Eichstätt

Bühnenstück über Gemeinschaftssinn

Jugendkantorei führt Ende Juni Kinderoper „Brundibar“ auf – GG-Theatergruppe mit Stück zu Theresienstadt

18.06.2022 | Stand 17.06.2022, 21:21 Uhr

Proben in den Pfingstferien: Der Berliner Regisseur Michael Hoffmann arbeitet mit den Sängerinnen und Sängern der Jugendkantorei an der Kinderoper „Brundibar“: Am 29. und 30. Juni wird das Stück in der Aula des Gabrieli-Gymnasiums aufgeführt. Foto: Poese

Von Katrin Poese

Eichstätt – Es ist ein ernstes Thema, dazu aber heitere Musik, es ist ein Bühnenstück für Kinder und Erwachsene und eine spannende Kooperation für das Eichstätter Kulturleben: Die Jugendkantorei der Dommusik und das Gabrieli-Gymnasium widmen sich in zwei Aufführungen am Mittwoch und Donnerstag, 29. und 30. Juni, der Kinderoper „Brundibar“. Obwohl sie eigentlich inhaltlich nicht von der Zeit des Nationalsozialismus handelt, ist sie doch damit verknüpft: Denn der tschechische Komponist Hans Krasa hat sein Werk viele Male im Konzentrationslager Theresienstadt aufgeführt. Für die im KZ internierten Kinderdarstellerinnen und -darsteller war die Oper ein Hoffnungsschimmer in schweren Zeiten – so wurde das Stück später berühmt. Die beiden Aufführungen in der Aula des Eichstätter Gabrieli-Gymnasiums sind ein Beitrag zum bis 2022 verlängerten Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Wenn man nicht wüsste, welchen ernsten Hintergrund die Kinderoper hat, würde man davon nichts vermuten: Wer bei den Proben der Jugendkantorei während der Pfingstferien hereinlauschen darf, hört heitere Melodien mit deutschen Texten und sieht starke, zum Teil witzige Figuren auf der improvisierten Bühne im großen Probensaal der Dommusik. Domkapellmeister Manfred Faig möchte seinen Jugendchor, der für seine hervorragenden Stimmen bekannt ist, mit der rund 40-minütigen Oper einmal auf andere Weise fördern: „Ich möchte immer mal wieder etwas machen, das diesen jungen Menschen neue Impulse gibt“, erklärt er.

Und das funktioniert: Eine Solistin gibt mit tragender Stimme den herrischen Polizisten, die Sängerinnen und Sänger tanzen im Reigen und setzen mit Eifer die Anregungen des Regisseurs um. „Ich will richtige Honigkuchen-Gesichter sehen“, ruft Michael Hoffmann und zeigt, wie die Hauptperson der Szene ihrem Spiel noch mehr Ausdruck geben kann. Die aktuell 16 Jugendlichen des Chores sind eifrig dabei. Normalerweise singen sie anspruchsvolle Chorwerke im Stehen, diesmal müssen sie sich bewegen, schauspielern, Solo-Rollen singen und schnell zwischen den Szenen umschalten. Damit das klappt, hat der Domkapellmeister Michael Hoffmann aus Berlin als Regisseur für die szenische Arbeit dazugeholt. Der freischaffende Sänger und Regisseur coacht regelmäßig Sängerinnen und Sänger bei ihrer schauspielerischen Leistung. Jetzt arbeitet er mit der Eichstätter Jugendkantorei und ist sehr zufrieden mit seinem Ensemble. „Das Stück ist wie eine Revue mit vielen Wechseln, Brüchen und Umschaltpunkten, das ist darstellerisch das Spannende“, erklärt er.

Nun hat auf der Probenbühne der brummige Brundibar, der Widersacher der Kinder-Hauptfiguren, seinen Auftritt: Er versucht, die armen Waisenkinder vom Marktplatz zu verjagen. Aber unter den Kindern formiert sich Widerstand. „Das Stück besingt den Gemeinschaftssinn: Die Kinder singen um ihr Leben gegen den Grantler Brundibar“, erklärt Michael Hoffmann. Genau diese Botschaft war es offenbar auch, die allen Mitwirkenden im KZ Theresienstadt geholfen hat, den schrecklichen Lebensumständen etwas Hoffnung entgegenzusetzen. In den 80er-Jahren sei das Stück durch entsprechende Berichte von Überlebenden bekannt geworden, erklärt der Regisseur.

Um den geschichtlichen Hintergrund kümmert sich an den beiden Aufführungsterminen der Kooperationspartner der Dommusik: Das Mittelstufentheater des Gabrieli-Gymnasiums beleuchtet in der Text-Collage „Theresienstadt  – Terezín (ein Annäherungsversuch)“ die Lebensumstände in dem KZ, das auch als Vorzeige-Getto und Propaganda-Inhalt der Nationalsozialisten diente. Als Grundlage für die szenische Lesung dienen Texte aus den biographischen Erinnerungen der Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger, die in Theresienstadt interniert war. Sie beschäftigen sich mit der harten Realität im KZ mit ihren unsäglichen hygienischen Zuständen und dem, was Ruth Klüger von Gelehrten im KZ über Literatur und Wissenschaft beigebracht bekam. „Diese beiden Welten zusammenzubringen und zu zeigen, man kann in solchen Zeiten leben, aber es ist doch nur ein Überleben“, so beschreibt der Leiter des Mittelstufentheaters, Bernhard Obermeier, die Botschaft der Collage. Sie wird an den beiden Abenden jeweils zuerst aufgeführt, danach folgt die 40-minütige Kinderoper „Brundibar“.

Domkapellmeister Manfred Faig freut sich über die Kooperation mit dem Gabrieli-Gymnasium – neben den liturgischen Aufgaben seiner Ensembles und den Kirchenkonzerten ist es ihm wichtig, auch solche Projekte außer der Reihe auf die Beine zu stellen. Wenn junge Leute sich bei der Kinderoper zum Chorsingen inspirieren lassen wollen, ist ihm das recht: Der Chor ist immer offen für neue Sängerinnen und Sänger.

Beide Aufführungen am Mittwoch und Donnerstag, 29. und 30. Juni, beginnen um 19.30 Uhr in der Aula des Gabrieli-Gymnasiums. Der Eintritt ist frei.

EK

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