Die Erben von Poker und Skat
Micky und Donald statt Bube und Ass: 5 moderne Kartenspiele

15.03.2024 | Stand 24.04.2024, 8:20 Uhr

Moderne Kartenspiele - „Disney Lorcana“ ist für mindestens zwei Spieler ab 8 Jahren konzipiert, die sich dann für bestimmte Charaktere entscheiden. - Foto: Felix Kästle/dpa

Neben Skat, Doppelkopf oder Mau-Mau gibt es immer mehr moderne Vertreter, die es durchaus mit den Klassikern aufnehmen können. Denn Kartenspiele liegen im Trend.

Micky Maus, Donald Duck und Goofy beschützen als Musketiere ihre Freunde. Die Hexe Gundel Gaukeley will am liebsten an den Glückskreuzer von Onkel Dagobert. Und wenn nichts mehr hilft, friert Eiskönigin Elsa ihre Gegner ein. Das Sammelkartenspiel „Lorcana“ lässt die Spielenden mit vielen Charakteren, Gegenständen, Liedern und Orten aus dem Disney-Universum gegeneinander antreten - und hat Ravensburger bislang einen großen Erfolg beschert.

Die Resonanz „übertraf deutlich unsere Erwartungen“, sagt PR-Manager Steffen Vierrether gut ein halbes Jahr nach Erscheinen der ersten Karten. Damit bestätigt sich ein Trend auf dem Markt hin zu dieser modernen Art von Kartenspielen. Zu den Wachstumsmotoren 2023 zählten vor allem Sammelkartenspiele.

Das sind Sammelkartenspiele

Längst werden mit Karten nicht mehr nur Klassiker wie Skat oder Mau-Mau gespielt. Sammelkartenspiele vereinen als Genre grundsätzlich zwei Grundkonzepte. Aus einem großen Pool von Karten suchen sich Spielerinnen und Spieler zunächst nach bestimmten Regeln die Exemplare heraus, mit denen sie antreten wollen. Anschließend geht es meist im Duell gegeneinander. Als langlebigster Vertreter des Genres kam „Magic: The Gathering“ vor inzwischen mehr als 30 Jahren auf den Markt, auch beispielsweise „Pokémon“ und „Yu-Gi-Oh!“ sind international beliebt.

Auf der Jagd nach Legenden

Thematisch erwecken man in „Disney Lorcana“ mit Hilfe von magischer Tinte Charaktere zum Leben und muss als Erster 20 Legendenpunkte sammeln. „Ich kann mich für die Charaktere entscheiden, die ich mag: Wer Prinzessinnen liebt, baut ein Prinzessinen-Deck“, sagt Co-Designer Ryan Miller im Interview der dpa und erklärt das Konzept: „Wir wollten Disney-Fans erreichen, die noch nie ein Sammelkartenspiel gespielt haben. Aber es sollte auch strategische Möglichkeiten enthalten, die erfahrene Spieler ansprechen.“

Für Miller ist es „fantastisch“ zu sehen, dass auch viele Familien und Mädchen „Lorcana“ spielen. Denn dies ist eher untypisch für ein Sammelkartenspiel. Inzwischen sind zum dritten Mal mehr als 200 unterschiedliche Karten erschienen, alle drei Monate kommt ein solches neues Set heraus.

Bevor ein Päckchen mit neuen Karten geöffnet wird, ist aber unklar, welche darin enthalten sind. Kritischen Fragen, dass dies eine Art Suchtpotenzial bergen könne, entgegnet Ravensburger, dass die neuen Karten gar nicht zwingend zum Spielen benötigt werden. „Man kann wählen, wie tief man einsteigen will. Familien können nur mit Starterdecks spielen und viel Spielspaß haben“, sagt Miller. Als Kernzielgruppe gibt der Verlag 20- bis 35-Jährige an.

Deutschland ist ein Kartenspiel-Land

„Disney Lorcana“ erschien direkt zum Start im August 2023 auch im deutschen „Schlüsselmarkt“ (Miller) - und reiht sich hier in eine lange Tradition ein. „Ich denke durchaus, dass Deutschland ein Kartenspiel-Land ist“, sagt Stefanie Kuschill vom Deutschen Spielearchiv in Nürnberg. Die Kulturwissenschaftlerin sieht eine Historie der Spielkarten mit klassischen Spielen wie Skat, Rommé, Canasta oder Schafkopf.

