Riedenburg

Das Ende der Dorfschulen

In Riedenburg wurde ab 1970 die zentrale Volksschule gebaut – Volksentscheid brachte das Aus für die Bekenntnisschulen

23.09.2022 | Stand 22.09.2022, 11:43 Uhr

Ein stattliches Gebäude war die ehemalige Schule im heutigen Riedenburger Ortsteil Altmühlmünster. Foto: Patzelt

Riedenburg – Infolge des Volksschulgesetzes aus dem Jahr 1966 und der Schulreform im Jahr 1969 hat sich von damals bis zum Jahr 1980 die Zahl der Volksschulen in Bayern von etwa 7000 auf weniger als 3000 verringert. Mit der Landkreisreform vor 50 Jahren erhielt auch die Volksschule Riedenburg endgültig ihr Einzugsgebiet und organisatorische Form. Von ehemals 32 Schulorten im damaligen Landkreis Riedenburg blieben im Zuge der Landschulreform nur noch in Altmannstein, Dietfurt, Mindelstetten, Pondorf, Riedenburg und Sandersdorf Volksschulen erhalten.

Die neu gebildeten Schulverbände sicherten sich ein möglichst großes Einzugsgebiet. Umstritten waren Hexenagger und Pondorf, die ihre Schüler der fünften bis achten Klassen nach Riedenburg schickten. Im Jahr 1968 wurde die Schule in Hexenagger aufgelöst und in die Verbandsschule Altmannstein eingegliedert. Im Jahr 1973 kamen auch die Schüler aus Pondorf nach Altmannstein.

Zu Beginn der 1960er-Jahre tauchte im Bayerischen Landtag der Begriff „Landschulreform“ auf. So waren in der Oberpfalz, zu der auch Riedenburg gehörte, über die Hälfte aller Volksschulklassen ein- oder zweiklassige Landschulen. Aber auch in den Städten brachte die konfessionelle Gliederung nach evangelischen und katholischen Bekenntnisschulen und christlichen Gemeinschaftsschulen eine ungünstige Gliederung.

So hatte Riedenburg im Schuljahr 1963/1964 in der katholischen Knabenschule 130 Schüler, in der katholischen Mädchenvolksschule 132 Schülerinnen und in der evangelischen Volksschule 33 Schülerinnen und Schüler. Ab dem 1. September 1967 kam noch eine Sondervolksschule mit 22 Kindern hinzu.

Auch der Einsatz der Lehrkräfte war durch konfessionelle Bindung behindert. Ein katholischer Lehrer fand keinen Arbeitsplatz an einer evangelischen Bekenntnisschule – ebenso auch umgekehrt. So zählte die evangelisch-lutherische Diasporagemeine Riedenburg nach dem Zweiten Weltkrieg acht evangelische Lehrer im Landkreis Riedenburg. Sieben davon mussten nach der Reform nach Franken versetzt werden, wo die Bevölkerung überwiegend dem evangelischen Glauben angehörte.

Durch einen Volksentscheid im Juli 1968 kam für die Bekenntnisschulen und für die christlichen Gemeinschaftsschulen das Aus. Eine umfassende Planung für Schüler und Lehrerpersonal wurde dadurch möglich.

Im Schuljahr 1969/1970 zählte der Schulverband Riedenburg 616 Schüler in 17 Klassen aus den Schulorten Altmühlmünster, Baiersdorf, Eggersberg, Jachenhausen, Otterzhofen, Prunn, Schambach, Thann, Riedenburg und der Oberstufe der Volksschule Pondorf. Da im Zentralort die Schulräume fehlten, mussten die Jahrgangsklassen mit Bussen auf die früheren Orte verteilt werden. Kinder von den Dörfern kamen nach Riedenburg, aber auch Riedenburger Schüler saßen in den Dorfschulen. Für Riedenburg wurde ein zentrales Volksschulgebäudegeplant und im Spätherbst 1970 mit dem Bau begonnen. Die ersten Räume konnten 1974 belegt werden, die Segnung erfolgte am 24. Juli 1974. Die Baukosten betrugen rund 8,3 Millionen D-Mark.

DK

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