Greding

Manfred Preischl bekommt vor allem Kritik zu hören

Tätigkeitsbilanz interessiert in Gredinger Bürgerversammlung offenbar nicht allzu viel

28.06.2022 | Stand 18.07.2022, 10:44 Uhr

Überschwemmungen bei Starkregen wie hier Anfang Mai gibt es in Greding immer wieder. Während der Bürgermeister davon ausgeht, dass nach Abschluss einiger Baumaßnahmen Besserung eintritt, gibt es in den Reihen der Gredinger starke Zweifel. Foto: Luff

Von Volker Luff

Greding – So kann es gehen, selbst in der heutigen Zeit: Da hatte der Gredinger Bürgermeister Manfred Preischl (FW) eine solch schöne Dreijahresbilanz der Arbeit in der Kommune für die Bürgerversammlung in der Kernstadt vorbereitet. Schließlich war die bis dato letzte Versammlung im Mai 2019 gewesen, als man von Corona noch nicht einmal etwas ahnte. Große Projekte zählte er auf, auf die man durchaus stolz sein kann: Das Haus der Kinder ist so gut wie fertig mit einer Investitionssumme von 6,3 Millionen Euro, der Kindergarten in Obermässing wurde deutlich erweitert, es gibt eine Vielzahl von Baugebieten im Gemeindegebiet, so dass sich junge Familien Eigenheim in der Heimat schaffen können. Im Außenbereich des Hallenbads entsteht ein neues Becken. Doch diese ganze schöne Bilanz nutzt wenig, wenn im etwa 30-köpfigen Publikum – Mitglieder des Stadtrats nicht berücksichtigt – exakt eine Frau sitzt und ansonsten fast nur Männer im Seniorenalter. Die mit dieser Bilanz eher wenig anfangen können.

Stattdessen gab es zumindest von Einzelnen Kritik, zum Teil auch von heftiger Art. So vom Unternehmer Dietrich Felke, der mit seinem Geschäft Natureland in Greding an der Industriestraße angesiedelt ist. Und bereits in regem Schriftverkehr mit der Kommune steht, da ihm parkende Lastwagen hier im Gewerbegebiet ein Dorn im Auge sind. Die Straßenbreite reiche nicht aus, sagte er, wenn ein anderer Lkw vorbeifahren müsse, weiche dieser auf den Gehweg aus. Autofahrer stünden hier regelmäßig, weil Lastwagen Schwierigkeiten hätten. „Ich habe mehr Kunden als Sie in ihrem Museum“, wetterte Felke. Zu allem Überfluss habe der Bürgermeister ihm geschrieben, dass parkende Lkw den Verkehr beruhigten, sie seien also von Vorteil. „Hier muss etwas geschehen“, forderte Felke unmissverständlich. Sagte aber im selben Atemzug, er erwarte jetzt gar keine Antwort von Manfred Preischl.

Dieser reagierte einigermaßen angesäuert und ging auch auf weitere Kritikpunkte Felkes nicht ein. Die waren zahlreich: In der Industriestraße fehle ein Oberflurhydrant. Eine Blühwiese neben der Martinskirche anzulegen sei komplett sinnfrei, da die nachtaktiven Insekten in den Scheinwerfern „brutzeln“. In Zeiten des Klimawandels sei ein neues Gewerbegebiet auf dem Kalvarienberg ein Wahnsinn, da Lastwagen beim Anstieg „Sprit ohne Ende verbraten“. Und Greding müsse sich dringend etwas überlegen, da in Thalmässing die Europabrücke im Zuge der Sanierung höher gelegt werde, wodurch sie ihre Funktion „als Staudamm“ verliere. Im Falle eines Hochwassers fließe es schneller in Richtung Greding ab und vergrößere hier die Probleme mit Überschwemmungen. Er fordere einen Klimaausschuss des Stadtrats, so Felke, der solle sich mit derartigen Fragen beschäftigen und sei in Zeiten der Klimakatastrophe ohnehin überfällig: „Es ist schon Fünf nach Zwölf.“