„Doch Kartenspiel ist natürlich nicht gleich Kartenspiel“, sagt Kuschill. „Die Vielfalt geht von Ablegespielen oder Stichspielen, über konfrontativ oder kooperativ, Zahlen und Formen, bis inzwischen auch zur Pocketversion von Escape-Games.“

Neben „Disney Lorcana“ sind auch diese Kartenspiele einen Blick wert:

1. Für den Urlaub: „Sea Salt & Paper“

Nicht nur das handliche Format eignet sich hervorragend zum Mitnehmen in den Urlaub. Auch die wunderschönen Origami-Motive mit unter anderem Booten, Meerjungfrauen und Muscheln erzeugen Küsten-Fernweh. Durch das Nachziehen und Ablegen werden hier entweder bestimmte Karten-Arten gesammelt, um Punkte zu machen. Oder es werden Paare ausgespielt, um Effekte auszulösen. Besonders gemein ist dabei das Pärchen Hai/Schwimmer, denn dann wird eine Karte von jemand anderem geklaut.

Ab sieben erzielten Punkten darf eine Runde beendet werden. Spannend hierbei: Es ist auch möglich zu zocken, und den Mitspielenden noch einen Spielzug zu gewähren, um noch mehr Punkte einzuheimsen. Doch das kann auch schiefgehen.

2. Für zwei Personen: „Der Fuchs im Wald“

Nicht nur erprobte Stichspieler (Skat, Doppelkopf) sollten einen Blick auf dieses besondere Duell mit Märchenthema werfen. Denn die Regeln sind einsteigerfreundlich. Eigentlich geht es nur darum, Stiche zu gewinnen - doch dabei nicht zu gierig zu sein. Wer von den 13 Stichen pro Runde nämlich zehn oder mehr gewinnt, geht punktemäßig leer aus. Sieben bis neun Stiche geben dagegen sechs Punkte. Insgesamt 21 Punkte braucht es für den Gesamtsieg.

Weitere Würze geben die Sondereffekte der ungeraden Zahlenkarten. Damit kann unter anderem die Trumpffarbe verändert werden. Zudem sind von den 33 Karten (drei Farben) nie alle im Spiel, sodass eine gewisse Ungewissheit bleibt, die für noch mehr Spannung sorgt.

3. Für größere Runden: „Cabanga!“

Der AMIGO-Verlag ist bekannt für seine kleinen, einfachen Familien-Kartenspiele für und „Cabanga!“ reiht sich perfekt ein. Auch hier ist keine große Spielerfahrung notwendig und die Regeln sind schnell erklärt. Eine Runde geht so lange, bis eine Person am Tisch alle Handkarten losgeworden ist. Übrig gebliebene Karten geben Minuspunkte.

Der Reiz entsteht beim Ablegen der Zahlenkarten auf einem der acht Stapel (zwei pro Farbe). Denn so entsteht jedes Mal eine Zahlenlücke zwischen der abgelegten Karte und dem Wert der obersten Karte des anderen Stapels. Wer am Tisch eine oder mehrere Karten, die in diese Lücke passen, hat, darf „Cabanga!“ rufen und die Karte(n) abwerfen. Dann hagelt es für den aktiven Spieler Strafkarten. Gerade bei sechs Personen kann dies turbulent zugehen.

4. Für Team-Player: „Marvel Champions“

Als Black Panther oder Spiderman die Welt vor Schurken beschützen - in Marvel Champions übernehmen die Spielenden die Rollen von Superhelden. Dabei geht es gemeinsam gegen die Bösen, auch solo bietet das anspruchsvolle Spiel viele strategische Möglichkeiten.

Das Prinzip ist ähnlich zu einem Sammelkartenspiel wie „Lorcana“ - aber doch anders: Für die Szenarien wird ein sogenanntes Deck von Karten zusammengestellt. Das Grundspiel, in dem fünf Charaktere und drei Gegner enthalten sind, lässt sich dabei mit zahlreichen Erweiterungen ausbauen. Wer einen Zusatzpack kauft, weiß jedoch vorher genau, welche Karten dabei enthalten sind.

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