Kapitän der deutschen U16
ERC-Talent Mats Geppert auf dem Weg zum Eishockey-Profi – Sondertraining mit Greilinger

15.01.2024 | Stand 15.01.2024, 18:20 Uhr
Martin Wimösterer

Steht mit 15 Jahren bereits an sechs Tagen in der Woche auf dem Eis: ERC-Talent Mats Geppert. Foto: privat

Mit 15 Jahren ist das Leben in Bewegung. Schule oder Ausbildung, vielleicht die erste Partnerin oder der erste Partner – die großen Themen flattern wie spielerisch an einem vorbei. Für Mats Geppert stellt sich parallel dazu die ungewöhnliche Frage: Soll ich mir einen Spielerberater nehmen oder nicht?

Der junge Ingolstädter gehört zu den größten Eishockeytalenten des Landes. In der höchsten deutschen U17-Liga hat der Spielmacher des ERC bereits Eindruck hinterlassen. Geppert, schnell auf den Schlittschuhen und in der Analyse der Spielsituation, sticht zusammen mit seinen Reihenkollegen Philipp Winkler und Lukas Steinhauser auf der Eisfläche schon heraus. Die U16-Nationalmannschaft führte er vor kurzem in einem Länderspiel als Kapitän aufs Eis. Scouts trauen ihm den Sprung in den Profibereich zu.

Auf dem Weg dorthin kommt es aber auch darauf an, das Leben abseits des Eishockeys entsprechend auszurichten. Halten oder gar fortentwickeln kann sich auf höchstem deutschen Niveau heutzutage nur noch, wer auch sein Leben durchstrukturiert und ebenso in diesem Bereich Durchhaltevermögen und Konsequenz zeigt, wer mit den Bewegungen des Lebens in diesen jungen Jahren umzugehen versteht. Partys zum Beispiel sind während der Spielzeit so gut wie ausgeschlossen, da ab der U17 teils zwei Spiele am Wochenende anstehen, regelmäßig verbunden mit weiten Auswärtsfahrten quer durch die Republik wie am vorigen Wochenende zum Beispiel nach Köln.

Geppert sagt, noch vor dem Browsen am Smartphone beschäftigt er sich im Mannschaftsbus mit den Schulbüchern: Die Fahrten seien „die einzige Möglichkeit“, um für Prüfungen zu lernen. Tatsächlich hat Geppert beim ERC bis auf montags jeden Tag Training. Nach der Schule erledigt er seine Hausaufgaben, gegen 16 Uhr geht es dann zum Trockentraining und anschließend beginnt die Eis-Einheit. Eineinhalb schweißtreibende Stunden. Er kommt dann zum Abendbrot und Schlafen nach Hause und geht bestenfalls dazwischen vielleicht noch mal den Schulstoff durch.

Die Eltern, beide Lehrer, legen Wert auf die schulische Ausbildung des Sohnes. „Letztes Jahr hatte er eine schwere Verletzung, da hat man gesehen, dass es theoretisch von der einen zur anderen Sekunde vorbei sein kann mit der Karriere“, argumentiert Vater Ingo Geppert. Mats Geppert betont derweil: „Ich kriege die Schule und das Eishockey gut vereinbart.“

Wie auch die Familie ihren Alltag und das Eishockey in Harmonie gebracht hat. Vater Ingo unterstützt nun Mats' U17 als Betreuer. Mutter Sonja kümmert sich um Joris, der in der U11 spielt, und hilft beim Kioskverkauf. „Es kann manchmal sein, dass wir uns am Samstag in der Früh verabschieden und uns am Sonntagabend wiedersehen“, sagt Ingo Geppert. „Auch wenn es viel Zeit ist, die wir ins Eishockey stecken: Es ist nicht so, dass es unser einziger Lebensinhalt ist. Wir schlafen nicht in ERC-Bettwäsche und wir haben auch nicht das ganze Haus innen blau-weiß gestrichen. Es ist eine normale Leidenschaft.“ Eine, die allen Spaß mache.

Neben den Fähigkeiten auf dem Eis sowie der eigenen Durchstrukturierung kommt es also auch auf die Unterstützung der Familie an – und die der Schule. Mats Geppert geht nicht in die Sportklasse draußen am Apian-Gymnasium, das mit dem ERC-Stammverein kooperiert. Er wohnt in der Altstadt und besucht das Reuchlin-Gymnasium. Was im Ablauf und bei sporadischen Befreiungen zum Beispiel für eine Finnland-Reise mit der Mannschaft trotzdem reibungslos klappt, wie Ingo Geppert hervorhebt. Mittwochs darf Mats eine halbe Stunde früher aus dem Unterricht, da schon um 13 Uhr ein Skills-Training beginnt, in dem an den Feinheiten gearbeitet wird.

Im Sommer erhielt er auch von einer Panther-Legende Sonderschichten: Er ging mit Thomas Greilinger, dessen Söhne mit Joris Geppert befreundet sind, aufs Eis. Eine besondere Vorbereitung, in dessen Genuss nicht viele Talente kommen.

„Zurzeit klopfen bei uns die Spielerberater und andere Vereine an“, sagt Ingo Geppert, erteilt den Avancen aber Absagen. Mats, der mit drei Jahren schon in der Laufschule beim ERC begann und in der Saturn-Arena aus dem Block G die DEL-Spiele schaute, werde erst einmal in Ingolstadt bleiben und sich hier weiterentwickeln – als Sportler und als Mensch. Eine Aussage, die ERC-Nachwuchskoordinator Billy Trew freut. Eine Ausnahme in Mats' Werdegang könnte freilich eine Chance im Ausland bilden, „das wäre auch eine menschlich wertvolle Erfahrung“, meint Ingo Geppert.

Doch nicht immer bringt der Wechsel in die Fremde einen weiter. Niklas Hübner, ein vielversprechender Verteidiger aus Ingolstadt, kam im Nachwuchs von Tappara Tampere (Finnland) nicht zurecht, wechselte eilig zurück nach Deutschland und verdient sich nun in der DEL2 erste Sporen. Die Gepperts und Hübners kennen sich, tauschen sich aus. Mats Geppert hat Niklas Hübners Auftritte zuletzt bei der U20-Weltmeisterschaft verfolgt, das entscheidende Spiel zum Klassenerhalt sah er dem U17-Kollegen in der Audi Sportakademie. Mit Blick auf die Junioren-WM, an der 2020 auch sein Vorbild, NHL-Nachwuchsspieler Tim Stützle (Ottawa Senators) teilnahm, sagt er: „Das Ziel ist es, dahin zu kommen und sich dort zeigen zu können.“

Wer es zur U20-WM schafft, hat die bewegten Jahre der Pubertät in der Regel bereits ganz gut überstanden. Meist hat er es schon zum Jungprofi gebracht, dann auch mit einem Spielerberater an seiner Seite. In diesen Jahren geht Eishockey vom ambitionierten Hobby zum Geschäft über. Bis es bei Sohn Mats soweit ist, das hebt Vater Ingo Geppert bewusst hervor, bleibt der Spaß am Sport ein gewichtiger Faktor.

DK