Heimpleite im Tal der Tränen
War’s das? FC Ingolstadt schon acht Punkte hinter dem Aufstiegsrelegationsplatz

19.02.2024 | Stand 19.02.2024, 22:16 Uhr

Erwischte einen rabenschwarzen Tag: FCI-Mittelfeldakteur Bryang Kayo, der gegen den SC Freiburg II wegen zwei Gelber Karten innerhalb von fünf Minuten mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz musste. Foto: Bösl

So schnell kann’s in der 3. Liga gehen. Gerade mal zwölf Tage lagen beim FC Ingolstadt zwischen zwei extremen Stimmungsschwankungen.



Galten die Schanzer nach dem überzeugenden 2:1-Heimsieg gegen Dynamo Dresden noch als Aufstiegskandidat, der sich bei zwei Punkten Rückstand im Rennen um Platz drei große Hoffnungen machen konnte, liegen sie nach der deprimierenden 2:3-Heimpleite gegen den SC Freiburg II bereits acht Zähler zurück. „Das ist ein echter Dämpfer, bitter. Aber wir müssen trotzdem weitermachen“, fasste FCI-Kapitän Lukas Fröde die Situation zusammen.

Zwei Niederlagen in Folge gab es davor in dieser Saison nur Anfang Oktober 2023 (0:1 in Köln, 2:4 gegen Regensburg). Seither kämpften sich die Schanzer mühsam wieder heran, schafften zwischenzeitlich eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage und verringerten einen Sechs-Punkte-Rückstand auf zwei. Und das ist die eigentlich schlimmste Erkenntnis: Jetzt sind es nur noch zwölf Spiele, und der FCI muss sogar acht Zähler aufholen.

FCI-Boss Jackwerth: Jetzt ist der Druck weg



„Wenn man zweimal hintereinander verliert, ist man erst einmal weg“, meinte FCI-Vereinsboss Peter Jackwerth, will aber die Hoffnung nicht aufgeben. „Jetzt ist der Druck weg, die Mannschaft kann frei aufspielen. Mal schauen, was passiert, aber natürlich wird es jetzt ungleich schwerer“, sagte Jackwerth und blickte auf den Saisonverlauf: „Wir sind mit einer neuformierten Mannschaft gestartet, und nach den ersten Spieltagen hieß es, schon, dass wir wieder unten rumkämpfen. Dann haben wir uns stabilisiert und teilweise einen super Fußball gespielt. Jetzt haben wir wieder eine Phase, in der wir wackeln. Vielleicht stabilisieren wir uns wieder, es ist noch einiges möglich, aber wir müssen halt punkten.“

Das wissen auch die Spieler selbst. Jannik Mause, der die Ingolstädter mit 17 Treffern überhaupt erst wieder in die Verfolgerrolle gebracht hatte, richtete eine Kampfansage an den kommenden Gegner SSV Ulm (24. Februar). „Die müssen wir schlagen. Da können wir Punkte gutmachen, das wird richtungsweisend“, sagte der 25-Jährige und rechnete die danach folgenden Begegnungen gegen Viktoria Köln und Jahn Regensburg noch mit dazu.

Kayos dummer Platzverweis



So weit voraus wollte FCI-Trainer Michael Köllner nicht schauen. „Es geht darum, dass wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren“, sagte der 54-Jährige, den zuvor die Gelb-Rote Karte gegen Bryang Kayo aus der Fassung gebracht hatte. Kurz bevor er den 21-Jährigen ohnehin hatte auswechseln wollen, leistete sich dieser ein taktisches Foul an der Mittellinie und flog dafür vom Platz.

„Das war einfach dumm oder nennen wir es jugendlicher Leichtsinn. Wir hätten das Spiel trotzdem nicht verlieren dürfen, auch nicht zu zehnt, wenn man bis zur 89. Minute führt. Das darf einfach nicht passieren“, meinte Jackwerth zum restlichen Spielverlauf.

Glück und Pech lagen in dieser Partie von Beginn an dicht zusammen. Erst hatten die Schanzer nach der frühen Freiburger Führung durch den Ex-Ingolstädter Maximilian Breunig (6.) zweimal Dusel. Bei einem nicht geahndeten Handspiel von Leon Guwara – der gerechtfertigte Strafstoß hätte das 0:2 bedeuten können – und beim gegebenen Elfmeter nach einer leichten Berührung von Fabian Rüdlin an Mause, was Letzterer zur Schanzer 2:1-Führung nutzte (45. + 2). Davor hatte Sebastian Grönning zum Ausgleich eingeköpft (19.).

Entscheidender waren aber Kayos Bärendienst, dem zudem eine schwache Leistung des Ex-Wolfsburgers vorausging, und die daraus resultierenden Fehler in Unterzahl in den Schlussminuten. Felix Keidel, Julian Kügel und Fröde störten vor dem 2:2 (89.) eine Ballstafette der Freiburger nicht konsequent genug, beim 2:3 (90. + 2) behinderten sich Simon Lorenz und Ryan Malone gegenseitig.

Trend seit der Winterpause ist nicht positiv



„Es ist ein scheiß Gefühl“, machte Lorenz seinem Ärger Luft. „Wir kommen jetzt in eine Phase, in der jedes Spiel enorm wichtig ist. Alle Mannschaften sind auf einem ähnlichen Niveau, und wir haben gesehen, dass wir jedes Spiel gewinnen können, aber auch jedes Spiel verlieren, und das ist aktuell nicht gut“, meinte Lorenz.

Zumal die Tendenz seit der Winterpause insgesamt nicht gut ist. In den sechs Spielen gab es nur zwei Siege (darunter das extrem glückliche 2:0 in Saarbrücken), aber drei Niederlagen. „So gut sind wir auch nicht, dass wir jedes Spiel gewinnen. Wir haben eine Mannschaft, die über ihren Teamgeist und ihren Charakter kommt“, meinte Köllner schon nach der 1:3-Derbyniederlage bei den Löwen. Da und auch gegen Freiburg hatte der FCI-Coach seine Sechserposition nur einfach besetzt – vielleicht war auch dieser Ansatz für sein Team noch ein wenig zu optimistisch, zumal Yannick Deichmann verletzt fehlte. Jedenfalls müssen sich die Schanzer nun erst einmal von Neuem aufraffen.

DK