Dietfurt

Traumberuf Metzger

Azubi Philipp Flierl aus Dietfurt kann sich keine schönere Ausbildungsstelle vorstellen

25.08.2022 | Stand 25.08.2022, 16:42 Uhr

Schon als Kind konnte sich Philipp Flierl keinen anderen Beruf als Metzger vorstellen. Foto: Hradetzky

Dietfurt – Philipp Flierl aus Dietfurt hat sich dazu entschieden, eine Ausbildung zum Metzger zu machen. In Zeiten, in denen das Handwerk händeringend Nachwuchs sucht, hat er schon Mitte August mit der Ausbildung begonnen, da er es nicht mehr erwarten konnte, bis es losgeht.

Für Philipp stand schon früh fest, dass er Metzger werden möchte. Vater Martin erinnert sich, dass sein Sohn schon mit sechs Jahren wissen wollte, wie Presssack – seine Leibspeise – hergestellt wird. In der achten Klasse heuerte Philipp bei der Metzgerei Leidl um einen Praktikumsplatz an. Hier wurde er sofort mit offenen Armen empfangen. In dieser Jahrgangsstufe absolvieren die Mittelschüler ein jeweils einwöchiges Praktikum an drei verschiedenen Arbeitsstellen. Philipp entschied sich für ein Schnupperpraktikum bei einem Schreiner und eines beim Metzger, das dritte musste Corona-bedingt abgesagt werden.

Hier wurde Philipp in seinem Wunsch, Metzger zu werden, bestärkt. „Schon im Praktikum durfte ich vieles selbst ausprobieren. Würstl auf Stecken aufhängen, Räuchern, Vakuumieren und Würzmischungen zusammenrühren“, blickt Flierl zurück. Seine jungen Chefs, Xaver und Hannes Leidl, haben während dieser Zeit sogar einen kurzen Film von ihm gedreht, aber nicht nur zu Social-Media-Zwecken, sondern auch als Erinnerung für Philipp.

Die Woche in der Metzgerei läuft nach einem festen Schema ab, hat er festgestellt: „Am Montag wird gewurstet, am Dienstag wird Fleisch gemacht und so weiter.“ Weil ihm das Praktikum so sehr gefallen habe, meldete sich Flierl auch für Ferienjobs bei der Metzgerei. „Mir macht es einfach Spaß, wenn es immer etwas zu tun gibt. Ich möchte immer beschäftigt sein.“ Bei der Metzgerei Leidl stimme das Arbeitsklima und die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern, findet er. Eine Lieblingswurst hat Philipp nicht, aber wenn, dann wäre es die Gelbwurst. Die kann er bald schon selbst herstellen, wenn er sich in seiner Arbeitskleidung – bestehend aus Gummistiefeln, weißer Latzhose, weißem Hemd und Käppi – dem Wursten widmet. Chef Xaver Leidl ist stolz auf seinen Lehrling, der sich mit so viel Eifer und Tatendrang ans Werk macht. Neben der Vermittlung grundlegenden Fachwissens legt Leidl Wert darauf, dass sich seine Azubis mit der Firmenphilosophie „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack! Ich bin immer mit dem Besten zufrieden“ vertraut machen.

Das Hygieneverständnis müsse jedem Lehrling in Fleisch und Blut übergehen, jeden Tag sei eine gründliche Reinigung und Desinfektion von Arbeitsgeräten und Räumlichkeiten unabdingbar. „Frische, Hygiene und Sauberkeit, Qualität und Sicherheit – das sind die Basics, die jeder Azubi bei uns lernt“, so Leidl. Leider habe das Fleischerhandwerk mit vielen Klischees zu kämpfen, etwa damit, dass es sich um eine Drecksarbeit handle, bei der man mit viel Blut konfrontiert wird. Geschlachtet wird bei der Metzgerei Leidl nicht mehr, dies geschieht im Schlachthof. Aber natürlich muss jeder, der das Metzgerhandwerk erlernt, auch wissen, dass für die Produkte Tiere sterben müssen. „Bei uns werden Tierwohl und Herkunft des Fleisches hoch angeschrieben. Wir haben mehrere Bauern, die uns beliefern und da fahren wir mit unseren Azubis hin, damit sie sehen, wie die Tiere gehalten werden“, so Leidl.

Der Metzgermeister weiß, dass jeder, der einen Handwerksberuf ergreift, für das weitere Berufsleben gut gerüstet ist. Nach der Ausbildung stünden dem Nachwuchs viele Möglichkeiten offen: man könne die Meisterprüfung anhängen, Fleischtechniker oder Fleischsommelier werden. „Metzger ist ein enorm abwechslungsreicher Beruf, es bedeutet körperliche Arbeit, man muss mit Menschen umgehen können und am Ende sieht man, was man geleistet hat“, erklärt Xaver Leidl.

Personal zu bekommen, sei nicht mehr so einfach wie früher, meint er. Daher seien von Seiten des Betriebs auch ein modernes Auftreten und Investitionen nötig. „Ein moderner Laden, ein tolles Betriebsklima spielen eine große Rolle, ebenso wie das Auftreten eines Betriebs nach außen und man muss auch am Ball bleiben“, findet Leidl. Die Juniorchefs Hannes und Xaver setzen dies um, wo es geht: sie pflegen ihren Auftritt im Social-Media-Bereich, bieten spannende Events wie Steak-Tastings an oder öffnen ihren Betrieb für Schulprojekte wie „Ernährungshandwerker erleben“. Auf der Höhe der Zeit zu sein, bedeutet dem Familienbetrieb viel, und Flexitarier sind für sie keine unnötige Modeerscheinung. „Ganz im Gegenteil, uns ist es wichtig, dass die Menschen weniger Fleisch essen, aber wenn es tun, das bewusst machen und auch auf eine hohe Qualität achten“, erklärt Xaver Leidl.

khr

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