Achtung Witz!

Wie der Smiley in die Digitalwelt kam: 40 Jahre :) 

13.10.2022 | Stand 13.10.2022, 16:04 Uhr

Smiley - Das auf der Seite liegende lachende Gesicht trat 2022 vor 40 Jahren von einer US-Universität aus seinen Siegeszug um die digitale Welt an. - Foto: Annette Riedl/dpa/Produktion

Doppelpunkt, Minus, Klammer zu: Wie ein Informatiker vor 40 Jahren
ein digitales Symbol erfand und dessen Nachfolger die heutige
Kommunikation per Textnachrichten prägen.

Ein Witz-Kennzeichen, das eigentlich selbst nicht
ganz ernst gemeint war? Klingt etwas schräg, ist aber der Anfang der
Geschichte des digitalen Smileys. Das auf der Seite liegende lachende
Gesicht trat am Montag (19. September) vor 40 Jahren von einer
US-Universität aus seinen Siegeszug um die digitale Welt an.
Inzwischen ist es meist in Form eines fertigen Mini-Bilds aus
Textnachrichten nicht mehr wegzudenken.

In der getippten Kommunikation übernehmen Emojis - gezeichnete
Gesichter, Handzeichen, Herzen und so weiter - eine wichtige
Funktion. «Sie geben einen Hinweis darauf, wie man eine Äußerung
verstehen soll», sagt Sprachwissenschaftlerin Erika Linz von der
Universität Bonn, die sich mit Sprache und Kommunikation in digitalen
Medien beschäftigt. Bei Textnachrichten fehlen nämlich jene Elemente,
die im Gespräch verdeutlichen, wie jemand etwas meint: Stimme und
Tonfall sowie Mimik und Gestik.

Missverständnisse vermeiden

Symbole zur Missverständnis-Vermeidung in digitalen Unterhaltungen -
genau das sollte das getippte Lach-Gesicht des amerikanischen
Informatikprofessors Scott E. Fahlman auch sein. An seiner
Universität in Pittsburgh schickten sich die Informatikerinnen und
Informatiker 1982 per Arpanet (Vorläufer des Internets)
Nachrichten; man postete diese auf digitalen Pinnwänden.

Die Community habe ausschließlich aus Nerds mit Hang zu Sarkasmus und
schrägem Humor bestanden, sagte Fahlman Anfang des Jahres in einem
Interview der «Frankfurter Rundschau». Es wurde also viel gepostet,
das als Spaß gedacht war. Doch es habe immer jemanden gegeben, «der
die Absicht nicht verstand und empört zurückschrieb. Daraus
entbrannten regelrechte Wortschlachten», so der Informatiker.

Einen Nerv getroffen

Um diese zu vermeiden, diskutierte man darüber, Witze als solche zu
kennzeichnen. Wiederum nicht ganz ernsthaft. Am 19. September 1982
postete Fahlman seinen Vorschlag: eine Kombination aus Doppelpunkt,
Minus und geschlossener Klammer, gemeinsam mit dem Hinweis, es
seitwärts zu lesen. Damit wollte er eigentlich nur die paar
Beteiligten kurzfristig amüsieren, erklärte er später. Aber offenbar
traf er einen digitalen Kommunikations-Nerv. Der liegende Smiley
verbreitete sich von der Universität aus über das Arpanet - und
schließlich per Internet weltweit.

In heutigen Textnachrichten übernehmen Emojis neben dem Ausdruck, wie
man etwas verstanden wissen möchte, weitere Funktionen. Sie dienten
regelmäßig als Satzzeichen, erklärt Sprachwissenschaftlerin Erika
Linz. Wenn etwa statt eines Punktes ein Emoji getippt wird, «bekommt
dieser eine expressive Bedeutung». Außerdem sorgen die kleinen
Zeichen für eine Ökonomisierung der Kommunikation, sagt die
Linguistin. Also etwa: Daumen hoch statt einer formulierten Antwort.

Siegeszug der Emojis

Wenn kein Bildchen verwendet wird, kann das auch als Zeichen gewertet
werden - dafür, dass jemand das Geschriebene wirklich ernst meint.
Die Menschen hätten ein Bewusstsein, in welcher Art von Nachrichten
sie Emojis verwenden und in welcher nicht, meint Linz. Jüngst haben
ihre Studentinnen analysiert, wie bekannte Persönlichkeiten auf
Instagram die kleinen Symbole einsetzen. Dabei kam heraus:
Schauspielerinnen und Schauspieler versehen ihre Posts deutlich
häufiger mit Emojis als Politikerinnen und Politiker.

Seriös also nur ohne Symbole? Dazu sagt Linz: «Ich glaube, dass das
langfristig noch mehr in die formelle Kommunikation übergeht. Der
Siegeszug der Emojis ist nicht aufzuhalten.» Was jedoch auch mit den
kleinen Zeichen nicht ganz aufzuhalten ist, sind Missverständnisse.
Denn nicht alle Emojis sind völlig eindeutig. Und Menschen verwenden
manche in verschiedenen Zusammenhängen mit unterschiedlicher
Intention. Da lobt sich Fahlmans liegendes Lach-Gesicht. Damit für
große Verwirrung oder ernsthafte Verärgerung zu sorgen, ist
nahezu unmöglich.

© dpa-infocom, dpa:220913-99-739278/3

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