Autotest
Der Fisker Ocean hat das Zeug zum smartesten SUV der Welt

12.09.2023 | Stand 12.10.2023, 13:10 Uhr |

Fisker Ocean - Sportliches SUV: Maximal 205 km/h schnell kann der Fisker Ocean werden. - Foto: Fisker Inc./dpa-tmn

Auf den Spuren Teslas will der ehemalige BMW- und Aston Martin-Designer Henrik Fisker jetzt aus Kalifornien mit dem Ocean den Markt aufmischen - und zumindest ein kleines bisschen die Welt retten.

Bislang musste sich US-Autobauer Tesla vor allem der Chinesen und der aufgeschreckten Autobauer aus der Alten Welt erwehren. Doch jetzt setzt dem Elektropionier ein Newcomer aus den eigenen Reihen zu. Denn aus Kalifornien bringt Henrik Fisker seinen Ocean an den Start.

Gezeichnet an der Pazifikküste, mitentwickelt und gebaut bei Magna im österreichischen Graz. Er tritt zu Preisen ab 41.560 Euro gegen elektrische Geländewagen vom Schlage eines VW ID.5, eines Ford Mustang Mach-E und vor allem gegen das Tesla Model Y an.

Das Format ist gängig, die Form ist neu

Dafür gibt es ein SUV, das mit 4,77 Metern Länge und 2,92 Metern Radstand, entsprechend großzügigen Platzverhältnissen sowie mindestens 476 Litern Kofferraum voll familientauglich ist.

Außerdem wartet der Ocean mit allen gängigen Assistenzsystemen vom halb autonomen Autobahn-Piloten bis zur Park-Automatik auf. Zudem soll er viele weitere Funktionen per Software-Update nachgeliefert bekommen.

Während das Format genau wie die Ausstattung gängig ist, hat Fisker zumindest eine neue Form gefunden und erlaubt sich - aller aerodynamischen Effizienz zum Trotz - ein paar Ecken und Kanten. Man verzichtet auf die übliche Stromlinie. So wird der Ocean zum Charakterkopf unter den SUV.

Die größte Batterie, den längsten Atem

Im Wagenboden stecken Batterien mit einer Brutto-Kapazität von bis zu 113 kWh, die den Ocean mit maximal 707 Kilometern Normreichweite zum Langläufer in seinem Segment machen. Kein anderes SUV mit Elektroantrieb auf dem europäischen Markt soll derzeit weiter kommen. Erst recht nicht, wenn man auch noch das Solardach dazurechnet, das dem Besitzer im besten Fall 2000 Freikilometer pro Jahr spendiert.

Das ist nur ein Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit für Fisker mehr ist als der E-Antrieb. Deshalb rühmt sich der Ocean eine Anteils von mehr als 50 Kilogramm Material aus Recycling und nachwachsenden Rohstoffen - bis hin zu den Radkappen aus Carbon-Abfällen. Und die Produktion soll CO2-neutral erfolgen.

Der Sportwagen unter den SUV

Dass Elektroautos leise sind und einen Antritt haben wie ein Sportwagen, das ist mittlerweile gelernt. Der Ocean ist da keine Ausnahme. Immerhin hat schon das Basismodell einen 202 kW/275 PS starken Motor im Bug. Und das Topmodell kommt mit Allradantrieb auf kurzfristig 415 kW/564 PS, beschleunigt in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht bis zu 205 km/h.

Es fährt bestimmt und präzise, hält sauber die Spur und ist lange nicht so entkoppelt wie viele andere E-Autos. Sondern der Fahrer fühlt sich gut mit der Fahrbahn verbunden und spätestens im «Hyper»-Mode merkt man, dass Firmenchef Fisker früher vor allem mit Sportwagen zu tun hatte. Dann gewinnt die Lenkung an Schärfe und die Motoren reagieren spritziger auf die Bewegungen des rechten Fußes.

Nur an dem, in Anbetracht der mit 22 Zoll gewaltigen Räder, überraschend hohen Fahrkomfort ändert sich nichts, denn adaptive Dämpfer sucht man im Ocean vergebens.

Die Details machen den Unterschied

Was am Ocean aber viel mehr überrascht, das sind die vielen kleinen Details. Die haben oft nicht einmal etwas mit dem Elektroantrieb zu tun, brauchen aber den frischen Mut eines Start-ups. Das beginnt bei den Sonnenblenden, die sich wie die magnetische Abdeckung eines iPads platzsparend zusammenfalten lassen.

Und es endet bei den so genannten Taco Trays: Damit sich die Insassen beim Laden - und das geht bei knapp 200 kW eigentlich ganz flott - nicht langweilen, können sie aus der Mittelkonsole und dem Armaturenbrett ein paar Tische ausklappen und darauf Picknick machen oder arbeiten. Das ist eine Lösung, wie man sie sonst nur von Skodas «Simply Clever»-Abteilung erwartet hätte.

Auf Knopfdruck nach Kalifornien

Damit ist der Ideenreichtum des Ocean noch nicht ausgeschöpft: Sondern weil das Design aus Los Angeles stammt, gibt es auch einen «Hollywood Mode», bei dem das mit 17 Zoll riesige Display im Stand um 90 Grad rotiert und zur digitalen Kinoleinwand wird.

Und weil das Wetter an der US-Westküste meist besser ist als bei uns, hat Fisker den «California Mode» erfunden: Auf Knopfdruck öffnen sich damit bis auf die Frontscheibe alle Fenster. Und «alle» meint wirklich alle - die Heckscheibe und die kleinen Gucklöcher im Kofferraum eingeschlossen.

Fazit: Mit Start-up-Spirit und Know-how zum Tesla-Fighter

Start-up-Spirit wie Tesla. Die Erfahrung und damit die Qualität von einem der weltweit größten Ingenieurs- und Produktionsdienstleister und damit so solide und seriös wie ein etablierter Premiumhersteller. So smart und so clever wie Skoda - und das alles zu überraschend niedrigen Preisen: So fährt der Ocean ganz vorne mit bei den elektrischen SUV.

Nachdem Henrik Fisker sich mit Autos wie dem BMW Z8 und dem Aston Martin DB9 bislang nur bei der eiligen Elite einen Namen gemacht hat, könnte er so nun tatsächlich die Masse bewegen.

Datenblatt: Fisker Ocean

Motor und Antrieb:Zwei Elektromotoren
Hubraum:-
Max. Leistung:415 kW/564 PS
Max. Drehmoment:737 Nm
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:1-Gang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge:4774 mm
Breite:1982 mm
Höhe:1631 mm
Radstand:2921 mm
Leergewicht:2434 kg
Zuladung:540 kg
Kofferraumvolumen:476-918 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:205 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:3,9 s
Durchschnittsverbrauch:k.A. kWh/100 km
Reichweite:707 km
CO2-Emission:0 g/km
Batteriekapazität (brutto): 113,0 kWh
Schadstoffklasse:k.A.
Energieeffizienzklasse:A+
Kosten:
Basispreis des Fisker Ocean:41.560 Euro
Preis des Fisker Ocean Ultra: 69.950 Euro
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer:0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Neun Airbags, adaptiver Tempomat, LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera, Spurführungshilfe
Komfort:Klimaautomatik, 17-Zoll-Display, Panorama-Schiebedach

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