Trainer am Stützpunkt Oberhaching
Ingolstädter Benjamin Benedikter hilft Tennis-Talenten auf dem Weg zur Profikarriere

05.06.2023 | Stand 15.09.2023, 0:26 Uhr |

Soll Tennistalenten am Bundesstützpunkt den Übergang in den Herrenbereich ermöglichen: Der Ingolstädter Benjamin Benedikter arbeitet in Oberhaching als Schnittstellentrainer. Foto: Floerecke

Wo trifft man sich mit einem Trainer des Bayerischen Tennis-Verbands am besten? Natürlich direkt auf dem Tennisplatz, in diesem Fall in der TennisBase Oberhaching, dem Herren-Bundesstützpunkt des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Dort ist er bereits seit acht Jahren beschäftigt, der Ingolstädter Benjamin Benedikter.

Inzwischen ist der 41-Jährige zum alleinigen Schnittstellentrainer aufgestiegen. In dieser Funktion ist er Bindeglied zwischen dem Bayerischen Tennis-Verband (BTV) und dem DTB. Gerade, wenn es um den Übergang der männlichen Talente in den Profibereich geht. Mit Michael Kohlmann, dem Chef-Bundestrainer und Davis-Cup-Teamchef, arbeitet er immer wieder eng zusammen.

Mit Ruhe und Konzentration

An diesem Vormittag läuft gerade noch die erste Trainingseinheit des Tages draußen auf einem der sauber hergerichteten Sandplätze. Benedikter hat drei deutsche Toptalente auf dem Platz: auf der einen Seite den 19-jährigen Max Rehberg aus dem Landkreis Ebersberg, der derzeit in der ATP-Herrenweltrangliste an Rang 400 kratzt. Auf der anderen Seite zwei Nürnberger Jungs aus dem Nachwuchs-Bundeskader, den 18-jährigen Yannik Kelm (Platz 167 ITF-Junior weltweit) und den 16-jährigen Justin Engel (143). Sie bereiten sich in der TennisBase Oberhaching intensiv für die anstehenden Sandplatzturnierwochen vor.

Gerade ist schnelles Schlagtraining von der Grundlinie mit hoher Intensität angesagt. Zwei gegen eins. Fünf Minuten Schlag um Schlag. Ohne Unterbrechung. Als Drive geschlagene Bälle mit leichtem Topspin. Bei ausgesprochen frühem Treffpunkt. Die gelbe Filzkugel rauscht nur so hin und her. Es ist mächtig Zug dahinter. Benedikter steht auf Höhe der Grundlinie. „Denk an deine Beine“ oder „Gute Höhe“ kommentiert der BTV-Coach zwischendrin. Er strahlt Ruhe aus, ist konzentriert und souverän – und signalisiert das auch mal nur mit einem anerkennendem Nicken. Von außen wirkt das sehr professionell. Wie soll es auch anders sein, schließlich haben alle Beteiligten große Ziele vor Augen.

Benedikter ist in Ingolstadt aufgewachsen. In seiner Jugendzeit hat er in Amberg und Regensburg 2. Bundesliga gespielt. Für seinen Heimatverein, den Donau-Ruder-Club Ingolstadt, hatte er zuvor in der Bayernliga aufgeschlagen, wurde Bayerischer Meister in der U18 und zählte zu den zehn Besten in Deutschland. Nach dem Abitur war dann aber erst mal komplett Schluss mit Tennis. Wieso das? „Die Luft war raus, ich wollte andere Dinge machen“, sagt er.

Irgendwann entschied er sich dann für ein Sportstudium an der TU München und belegte im Hauptstudium als Schwerpunktfach Tennis. Die Lust auf den Sport stieg wieder, Benedikter konzentrierte sich auf die Trainer-Laufbahn, gründete mit einem Mitstreiter in Ingolstadt eine Tennisschule. Der Erwerb der A-Trainerlizenz und der Abschluss als Diplom-Sportwissenschaftler folgten. Dann, 2015, kam der Wechsel nach Oberhaching. Dort arbeitet er seitdem vollzeit für BTV und DTB. Anfangs kümmerte er sich als Verbandstrainer um das Internat mit den 13- bis 16-jährigen Talenten des Landeskaders. Vergangenes Jahr übernahm er die Stelle als Schnittstellentrainer.

Die tägliche Arbeit mit den Jugendlichen, sagt er, gefalle ihm ausgesprochen gut, auch neben dem Platz: Trainingspläne ausarbeiten, Schwerpunkte setzen, die passende Technik finden, die Psyche festigen, die Athletik ausbauen, und, und, und. Dabei kann Benedikter als BTV-Coach auch schon einige Erfolge vorweisen. Zum Beispiel holte er 2021 mit der U18-Nationalmannschaft mit den Spielern Max Rehberg, Maximilian Homberg und Philip Florig die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Rom.

Talent Rehberg auf dem Sprung

Sein wichtigster Schützling ist Max Rehberg. Ihn betreut er seit fünf Jahren und ist mit ihm an die 25 Wochen im Jahr zu Einzelturnieren unterwegs: mal irgendwo in Deutschland, mal in der Türkei, dann in Paraguay und Ecuador oder auch in den USA und Kanada. Und natürlich bei den Grand-Slams. Rehbergs größter Erfolg im Juniorenbereich waren bisher das Erreichen des Achtelfinales in Wimbledon 2021 und Platz 32 bei der U18 weltweit. Mit dem Wechsel von der Junior-Tour ins Herrenprofitennis Anfang 2022 hat der 19-jährige zuletzt fast 1000 Weltranglistenplätze gutmachen können. Aus dem langfristigen Ziel mit Rehberg macht der BTV-Coach keinen Hehl: „Wir möchten mit Max und weiteren deutschen Spielern an die Top 100 der Weltrangliste rankommen.“ Der Weg dorthin, sagt Benedikter, soll durchaus von Empathie begleitet sein. „Du musst schon auch mit den Jungprofis umgehen und auf sie eingehen können.“ Natürlich gehören der entsprechende Fokus, Siegeswille und Selbstständigkeit zu den Inhalten, die er vermitteln will. Dabei dürfen seine Schützlinge aber natürlich auch Spaß haben. Gerade Letzteres, sagt er, darf bei aller Ambition nicht zu kurz kommen.

DK