In der Spur
ERC Ingolstadt will guten Lauf am Derby-Wochenende gegen Spitzenreiter Straubing und Nürnberg fortsetzen

30.11.2023 | Stand 01.12.2023, 11:17 Uhr

Es wird emotional: Travis St. Denis spielte zwei Jahre in Straubing, ehe er im Sommer nach Ingolstadt wechselte. Foto: Imago Images

Der ERC Ingolstadt scheint endlich in die Spur gefunden zu haben. Seit der Länderspielpause holten die Panther in vier Partien der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zehn Punkte. Der Aufschwung folgt rechtzeitig vor einem heißen Dezember, in dem auf den Vizemeister elf Partien, davon sechs Derbys, warten. Los geht es an diesem Freitag (19.30 Uhr) mit einem besonders brisanten – denn zu Gast in der Saturn-Arena ist Spitzenreiter Straubing Tigers.



Die neue Leichtigkeit war besonders im Spiel gegen die Iserlohn Roosters zu sehen. Travis St. Denis kurvte über das ganze Spielfeld, ließ Tyler Boland und Hubert Labrie stehen und Michael Dal Colle genauso schlecht aussehen wie Drew LeBlanc. Am Ende krönte St. Denis sein Solo, als er den Puck eiskalt an Andreas Jenike vorbei ins Tor zum 6:0 schob.

Drei Treffer und zwei Vorlagen hat St. Denis seit der Länderspielpause für die Panther erzielt und ist damit ein wichtiger Baustein des jüngsten Aufschwungs des ERC. Davor hatte der 31-Jährige seine Torgefährlichkeit, die er in den beiden Jahren zuvor in Straubing noch so häufig unter Beweis gestellt hatte, immer wieder vermissen lassen. Statt vor dem gegnerischen Tor fand sich St. Denis häufig auf der Strafbank wieder, nur drei Spieler der Liga haben bisher mehr Strafminuten angesammelt. Nach einem bösen Check gegen den Kopf von Augsburgs Kapitän David Warsofsky am 20. Oktober wurde St. Denis gar für vier Spiele gesperrt. Warsofsky, der bereits in der vergangenen Saison monatelang wegen einer Gehirnerschütterung ausgefallen war, ist bis heute nicht auf das Eis zurückgekehrt.

Klein, aber kämpferisch



Durch seine Körpergröße von nur 1,71 Metern definiert sich St. Denis über eine kämpferische Spielweise. „Damit habe ich es in meiner Karriere bis hierher geschafft“, sagt der Kanadier, sein unerbittlicher Ehrgeiz tut sein Übriges. „Er spielt mit hoher Intensität und sehr viel Biss“, beschreibt es ERC-Sportdirektor Tim Regan. Das Foul gegen Warsofsky, betont St. Denis, sei dennoch keine Absicht gewesen.

Viel mehr will er in Zukunft ohnehin wieder durch seinen Torriecher glänzen. Dass er diesen besitzt, war auch vor der Pause häufig zu beobachten, konstatiert ERC-Trainer Mark French. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis er die Chancen auch nutzt.“ Nun scheint St. Denis sich endgültig an das neue System gewöhnt und seine Rolle im Team gefunden zu haben. In Überzahl ist der Kanadier inzwischen mit fünf Toren zum zweitbesten Spieler der Liga hinter Straubings Nicolas Mattinen aufgestiegen. Und auch bei Fünf gegen Fünf findet er im Verbund mit Daniel Pietta und Jan Nijenhuis immer häufiger die Lücken, die sich auf dem Eis auftun. „Wir passen einfach super zusammen“, sagt St. Denis. „,Pietzi’ ist ein großartiger Spielmacher und liefert bärenstarke Pässe, ,Ninja’ ist schnell und nimmt dem Gegner im Angriff den Puck ab.“ Mit 14 Vorlagen ist Pietta inzwischen sogar Topscorer des Teams. „Ich versuche eher, meine Mitspieler zu finden, Travis ist so ein Zwischending: Er schießt gerne Tore, aber mit ihm kann man auch mal ein Play machen“, erklärt der Routinier. „Deswegen funktioniert’s.“

ERC tritt mit Selbstvertrauen an



Am Freitag will Pietta dafür sorgen, dass St. Denis gegen seinen Ex-Verein ein persönliches Erfolgserlebnis bekommt. Die Brisanz ist ernorm, schließlich kommt der ohnehin unangenehme Gegner diesmal als neuer Tabellenführer in die Schanz. Doch auch der ERC tritt nach seinem ersten Sechs-Punkte-Wochenende der Saison mit Selbstvertrauen an. Die Panther haben den Aufwärtstrend, der in den drei Spielen unmittelbar vor der Länderspielpause erstmals zu erkennen war, fortgesetzt. „Wir sind in der Spur“, sagt Pietta. „Wir haben es geschafft, auch mal Tore zu schießen, was uns am Anfang nicht gelungen war. Wir haben mehr Schüsse aufs Tor gebracht, mehr als Mannschaft in der offensiven Zone gespielt. Wir sehen uns auf dem richtigen Weg.“

Die Top Sechs sind für den Tabellenzehnten nur noch zwei Punkte und ein erfolgreiches doppeltes Derby-Wochenende gegen Straubing und in Nürnberg (Sonntag, 16.30 Uhr) entfernt. St. Denis setzt besonders im emotionalen Duell gegen seinen Ex-Klub auf die Unterstützung der Panther-Fans in der nahezu ausverkauften Saturn-Arena. „In Derbys ist es definitiv ein Vorteil, wenn das Heimpublikum eskaliert“, sagt der Stürmer. „Das gibt uns einen Extraboost in jedem Wechsel.“

ERC Ingolstadt in Kürze



Personal: Verteidiger Luca Zitterbart könnte laut Trainer Mark French rechtzeitig fit werden, die beiden Stürmer Patrik Virta und Enrico Henriquez fallen dagegen noch länger aus.

Gegner: Dritter gewinnt gegen Zweiten und verdrängt Ersten: Die Straubing Tigers besiegten am vergangenen Sonntag die Pinguins Bremerhaven mit 4:3 nach Verlängerung und eroberten dadurch die Tabellenspitze von den Eisbären Berlin, die davor 13 Spieltage lang an der Spitze gethront hatten. Trainer Tom Pokel gibt im Derby Torhüter Florian Bugl den Vorzug, der verletzte Stürmer Parker Tuomie fällt weiter aus. Topscorer der Niederbayern ist aktuell der Kanadier Nicolas Mattinen (10 Tore/14 Vorlagen). Die Tigers haben die beste Defensive (49 Gegentore) und das stärkste Unterzahlteam (sechs Gegentore) der Liga. „Das Hauptaugenmerk liegt bei Straubing auf der Defensive, aber sie haben vorne natürlich auch gefährliche Spieler wie Mike Connolly oder Marcel Müller“, sagt ERC-Topscorer Daniel Pietta. Das erste Saisonduell hatten die Tigers mit 3:1 am Pulverturm für sich entschieden.