Bei Starkregen gibt es in Greding tatsächlich immer wieder Probleme, die Tallage führt dazu, dass Wasser von den Höhen in die Stadt fließt. Die Kommune arbeitet an Lösungen, vor dem Eichstätter Tor wurde ein Regenüberlaufbecken gebaut, in der Berchinger Straße der Kanal saniert. Und in der Attenhofener Straße soll ein neuer Kanal errichtet werden nur für das Oberflächenwasser, der den bisherigen Mischwasserkanal deutlich entlastet. Das Wasser werde dann direkt in die Schwarzach geleitet. Sogar kontrolliert, denn erst einmal können die Fluten im ehemaligen Hochbehälter gesammelt werden. Die Bauarbeiten hierfür sollen im nächsten Jahr erfolgen.

Die Probleme gehörten mit einiger Wahrscheinlichkeit der Vergangenheit an, sobald alle Bausteine des Konzepts stehen, so Preischl. Was Josef Geyer stark bezweifelte. Alleine der Absetzschacht vor dem Eichstätter Tor sei Pfusch, sagte er, für jeden ersichtlich. Zuletzt beim starken Gewitter Anfang Mai habe man sehen können, dass hier nichts funktioniere, offenbar hätten die beauftragten Ingenieure keine Ahnung. Preischl verwies nach einigem Hin und Her darauf, dass Geyer sich gerne konkret im Ingenieurbüro erkundigen könne, wenn ihm seine Erklärung nicht ausreiche; er könne den Kontakt herstellen.

Der Kauf der ehemaligen Metzgerei Herrler am Marktplatz war gleich mehreren Bürgern ein Dorn im Auge. In einem Teil des Gebäudes könnten Mitarbeiter der Verwaltung unterkommen, zudem soll laut Preischl ein größerer Sitzungssaal entstehen, damit es zu keinem großen Gedränge komme, wenn interessierte Bürger eine Stadtratssitzung besuchten. Ganz ausgegoren sei der Plan noch nicht, doch eine solche Gelegenheit habe die Stadt einfach ergreifen müssen.

Genau das bezweifelten mehrere Männer. Er könne sich noch an die Zeit erinnern, als lediglich ein Gebäude als Rathaus zur Verfügung gestanden hat, sagte einer, damals sei die Arbeit auch erledigt worden. Und jetzt komme sogar ein drittes Haus, die Stadtspitze könne sich ruhig ein wenig mehr bescheiden. Preischls Ausführungen, das Aufgabenspektrum sei gewaltig angestiegen, verfing bei einigen Zuhörern nicht.

Ebenso wenig wie bei Johann Grad, dem Vorsitzenden der Kolpingfamilie, die Argumente des Bürgermeisters, warum im katholischen Kindergarten St. Martin höhere Gebühren verlangt werden als in allen anderen Betreuungseinrichtungen in der Kommune. Das Gebäude gehört hier der Kirche, nicht der Stadt. Der Betreiber schlage die Unterhaltskosten auf die Betreuung auf. Grad forderte, dafür solle die Stadt aufkommen, damit alle Eltern gleich behandelt würden. Der Stadtrat allerdings habe sich gegen einen solchen Vorschlag ausgesprochen, so Preischl. Und zwar mit Recht, denn dann bezahle der Steuerzahler in Greding für eine Immobilie, die der Kommune nicht gehört. „Und dann sagen die Bürger: Was macht ihr mit unserem Geld?“

Selbst uneingeschränkt positive Dinge waren an diesem Abend mit ein wenig Ärger verbunden. Das Volksfest Ende Juli findet statt, verkündete Manfred Preischl, ebenso das Altstadtfest Ende August und der Trachtenmarkt eine Woche später. In sozialen Medien streuten dagegen Leute, die offenbar keine Ahnung hätten, Gerüchte, dass derlei Veranstaltungen abgesagt seien. Natürlich könne man in heutiger Zeit mit einer unberechenbaren Pandemie und einem unberechenbaren russischen Präsidenten nie hundertprozentig sicher sein, dass kurzfristig noch etwas geschehe. Aber bislang sieht es eben sehr gut für die Gredinger Feste aus.

HK

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