Fernreisen
Ins „warme Herz Afrikas“: Fünf Gründe für eine Malawi-Reise

21.02.2024 | Stand 21.02.2024, 17:00 Uhr

Ins „warme Herz Afrikas“: Fünf Gründe für eine Malawi-Reise - Begehrtes Fotomotiv auf Safari: ein Elefant im Liwonde National Park. - Foto: Julian Hilgers/dpa-tmn/dpa

Kenia, Tansania, Mosambik - aber Malawi? Selbst bei Afrikafans wird das Land oft unterschätzt. Dabei laufen Safaris hier meist entspannter ab, und Radreisende freuen sich über ein Werkstattnetz.

Der Bus verlässt Lilongwe mit nur zehn Minuten Verspätung. Eine gute Nachricht, aus gleich zwei Gründen: Erstens, weil zehn Minuten zu spät in Malawi pünktlich ist, zweitens, weil Malawis Hauptstadt wahrlich kein touristisches Glanzlicht ist. Die Schönheit Malawis liegt außerhalb Lilongwes.

Fünf Gründe für eine Reise in das von Mosambik, Sambia und Tansania im Südosten des Kontinents eingekesselte Binnenland:

1. Malawis bekannter See sorgt für Robinson-Crusoe-Feeling

Um Cape MacLear zu erreichen, muss man umsteigen. Keine Busse, nur Motorradtaxis und Geländewagen fahren auf der schmalen Straße, die durch die grünen Hügel des Lake Malawi National Park zu dem Ort am See führt. Cape MacLear lebt vom Tourismus. Von hier erreicht man unter anderem die kleinen und unbewohnten Inseln Domwe und Mumbo. 

Kristallklares Wasser umspült sie, weißer Sand und einfache Unterkünfte sorgen für Robinson-Crusoe-Gefühle. Das lassen sich Reiseveranstalter etwas kosten: Eine Nacht auf Mumbo Island kostet inklusive Bootsfahrt etwa 90 Dollar pro Person, umgerechnet gut 80 Euro – ohne Verpflegung.

Doch entlang der Küste des drittgrößten Sees Afrikas bieten auch andere Orte wie Nkhata Bay, Monkey Bay oder Senga Bay teilweise türkises und glasklares Wasser, das zum Schwimmen einlädt.

Doch es sprechen Gründe dafür, es beim schönen Anblick zu belassen. Laut Benno Kreuels besteht beim Baden das Risiko, sich mit dem Erreger der Wurmerkrankung Bilharziose zu infizieren - insbesondere in der Nähe von menschlichen Siedlungen. Der Tropenmediziner am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin sagt: „Wenn man mit einem Boot rausfährt und vor einem Strand einer kleineren unbewohnten Insel schwimmt, ist das Risiko deutlich niedriger.“ 

2. Malawis Menschen sind herzlich und offen

Sungeni sitzt in einer unscheinbaren Hütte in Cape MacLear. Mit seiner Kochmütze und der weißen Jacke wirkt er wie ein Sternekoch am falschen Ort. Er lädt ein, auf einer Holzbank vor seinem „Black Pepper Café“ Platz zu nehmen.

Sungeni bereitet vegetarisches Curry, Frühlingsrollen oder Karottenkuchen zu - eine gern gesehene Abwechslung zur malawischen Standardküche aus Maismehlbrei oder Reis mit Bohnen. „Ich verkaufe das Essen auch an die Einwohner hier, sie mögen die Frühlingsrollen sehr gerne.“ 

Wie Sungeni wirken fast alle Menschen in Malawi freundlich und offen. 
Insbesondere, wer sich mit Minibussen und Taxis durch das Land bewegt, wird immer wieder in Gespräche mit interessierten Malawiern verwickelt. Nicht umsonst wirbt Malawi mit dem Slogan „The warm heart of Africa“.

Die Reise in den „öffentlichen“ Verkehrsmitteln (sie sind fast immer privat organisiert) kostet aber auch Zeit und Nerven. Es geht erst los, wenn die Fuhre rappelvoll ist. Für einen Sechssitzer bedeutet das: Auf zehn Leute wartet man mindestens, mit Kleinkindern auch gern mal dreizehn. 

Trotzdem gilt der Straßenverkehr als recht sicher. Und nicht nur der. „Die Kriminalitätsrate ist im regionalen Vergleich nicht sehr hoch“, schreibt sogar das Auswärtige Amt. Was Diebstähle und Einbrüche vor allem in größeren Städten und in Touristenzentren aber nicht ausschließt.  

3. Malawi ist wieder Heimat der „Big Five“

Der Geländewagen ruckelt über die Pfade des Liwonde National Park. Zur Linken glitzert der gleichnamige See, zur Rechten ragen die nach der Regenzeit dicht und grün überwucherten Hügel auf. „Wir haben hier viele Löwen und auch Geparden. Und Nashörner“, sagt der Guide. Nur zeigen die sich diesmal nicht. Aber Elefanten, Büffel und Antilopen streifen zwischen den Bäumen umher. 

