Letztes AKW in Bayern

Aiwanger: Isar2-Gutachten widerlegt Argumente gegen Laufzeitverlängerung

24.06.2022 | Stand 25.06.2022, 9:47 Uhr

Der Staatsminister forderte die Bundesregierung auf, „ihre Realitätsverweigerung aufzugeben und die sichere und bezahlbare Energieversorgung von Bürgern und Wirtschaft vor ideologische Denkverbote zu stellen“. −Archivbild: dpa

Von Alexander Kain

Angesichts der drohenden Gasknappheit macht sich Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) für den Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Isar2 in Niederbayern über den für Ende 2022 geplanten deutschen Atomausstieg hinaus stark.



Ein neues Gutachten, aus dem die Süddeutsche Zeitung zitiert, besagt nun: Das letzte AKW in Bayern könnte länger laufen. Laut einem Gutachten des TÜV Süd bestünden aus sicherheitstechnischer Sicht „keine Bedenken“, es länger am Netz zu lassen. Der Staatsminister forderte die Bundesregierung gegenüber der Heimatzeitung daher auf, „ihre Realitätsverweigerung aufzugeben und die sichere und bezahlbare Energieversorgung von Bürgern und Wirtschaft vor ideologische Denkverbote zu stellen“.

Konkret könne laut den Berechnungen des TÜV im AKW Isar 2 bis August 2023 über 5000 Gigawattstunden Strom produzieren. Dazu brauche das Kraftmerk noch nicht einmal neue Uran-Brennstäbe, heißt es in der TÜV-Analyse. Die Anlage könne zunächst auf eine „Reaktivitätsreserve“ zurückgreifen und anschließend die alten Brennelemente zu einem Reaktorkern zusammensetzen. „Die jetzigen Brennstäbe reichen laut Gutachten noch mehr als ein halbes Jahr im Jahr 2023, und der Strombedarf ist da“, erklärte Aiwanger (Freie Wähler) der Zeitung.

Bundesregierung habe die Lage falsch eingeschätzt

Nach seinen Worten sind „mit dem Gutachten alle Argumente gegen die Laufzeitverlängerung über 31.12.2022 hinaus widerlegt“. Bayerns Wirtschaftsminister führt auf. „1. Strom kann sehr wohl Gas ersetzen, beispielsweise beim Heizen von Wohnungen. 2. Strom aus AKW kann Strom aus Gaskraft ersetzen und damit Gas sparen für andere wichtige Zwecke. 3. Die alten Brennstäbe haben noch zusätzliches Potential. 4. Es könnten sogar neue Brennstäbe rechtzeitig organisiert werden, wenn der Bund will.“ Aiwanger empörte sich, dass „all das von der Bundesregierung wider besseren Wissens bestritten wird“. Der Freie-Wähler-Chef will wissen, „wer dafür die Verantwortung übernimmt, wenn es zu vermeidbaren Energieausfällen, kalten Wohnungen und abgeschalteten Betrieben kommt“. Bereits die letzten drei Monate habe die Bundesregierung die Lage falsch eingeschätzt.

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