In die Wiege gelegt

Sohn von NHL-Legende Matteau gibt gegen Köln sein Debüt im ERC-Trikot

24.11.2022 | Stand 24.11.2022, 21:04 Uhr

Die neue Nummer 17: Stefan Matteau gibt an diesem Freitagabend sein Debüt für den ERC Ingolstadt. „Ich habe gespielt und trainiert und bin in Form“, verspricht der Flügelstürmer. Foto: Traub

Von Julia Pickl

Nach einem punktlosen Wochenende will der ERC Ingolstadt an diesem Freitagabend (19.30 Uhr/Magenta Sport) bei den Kölner Haien zurück in die Spur finden. Neu-Panther Stefan Matteau hofft bei seinem Debüt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf einen erfolgreichen Einstand.



Manche Dinge ändern sich auch nicht, wenn man längst erwachsen ist. Besorgte Eltern gehören da häufig dazu. „Ruf an, wenn du angekommen bist“, habe ihm sein Vater aufgetragen, erzählt Matteau lachend. Tatsächlich gab es einige Schwierigkeiten mit dem Flieger, doch seit Dienstag ist der 28-Jährige nun – mit einem Tag Verspätung – in der Schanz. Dort soll Matteau den Panthern nach den schweren Verletzungen von Brian Gibbons und Justin Feser wieder mehr Offensivpower verleihen. „Die Jungs haben ihn mit offenen Armen empfangen“, erzählt ERC-Trainer Mark French.

Auch in den vergangenen Monaten hatte Matteau häufiger bei seinem Vater angerufen. Das sei schließlich, erzählt der Stürmer, sein erster Ansprechpartner, wenn die Dinge nicht so richtig laufen. Im Sommer war Matteau nach zehn Profijahren in Nordamerika nach Europa gewechselt. Er sehnte sich nach mehr Stabilität und weniger Stress für sich und seine Familie. Doch bei Linköping HC lief es nicht so richtig. Warum will Matteau nicht erzählen, er spricht vom falschen Zeitpunkt, von Anpassungsproblemen – viel Eiszeit bekam er in seinen 16 Partien beim schwedischen Klub ebenfalls nicht.

Matteaus Vater aber ist nicht nur sein Seelentröster, er ist auch ein „großartiger Lehrer“, sagt sein Sohn. Vor allem aber ist er eine NHL-Legende. Stéphane Matteau bestritt 957 Spiele in der höchsten amerikanischen Liga und gewann 1994 mit den New York Rangers den Stanley Cup. Stefan war da erst ein paar Monate alt, doch dass er ebenfalls mal Eishockey-Profi werden würde, stand zu diesem Zeitpunkt quasi schon fest. „Ich kannte gar nichts anderes. Das war mein Leben, als ich aufgewachsen bin“, erzählt der US-Amerikaner.

Mit zwei Jahren kurvte Matteau mit Rollschuhen und Hockeyschläger durch den Keller, mit fünf spielte er auf dem Eis. Sein Vater förderte ihn – und forderte ihn. „Manchmal war er schon sehr hart. Als ich klein war, hat er Dinge von mir erwartet, die er als Profi konnte“, sagt Matteau. „Aber ich würde das für nichts auf der Welt ändern.“ Er wuchs in den NHL-Kabinen in New York, St. Louis oder San José auf, hing mit den Kindern anderer Spieler zusammen, schaute sich viel von den Profis ab. „Ich habe nie an etwas anderes gedacht, und zum Glück – und mit sehr viel harter Arbeit – ist es genau so gekommen“, erzählt Matteau.

2012 wurde er in der ersten Runde des NHL-Drafts an 29. Stelle von den New Jersey Devils ausgewählt, Anfang 2013 gab er sein NHL-Debüt. War der berühmte Nachname nun ein Vorteil oder eine Bürde? „Es war beides und gleichzeitig keins von beidem“, sagt Matteau. „In den ersten Jahren meiner Karriere gab es schon diese Erwartungen aufgrund des Namens, aber ich habe immer klargemacht, dass ich eine eigene Person, ein eigener Spieler bin, der seinen eigenen Weg findet und seine eigene Karriere macht.“

Diese führte ihn zu 92 Einsätzen in der NHL und 422 Spielen in der AHL – und nun nach Ingolstadt. „Die ersten Eindrücke im Training waren sehr gut. Er ist groß, kann gut skaten und hat einen guten Schuss“, sagt French über den 1,88 Meter großen Spieler mit Vollbart. Eigentlich hatten die Panther einen Center gesucht, und tatsächlich hat Matteau auch Erfahrung auf dieser Position. Zum Start an diesem Freitagabend in Köln wird die neue Nummer 17 aber als Flügelstürmer eingesetzt. Auf seiner vertrauten Position – und der seines legendären Vaters.

DK



ERC Ingolstadt in Kürze



Personal: Die Augen der ERC-Fans werden am Freitag erst mal auf Neuzugang Stefan Matteau gerichtet sein, der gegen Köln als Flügelstürmer sein Debüt für die Panther geben wird. Auch die in den vergangenen Wochen verletzten Verteidiger Mat Bodie und Ben Marshall sind zurück. Während Bodie sicher im Kader steht, entscheidet sich Marshalls Einsatz am Freitag. Nach dem vergangenen punktlosen Wochenende hofft Trainer Mark French, dass seine Profis anders als gegen Mannheim (2:5) und Straubing (1:2) konstanter spielen und ihr volles Leistungspotenzial abrufen werden.

Gegner: Anders als dem ERC gelang den Kölnern ein guter Start nach der Pause: Am vergangenen Wochenende holte die Mannschaft von Trainer Uwe Krupp mit den Siegen gegen Nürnberg (5:4 nach Verlängerung) und Bietigheim (5:2) fünf Punkte. Neun Scorerpunkte steuerte dabei alleine die Sturmreihe mit Ex-Panther und Topscorer Louis-Marc Aubry (7 Tore/14 Vorlagen), Maximilian Kammerer und Top-Torjäger Andreas Thuresson für den Tabellenneunten bei. Mit 61 Punkten (24/37) bildet das Trio die aktuell beste Reihe der DEL. „Die Kölner sind ein gefährliches Team mit einigen sehr guten Offensivspielern und einer guten Balance“, sagt French. „Das mussten wir schon erfahren, als sie hier gespielt haben.“

Statistik: Mitte Oktober hatten die Haie das Spiel in Ingolstadt innerhalb von 45 Sekunden gedreht und am Ende mit 4:1 gewonnen. Der ERC hat nur eines der vergangenen sieben Duelle gegen Köln gewonnen, die jüngsten vier Spiele gingen an die Haie. Allerdings haben die Panther fünf ihrer vergangenen sechs Auswärtsspiele gewonnen. In der Lanxess-Arena trifft die zweitbeste Offensive (66 Tore) auf die zweitbeste Defensive (49 Gegentore) der Liga.

jpi