andere, was wirklich rauskommt.“ Raus kamen 7,97 Meter, was für den Mann von der MTG Mannheim eine neue persönliche Bestmarke bedeutet – die bisherige lag bei 7,91 Metern von Anfang dieses Jahres, als er bei den süddeutschen Meisterschaften in Sindelfingen haushoch gewann. „Ich hätte den Sprung vom Gefühl her tatsächlich nicht ganz so weit geschätzt. Mir hat zum Beispiel der erste Sprung technisch und auch vom Gefühl her deutlich besser gefallen“, meinte Batz. Dass er dem Druck Stand gehalten hatte und im letzten Versuch noch auf das Podium sprang, ist für ihn ein weiterer wichtiger Schritt in seiner Entwicklung. „Es ist schon toll, dass man sein Können zeigen kann, wenn es wirklich darauf ankommt. Dass man darauf vertrauen kann, was so in einem drinsteckt.“

Weitspringer Simon Batz: Sind acht Meter möglich?
Ob auch ein Sprung über die Acht-Meter-Marke in ihm drinsteckt? Batz gibt sich zurückhaltend. „Möglich ist alles. Bestimmt kann man an den Bedingungen noch ein bisschen was machen. Und ich glaube, dass ich auch technisch noch längst nicht da bin, wo ich eigentlich hinkann.“ Mit seinen 20 Jahren ist er aber auf einem hervorragenden Weg. Der deutsche Meistertitel ist der vorläufige Höhepunkt einer noch lange nicht auserzählten Erfolgsgeschichte. „Der Stellenwert ist schon relativ hoch und die Emotionen sind brutal hochgeschossen. Das war schon einprägsam.“
Zeit, um den Erfolg zu verarbeiten, hat Batz jedenfalls kaum. Bereits an diesem Dienstag reist er nach Finnland, wo Ende dieser Woche (13. bis 16. Juli) die U23-Europameisterschaft stattfindet. Am Donnerstag steht die Qualifikationsrunde an. Übersteht Batz diese, tritt er am Freitag zum Finale an. Nach der Team-EM in Polen ist es sein zweiter Auftritt auf der ganz großen Bühne. „Ein internationaler Wettkampf ist natürlich etwas Besonderes. Das Messen mit der internationalen Konkurrenz ist schon cool – obwohl man sagen muss, dass die Konkurrenz heute auch relativ stark war. Ich glaube, das ist ansatzweise mit dem vergleichbar, was bei der EM auf mich zukommt.“

Wenn er sein Potenzial wieder voll abruft, dürfte er auf jeden Fall ein Wörtchen mitreden bei der Medaillenvergabe – auch wenn immer „ein kleines Quäntchen Glück“ dazugehöre, wie Batz einräumt. Auf eine konkrete Platzierung will er sich aber nicht festlegen. „Für mich ist erstmal das Wichtigste, Spaß zu haben und die Erfahrung mitzunehmen. Ich muss eh sagen: Die ganze Saison läuft bis auf den einen Ausreißer in Polen super.“ Deutscher Meister in der Halle und Deutscher Meister im Freien ist er schon. Folgt nun der erste internationale Titel? Die Form jedenfalls stimmt bereits.