Die „Big Five“ galten in Malawi bereits als ausgerottet. Doch Löwe, Elefant, Büffel, Leopard und Nashorn sind wieder zu finden, weil das Land den Wert des Öko-Tourismus erkannt und Tiere umgesiedelt hat. Nur lassen sich die meisten der fünf Großen nicht so leicht aufspüren, wie etwa in Kenia oder Tansania. 

Die Nationalparks wie in Liwonde sind dafür leerer und günstiger. Schon für 55 Dollar (50 Euro) bieten Lodges Unterkunft im Schlafsaal und eine Safari an – inklusive Mahlzeiten.

Für ein bisschen Geld extra lohnt sich im Liwonde-Nationalpark auch eine Bootsafari auf dem See, bei der sich oft Krokodile zeigen - und Flusspferde. „Manchmal rammen sie versehentlich beim Auftauchen das Boot, aber sie greifen nie an“, versichert der Guide.

4. Malawi lässt Wanderherzen höherschlagen 

Die Mittagssonne nimmt beim Aufstieg auf das Nyika-Plateau keine Rücksicht. Doch die Aussicht lohnt sich. Während zur einen Seite die hügelige Landschaft mit kleinen Häusern liegt, breitet sich auf der anderen hinter Klippen der Lake Malawi aus. 

Das Nyika-Plateau im Norden des Landes ist eine der vielen Gegenden, die Malawi besonders zum Wandern attraktiv machen. „Die meisten Besucher kommen ab März“, sagt Wander-Guide Christopher. Dann endet langsam die Regenzeit, die mitunter zwar für Überschwemmungen sorgt. Doch wer den richtigen Zeitpunkt zum Ende der nassen Periode erwischt, erlebt eine besonders grüne Landschaft.

Auch im Süden nahe der Stadt Zomba lässt es sich gut wandern. Während man auf dem Zomba Plateau mit rund 2000 Metern Höhe an einem Tagestrip ohne Guide wandern kann, empfiehlt sich für den Aufstieg zum Mount Mulanje eine Mehrtagestour mit Guide.

Das Mulanje-Massiv ist mit 3002 Metern die höchste Erhebung Malawis und bietet verschiedene Routen mit Übernachtungen in Holzhütten und fantastischer Aussicht. Es muss eben nicht immer gleich der Kilimandscharo sein.

5. Malawi ist ein Fahrradland

Mit sechs Bierkisten auf dem Gepäckträger versucht ein Mann, sein Fahrrad über die Straße zu bewegen. Vergeblich. Das Rad kippt um, immerhin gehen nur wenige Flaschen zu Bruch. Was skurril klingt, ist in Malawi Alltag. 

Alles, was auch nur mit einem Hauch von Fantasie auf einen Gepäckträger passt, transportieren die Malawier per Rad. Die meist schwarzen Herrenräder dienen auf diese Weise auch als Taxi und ersetzen in vielen Orten die in Afrika sonst so verbreiteten Motorradtaxis. Dass Malawi ein Fahrradland ist, hat auch finanzielle Gründe: Malawi zählt noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. 

Selbst in den kleinsten Dörfern gibt es oft eine Fahrradwerkstatt, die Reifen flickt oder gebrochene Stangen schweißt. Was für die Malawier von Alltagsnutzen ist, kann auch Hilfe in der Not auf Radreisen sein. Vereinzelt sind sogar Bikepacker mit ihrem leichten Gepäck am Rahmen in den Hügeln unterwegs. Und werden wie die Wanderer mit Aussichten auf Seen und Berge belohnt.

Tipps, Links, Praktisches:

Anreise: Aus Deutschland gibt es keine Direktflüge nach Malawi. Umsteigeverbindungen gehen größtenteils über Nairobi und Addis Abeba.

Reisezeit: Malawis Regenzeit deckt sich in etwa mit dem deutschen Winter und geht von Dezember bis März. Als beste Reisezeit gelten die Monate April bis September.

Unterwegs: Wer nicht auf Radreise ist, greift auf Minibusse und Taxis zurück. Zwischen den drei größten Städten Lilongwe, Blantyre und Mzuzu fahren Busse privater Unternehmen.

Gesundheit: Das Auswärtige Amt rät zur reisemedizinischen Beratung. Für die Einreise aus Deutschland sind keine Pflichtimpfungen vorgeschrieben. Bei Ausreise jedoch darf laut WHO-Vorgaben die letzte Polio-Impfung maximal ein Jahr zurückliegen. Malawi zählt zu den Malaria-Risikogebieten. 

Auskünfte: Unter www.malawitourism.com stellt ein malawisches Marketingkonsortium nützliche Informationen unter anderem zu Aktivitäten und Unterkünften bereit.

© dpa-infocom, dpa:240205-99-871512/3