Tränen gelacht

Paul Panzer gastiert mit seinem Programm „Midlife Crisis“ im Festsaal

19.09.2022 | Stand 19.09.2022, 18:17 Uhr

Von „Wellnez“ und brennenden Autoreifen: Paul Panzer gastierte mit seinem aktuellen Programm in Ingolstadt. Foto: Nassal

Von Christine Zinner

Ingolstadt – Nun hat sie den 50-jährigen Paul Panzer erwischt – die Midlife Crisis. Dem Ingolstädter Theaterfestsaal schüttete der Kabarettist am Sonntagabend sein Herz aus und reizte damit die Lachmuskeln seines Publikum aus. Die Veranstaltung soll fast ausverkauft gewesen sein, das Parkett war nahezu voll besetzt, auf der Tribüne noch einige Plätze frei.
Manche Besucher hatten ihre Eintrittskarte seit 2019. Großen Respekt hat Panzer da. „Da hat man jahrelang das Ticket am Kühlschrank hängen und fragt sich: Lebt der Typ überhaupt noch?“

Sein aktuelles Programm heißt „Midlife Crisis … willkommen auf der dunklen Seite“. Während Männer sich für unantastbar hielten, was das Altern angeht, seien Frauen da klüger, bemerkte er. Die versuchen früher dem entgegenzuwirken. Auf einer Kreuzfahrt habe seine Frau jeden Tag „Wellnez“ gemacht und Masken getragen. „Hilde hat an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen – und gewonnen.“ Da könne man sich vorstellen, von welcher Qualität diese Reise war. „Die Piraten im Mittelmeer haben uns mit leeren Bierdosen beworfen.“

Panzer griff aber auch ernstere Themen auf und betrachtete sie mit Witz. In der Apotheken-Umschau habe er von einer Umfrage unter Jugendlichen unter 16 Jahren gelesen. „Jedes dritte Mädchen würde sich, wenn es dürfte, einer Schönheitsoperation unterziehen.“ In dem Alter wisse man doch noch gar nicht, was man wolle, bemerkte er. Seine Tochter habe ihm gesagt, sie möchte sich tätowieren lassen. „Ich habe gesagt, du bist alt genug. Aber wenn du einen Tipp willst: Mach nix mit Text. So weit bist du noch nicht.“

Panzer arbeitete die typischen Erscheinungen der Midlife Crisis thematisch durch. Redete etwa von Männern die versuchen, sich jung zu kleiden oder sich junge Frauen anzulachen. Zu letzterem bemerkte er: „Ich will das gar nicht verurteilen. Aber die haben unterschiedliche Interessen. Er sucht jung, sie sucht Devisen.“
Der Political Correctness widmete er sich nach der Pause. „Mich nervt das“, sagte er. „Inzwischen müssen sie die Toilettentüren vergrößern, damit die Aufkleber draufpassen, wer da alles pissen geht. Männer, Frauen, alles dazwischen, Kängurus …“ Er erzählte von seinem Vater, einem Handwerker, der wenig von Greta „Thunfisch“ hält. „Vor drei Wochen hat er noch alte Autoreifen im Garten verbrannt.“ Er habe seinem Vater gesagt: „Papa, das funktioniert so nicht.“ Und der Vater darauf: „Weiß schon. Deswegen habe ich Nitron drauf.“

Sein Vater verstünde ihn nicht mehr so richtig. Auch mit seinem Sohn ginge es ihm so. Sein Vater und sein Sohn dagegen kommen gut miteinander aus. „Call of Duty“ spielten die beiden zusammen auf der Playstation. Dort spielt man meist einen Soldaten in einem Kriegsszenario. Interessant seien die Gespräche, die da entstünden: „Opa, kennst du die Map?“ „Ja, früher war hier ein Graben.“

Panzer wurde nach seiner Zugabe, in der er noch zur Gitarre griff, mit tosendem Applaus verabschiedet. Etwa zwei Stunden hatte sein Auftritt gedauert. Sandra Meier aus Hitzhofen fand ihn super. „Ich habe Tränen gelacht.“ Sie und ihr Partner hatten sich die Tickets 2019 gegenseitig zu Weihnachten geschenkt. Die 50-jährige bemerkte, sie habe genau das Alter für die Midlife Crisis. Nun habe sie mal die männliche Sicht gehört. Thorsten Kölpl aus Neumarkt sagte, er habe noch ein paar Jahre hin bis zu dem Alter. Aber Panzer habe über Sachen aus dem Alltag gesprochen, mit denen er sich bereits identifizieren könne. „Da kann man wieder herkommen.“ Sein elfjähriger Sohn Alexander fand den Kabarettisten ebenfalls „echt cool“. Er sei zum ersten mal auf so einer Veranstaltung gewesen und ihm habe alles gefallen.

DK

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