Geisenfeld

Schreckliche Details und Kritik am Kanzler

Zu CSU-Veranstaltung mit dem Sicherheitsexperten Roderich Kiesewetter kommen an die 80 Besucher

28.06.2022 | Stand 28.06.2022, 14:05 Uhr

An Corona erkrankt, war der Sicherheitsexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Roderich Kiesewetter, bei der Veranstaltung der Geisenfelder CSU per Livestream zugeschaltet. Foto: Kohlhuber

Von Gerhard Kohlhuber

Geisenfeld – Sorge und Betroffenheit. Beides war am Montagabend aus den Gesichtern der Besucher im Geisenfelder Hof herauszulesen, als Roderich Kiesewetter seinen Vortrag zu Putins Angriffskrieg und zur allgemeinen Sicherheitslage beendet hatte. Betroffen machten dabei insbesondere die schrecklichen Detailschilderungen des Unionspolitikers – etwa zu mobilen Krematorien, die die russische Armee laut Kiesewetter bei ihrem Vernichtungsfeldzug mitführt.

Der „sicherheits- und verteidigungspolitische Dialog“ mit dem mittlerweile durch Talkshow-Auftritte sehr bekannt gewordenen Oberst a. D. war auf Initiative des CSU-Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer zustande gekommen, der am Montagabend selbst anwesend war. Im Gegenteil zum Hauptredner selbst. Kiesewetter musste zu seinem „sehr großen Bedauern“, wie er betonte, sein Kommen wegen einer Corona-Infektion kurzfristig absagen. Er war aber per Live-Stream zugeschaltet, was nach kurzen technischen Anlaufschwierigkeiten dann auch recht gut klappte.

Wie sehr das Thema den Menschen auf den Nägeln brennt, zeigte die große Resonanz. An die 80 Interessenten füllten die Gaststube sehr gut, weitere rund 40 Interessenten verfolgen die live ins Netz gestellte und von Andreas Aichele moderierte Veranstaltung von Zuhause aus. Unter den Gästen begrüßte der CSU-Ortsvorsitzende Michael Pilawa auch den Landtagsabgeordneten Karl Straub, der in einem Grußwort seine Sorge „gerade um unseren Mittelstand“ hervorhob. Auch Erich Irlstorfer ergriff kurz das Wort und verwies auf die in der Region ansässigen Firmen im militärischen Bereich. Die augenblickliche Lage zeige, „welch wertvollen Beitrag diese zu unserer Sicherheit leisten“. Dann war es an dem 58-jährigen Sicherheitsexperten der Unionsfraktion im Bundestag, seine Sicht der Dinge darzustellen.

Kiesewetter spannte dabei einen weiten Bogen vom Zerfall des Sowjetunion und „den ersten Warnzeichen 2004/2005, die man nicht wahrhaben wollte“, bis zur seiner Einschätzung zur aktuellen Phase des Kriegs und zu Putins weiteren Absichten. Dieser ziele auf die totale Auslöschung des ukrainischen Staates ab, und nur wenn ihm dies nicht gelinge, verhindere man ein weiteres Übergreifen auf Moldau und die baltischen Staaten. Mit seinem derzeitigen „fürchterlichen Abnutzungskrieg“ und der wahllosen Zerstörung ziviler Ziele wolle Putin das ukrainische Militär und die Bevölkerung zermürben, so Kiesewetter.

Verhindern lasse sich Putins Sieg nur durch die Lieferung leistungsstarker Flugabwehrsysteme und schwerer Waffen an die Ukraine. In diesem Kontext warf der Unionspolitiker insbesondere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor, gemachte Zusagen nicht einzuhalten. „Ich fürchte, bis die versprochenen schweren Waffen aus Deutschland eintreffen, wird es zu spät sein“, wiederholte Kiesewetter seine aus Talkshow-Auftritten bekannte Kritik.

Betrückende Stille herrschte in der Gaststube, als Kiesewetter über Details zur Brutalität der russischen Kriegsführung sprach. So wisse man, dass Putins Armee bei ihrem Feldzug mobile Krematorien mitführe – „aber nicht etwa, um die eigenen gefallenen Soldaten feuerzubestatten. Man nutzt sie, um die Spuren der Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung zu beseitigen“. Fassungslosigkeit im Saal auch, als Kiesewetter davon sprach, dass an Leichen Sprengkörper angebracht werden, um diese bei der Bergung explodieren zu lassen.

Nach dem Vortrag machten die Besucher rege von der Gelegenheit Gebrauch, an den Politiker Fragen zu stellen. Dabei ging es etwa um interne Strukturen der Bundeswehr, die Wiedereinführung der Wehrpflicht, die mutmaßliche Reaktion Putins auf einen Nato-Beitritt Finnlands oder um die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges – für den Kiesewetter im übrigen „so gut wie keine Gefahr“ sieht. „Weil die gegenseitige Abschreckung funktioniert.“

GZ

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