Frauen-Eishockey-Bundesliga
ERC Ingolstadt geht mit der „Sechsten Frau“ im Rücken ins Spitzenspiel gegen ECDC Memmingen

19.01.2024 | Stand 19.01.2024, 5:00 Uhr
Martin Wimösterer

Starkes Comeback: Nach dreimonatiger Verletzungspause spielt Marie Delarbre beim ERC schon wieder eine tragende Rolle. Foto: Traub

Dass an diesem Wochenende kein ganz alltägliches Spiel ansteht für die Eishockey-Frauen des ERC Ingolstadt, war schon in den Trainingseinheiten unter der Woche zu sehen. An der freiwilligen Übung am Montag nahm ein großer Teil der Mannschaft teil und in den regulären Einheiten „war viel Tempo drin“, berichtet Trainer Christian Sohlmann. „Da hast du gemerkt, dass die Spielerinnen wissen: Es geht um was.“

Die ERC-Frauen empfangen am Sonntag immerhin den Titelverteidiger ECDC Memmingen Indians zum Duell in der Bundesliga DFEL (13 Uhr, Halle 2 der Saturn Arena). Die Panther haben nach dem 1:0-Sieg am vorigen Wochenende bei den Allgäuerinnen sechs Punkte Vorsprung auf den direkten Verfolger. Ein Sieg im Heimspiel und Platz eins, der ein mögliches Heimrecht im Ligafinale mit sich brächte, wäre Ingolstadt fast schon nicht mehr zu nehmen.

Derweil haben die Panther ihre Schlüsse aus dem Vergleich am vorigen Samstag gezogen. Zum Beispiel, dass Mittelstürmerin Marie Delarbre nach dreimonatiger Verletzungspause schon wieder eine tragende Rolle übernehmen kann. Sie bestreitet am Sonntag ihr erstes Spiel in heimischer Halle seit dem Finalspiel um den Titel im Jahr 2022. Ein Comeback gibt auch, nach kurzer Krankheitspause, Verteidigerin Alene Sankala. Verletzt fällt lediglich Celina Haider aus – doch auch die Rückkehr der Torjägerin deutet sich inzwischen an.

Schlüsse hat Sohlmann – das Videostudium gehört auch in der DFEL zur Trainerkunst – auch bezüglich der taktischen Nachjustierungen gezogen. All zu sehr will sich der Trainer nicht in die Karten schauen lassen, verrät aber mit Blick auf die Trainingsinhalte: „Das ist kein Spiel wie jedes andere, weder für uns noch für die Indians. Memmingen verfügt wie wir über viele Nationalspielerinnen, da läuft alles eine Spur schneller als in den anderen Bundesliga-Spielen. Wir haben darum am Umschaltspiel gearbeitet, um schneller in beide Richtungen vorgehen zu können – so dass wir uns defensiv schneller sortieren und in der Offensive Memmingen auch überraschen können.“

Das 1:0 am vorigen Wochenende zeigte intensives, qualitativ hochwertiges Frauen-Eishockey – und unterstrich, dass den Verteidigerinnen eine bedeutende Rolle zukommt. Nicht nur defensiv, sondern auch beim Torabschluss. Ein Beispiel: Von 22 Schüssen der Memmingerinnen auf das Ingolstädter Tor kam mehr als die Hälfte von Defensivspielerinnen. Auch daran haben Kapitänin Theresa Wagner und ihre Schanzer Teamkolleginnen in der vergangenen Woche gearbeitet: an der sogenannten „D-Zone Coverage“. Durch bessere Positionierung soll die Defensive gut abgedeckt sein, tückische Schüsse von der Blauen Linie möglichst weggenommen werden. Denn so ein Fernschuss, vielleicht noch leicht abgefälscht, könnte bereits entscheidend sein.

Nachdem in der Vorwoche ein Treffer den Ausschlag gab, erwartet Sohlmann wieder eine enge, umkämpfte Partie. Den Special Teams (bei Über- und Unterzahl) könnte eine große Bedeutung zukommen, denkt der Coach – und möglicherweise auch die „Sechste Frau“, die Fans auf der Tribüne. Wie zuletzt in Memmingen wird die Partie überdurchschnittlich viele Zuschauer anlocken, zumal das Spiel auch in die 60-Jahr-Feier des ERCI eingebettet ist.

Wer für das Spiel der DEL-Profimannschaft am Sonntag gegen die Schwenninger Wild Wings (16.30 Uhr, Saturn Arena) eine Eintrittskarte hat, kann kostenlos vorher zum Frauen-Spiel in Halle 2 kommen – solange der Platz eben reicht. Die Halle 2 bietet Platz für 500 Personen und kann bei vollen Rängen zu einem kleinen Hexenkessel werden.

„Unsere Mannschaft hätte richtig Bock auf eine volle Halle“, sagt Sohlmann. „Dass wir zuletzt 18 DFEL-Siege in Serie abgeliefert haben, erzeugt sicher Aufmerksamkeit. Das Team macht mit seinen Leistungen Werbung. Aber der Blick auf die Statistiken reicht nicht, man sollte das auch mal in der Halle live erlebt haben. Gerade bei so einem Spitzenspiel wie am Sonntag...“ Keine Frage, auch Sohlmann selbst blickt voller Vorfreude auf das Duell mit Memmingen, „denn bei solchen Partien spielt die Musik.“

DK