Audi bei der Rallye Dakar

Nostalgie für die Wüste: Audis Dakar-Renner für 2023 ist nach einer Rallye-Legende benannt

01.09.2022 | Stand 01.09.2022, 19:48 Uhr

Leichter und schnittiger – und noch schneller? Diese Formel wünscht sich Audi für seinen überarbeiteten Dakar-Elektrorenner RS Q e-tron E2, der nun an einen Buggy erinnert. Foto: Audi

Von Christian Rehberger

Ingolstadt/Neuburg – In diesen Tagen gibt es rund um die Motorsportler von Audi natürlich nur ein Thema: den Formel-1-Einstieg ab 2026. Als Audi-Chef Markus Duesmann für die Verkündung dieser epochalen Entscheidung des Ingolstädter Autobauers vor genau einer Woche an der Rennstrecke von Spa-Franchorchamps vor die Presse trat, betonte er aber auch: Die Kräfte bei Audi Sport würden zwar gebündelt, aber „unverändert“ werde das aktuell auf drei Jahre angelegte „Innovationsprojekt“ mit dem RS Q e-tron bei der Rallye Dakar fortgesetzt. Nach der Premiere im Januar dieses Jahres mit vier Etappensiegen bei der härtesten Wüstenrundfahrt auf dem Planeten ist Anfang 2023 nicht weniger als der Gesamtsieg das Ziel – und der Auftrag. „Wir wollen ein Podium“, betonte der neue Motorsportchef Rolf Michl, der gestern seinen ersten Tag in dieser Funktion erlebte. Und er schob nach: „Die Position kann sich jeder denken.“

Ein paar Journalisten weniger als in der Formel 1 waren es zwar, die am Donnerstagnachmittag auf dem Testgelände der Motorsportabteilung bei Neuburg den überarbeiteten Dakar-Renner der Ingolstädter erstmals in Aktion sehen wollten. Mit den Motorsport-Legenden Stéphane Peterhansel, Carlos Sainz und Mattias Ekström als Piloten ist Audi auch hier eine große internationale Aufmerksamkeit garantiert. Für die Stars am Lenkrad (und ihre Beifahrer Edouard Boulanger, Lucas Cruz und Emil Bergkvist) hat Audi Sport das Dakar-Rennauto massiv überarbeitet, es auf eine neue Karosserie gesetzt und von insgesamt rund 80 Kilogramm Gewicht befreit. Der erste Anblick zeigt aber sofort den größten Unterschied: die Aerodynamik. „Ein Formel-1-Auto für die Wüste“, fasste Ekström strahlend die schnittige Front seines neuen Dienstfahrzeugs zusammen. Fast wie ein Buggy kommt der RS Q e-tron nach dem gesamten Facelift daher, spart durch einen rund 15 Prozent geringeren aerodynamischen Gesamtwiderstand wertvolle Energie, ist also effizienter.



Im Cockpit ist bis auf größere Seitenfenster für einen besseren Rundumblick fast alles beim Alten, weil bewährt. Auch „unter der Haube“, womit das Heck samt Antrieb gemeint sind. „Das Konzept ist gleich, es hat schon letztes Jahr funktioniert“, sagte Peterhansel über das Hybridfahrzeug, das er mit einem Surren vor die Journalisten steuerte, während von der anderen Seite der Bundesstraße von Neuburg-Zell das Donnern der Eurofighter-Kampfjets herüberdröhnte. Mit dem reinen Allrad-Elektroantrieb, dessen mächtige Batterie wie gehabt von einem der „alten“ DTM-Verbrenner mit optimierter Drehzahl während der Etappen aufgeladen wird, waren die drei Top-Piloten des Wüstenneulings der Dakar-Konkurrenz gerade in der zweiten Rennwoche um die Ohren gefahren; und das mit deutlich über den bis dato geltenden zwei Tonnen Mindestgewicht. Insgesamt so dominant, dass Rufe nach neuen Regeln für die Klasse aufkamen.

Tatsächlich ist das Dakar-Reglement für 2023 noch nicht vom Weltverband Fia verabschiedet. Mit massiven, unliebsamen Veränderungen rechnen die Ingolstädter dabei nicht (mehr). „Das Auto ist leichter, freier“, beschreibt der 14-malige Dakar-Sieger Peterhansel das Fahrgefühl, das er bei Tests im heißen Saragossa im Juli erstmals erlebte. Anfang Oktober (1. bis 6.) folgt die Feuertaufe bei der Marokko-Rallye für alle drei Teams in ihren Fahrzeugen „der nächsten Evolutionsstufe“. Deshalb haben die Elektrorenner auch eine neue Bezeichnung verpasst bekommen: RS Q e-tron „E2“ – nach dem legendären Audi Sport quattro S1 E2 von den Gruppe-B-Monstern im Rallyezirkus der 1980er. Das muss der Dakar-Rennwagen nun auch rechtfertigen.

DK