Kantersieg für ERC Ingolstadt

Starke Panther gewinnen gegen dezimierte Ice Tigers

23.01.2022 | Stand 23.03.2022, 3:35 Uhr
ERC-Verteidiger Ben Marshall. −Foto: Traub

Ingolstadt - Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der ERC Ingolstadt hat mit einem 10:1 (3:0, 2:0, 5:1)-Kantersieg gegen nur 14 müde Feldspieler der Nürnberg Ice Tigers sein Sechs-Punkte-Wochenende komplettiert und zugleich einen Konkurrenten um die direkte Play-off-Qualifikation in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf Distanz gehalten. Dass die nicht ganz so arg gebeutelten, aber ebenfalls ersatzgeschwächten Panther bis zum Ende nicht lockerließen, brachte Nürnbergs Coach Tom Rowe auf die Palme.

Im vierten Heimspiel in Folge gegen die Franken  traten die Ingolstädter in ihren Neon-Trikots an – und nach 8:0, 7:0 und 7:2 gelang ihnen am Sonntag zum vierten Mal ein Schützenfest, diesmal sogar mit zweistelligem Ergebnis. Das dürfte allerdings weniger an den signalfarbenen Jerseys als am  enorm Corona- und  verletzungsgeplagten Gegner gelegen haben.

Die Nürnberger hatten nur vier gelernte Abwehrspieler  zur Verfügung, dann verletzte sich beim Aufwärmen auch noch Kapitän Patrick Reimer. Rowe beorderte  den eigentlich als Aushilfsverteidiger vorgesehenen Gregor MacLeod  in den Angriff, um wenigstens drei komplette Sturmreihen aufbieten zu können.

Am Freitag hatten die Nürnberger mit ähnlichem Aufgebot dank  einer Energieleistung  3:2 gegen die Grizzlys Wolfsburg gewonnen – am Sonntag in der Saturn-Arena waren sie kraft-  und absolut chancenlos.  „Sie haben sehr gut, sehr körperbetont  angefangen. Unsere 3:0-Führung nach dem ersten Drittel war vielleicht etwas schmeichelhaft“, sagte ERC-Trainer Doug Shedden. „Doch am Ende haben sie ihrem kleinen Kader Tribut zollen müssen.“

Die ersten zehn Minuten konnten die Ice Tigers tatsächlich  einigermaßen ausgeglichen gestalten, doch den ersten Treffer  hatte  der  ERC, der im Vergleich zum 6:1 bei den Krefeld Pinguinen am Freitag mit unveränderter Aufstellung angetreten war,  zu diesem Zeitpunkt  bereits erzielt: Louis Brune schaufelte die Scheibe vors Tor, wo Samuel Soramies sie geschickt per Direktabnahme am fränkischen Torhüter Niklas Treutle vorbei zum 1:0 ins Netz beförderte (4.).

Von Minute zu Minute rissen die spielfreudigen Ingolstädter die Partie immer mehr an sich – und schlugen dann innerhalb von  54 Sekunden zweimal zu. Beim  2:0 versenkte Ben Marshall einen Abpraller (14.), beim 3:0 war es David Warsofsky (15.). Um ein Haar wäre  sogar ein dritter Verteidiger erfolgreich gewesen, doch  Simon Gnyp traf statt zu seinem ersten Tor  im ERC-Trikot nur den Pfosten (15.).

Das Mitteldrittel plätscherte lange Zeit ereignisarm dahin – die Panther wollten, die Ice Tigers konnten nicht mehr zeigen. Trotzdem reichte es für weitere Ingolstädter Treffer: Brandon DeFazio, am Freitag mit einem Hattrick erfolgreich, fälschte im Powerplay einen Justin-Feser-Schuss zum 4:0 ab (31.). Frederik Storm erhöhte mit einer schönen Einzelleistung auf 5:0 (40.). Louis-Marc Aubry düpierte  den bemitleidenswerten Treutle im kurzen Eck zum 6:0 (42.).

Im Schlussdrittel blieb der angeschlagene Jerome Flaake in der Kabine, in Überzahl gelang Nicholas Welsh der Nürnberger Ehrentreffer (45.). Doch Feser (47.), Warsofsky (49.), Mirko Höfflin (57.) und Storm (58.) hatten noch nicht genug vom Toreschießen und erzielten  gegen zunehmend frustrierte, mitunter unfair spielende  und in Auflösung begriffene  Eistiger die ERC-Treffer sieben bis zehn.

Was Rowe  nicht in Ordnung fand: Nürnbergs Coach warf Shedden unmittelbar vor der Pressekonferenz vor, bis zum Schluss mit den Top-(Überzahl-)Formationen gespielt und seine taumelnde Mannschaft vorgeführt zu haben. Nach seinem Statement („Aber das wirft uns nicht zurück“) verließ er das Podium vorzeitig.

Doppeltorschütze Warsofsky widersprach: „Es war gut, dass wir bis zum Ende durchgezogen haben. Wir haben auch einige Ausfälle. Natürlich sind  solche Spiele  nicht ideal, aber wir sind alle Profis, das ist unser Job. Ich kann da nichts Anstößiges dran finden.“ Vor der Olympia-Pause stehen für die Panther noch zwei Heimspiele an: Am Freitag (19.30 Uhr) kommt  Krefeld, am Sonntag (14 Uhr)  Bietigheim.

Statistik

ERC Ingolstadt: Taylor - Wagner, Marshall; Quaas, Warsofsky; Gnyp, Hüttl - DeFazio, Feser, Storm; Flaake, Höfflin, Simpson; Koch, Aubry, Stachowiak; Soramies, Brune.

Nürnberg Ice Tigers: Treutle - Weber, Welsh; Mebus, Fleischer; Pilu - Fox, Stoa, Friedrich; Schmölz, Sheehy, MacLeod; Ribarik, Ustorf, Kislinger.

Schiedsrichter: Reneau/Steingroß.

Tore: 1:0 Soramies (4.), 2:0 Marshall (14.), 3:0 Warsofsky (15.), 4:0 DeFazio (31./PP1), 5:0 Storm (40.), 6:0 Aubry (42.), 6:1 Welsh (45./PP1), 7:1 Feser (47.), 8:1 Warsofsky (49.), 9:1 Höfflin (57./PP1), 10:1 Storm (58.).

Strafminuten: 10/12.

Alexander Petri

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