Pfaffenhofen

20-Jährige aus Kiew geflohen - Jetzt engagiert sie sich für ihre Landsleute

Eigentlich wollte sie kämpfen, jetzt sortiert Sofia Kusmenko Hilfsgüter bei der Pfaffenhofener Kleiderkammer

13.03.2022 | Stand 17.03.2022, 3:34 Uhr
Eigentlich arbeitet und studiert Sofia Kuzmenko in Kiew. Aufgrund des Kriegs musste sie jedoch fliehen und hilft nun mit, Sachspenden für die Ukraine aufzubereiten. −Foto: Gigler

Pfaffenhofen - Der Parkplatz vor der Pfaffenhofener Kunsthalle ist voll. Zwischen den Autos: ein Gewusel an Menschen, die sich mit vollgepackten Taschen und Kisten auf den Weg in die frühere Fabrik für Spezialzahnräder machen. Grund dafür ist jedoch keine Ausstellung oder Lesung. Aus den vollen Taschen ragen auch keine Kunstwerke. Ganz im Gegenteil. Es sind Windeln, Decken, Matratzen, Nudeln und vieles mehr. Der Grund dafür: Wegen des Krieges in der Ukraine sammelt dort die Pfaffenhofener Kleiderkammer Hilfsmittel für die Millionen geflüchteten Ukrainer (PK berichtete).

Helfende Hände sind in der Kunsthalle immer erwünscht

In der Halle wird an allen Ecken sortiert und gesammelt. Ganz hinten bei der Kinderkleidung ist Sofia Kuzmenko gerade dabei, alles nach Geschlecht und Größe zu sortieren. Dass sie hier in Pfaffenhofen ist, habe sie eigentlich nicht vorgehabt, erzählt die 20-Jährige. "Ich komme aus Kiew und arbeite dort als Programmiererin." Über einen Freund sei sie dann nach Pfaffenhofen gekommen. "Ich will aber so schnell wie möglich wieder nach Hause, mein ganzes Leben ist in Kiew", berichtet sie in perfektem Englisch. "Eigentlich wollte ich kämpfen. Aber es gab nicht mehr genug Waffen für Freiwillige in der Ukraine", sagt sie weiter. Deswegen sei sie nun auch hier, um die anderen geflüchteten Ukrainer so gut es geht zu unterstützen. Kuzmenko ist eine von zwölf Helfern in dieser Schicht. "Wir haben immer zwischen zehn und 15 Helfer", informiert Organisator Markus Käser. Aber auch weitere helfende Hände seien sehr willkommen: "Manche kommen einfach her und fragen, ob sie helfen können. Es ist aber auch möglich, sich online in unsere Helferliste einzutragen."

Bedarfsliste wirdständig aktualisiert

Obwohl die Aktion nur bis 18. März geplant ist, möchte Käser sicherstellen, dass auch über diesen Zeitraum hinaus Unterstützer bereitstehen. "Ich kann nicht sagen, ob wir das ganze am 18. März wirklich beenden. Wenn es weitergeht, tritt vielleicht bei einigen die Ermüdung ein. Es wird noch ein Marathon." Zurück an seinem Schreibtisch stellt sich bei ihm auch schon Stephanie Brehm als neue Helferin vor. Sogleich wird sie zu Kuzmenko in die Kinderkleiderabteilung geschickt und hilft beim Sortieren. "Ich habe mich über die Helferliste angemeldet und dann einen Anruf bekommen, ob ich kommen kann", erzählt sie. "Ich möchte helfen und durch meine zwei Kinder habe ich einen anderen Bezug zu den ganzen Geschehnissen", erklärt sie.

Währenddessen trudeln immer mehr Menschen ein und geben ihre Sachspenden ab. Auf Bierzeltgarnituren werden die Sachspenden begutachtet. Grüne Zettel an den Tischen informieren die Leute darüber, dass gerade keine Erwachsenenkleidung mehr angenommen wird. Davon habe man im Moment genug, erklärt Käser. An seinem Computer aktualisiert er deswegen die Bedarfsliste. Auf sie könne jeder zugreifen und sehen, was gerade gebraucht wird: "Momentan brauchen wir vor allem Kinderbekleidung, Babyhygieneartikel, Babynahrung und lang haltbare Lebensmittel", informiert er. Aber auch Geldspenden seien eine große Hilfe, so Käser weiter. Er zeigt auf eine große Spendendose, die in den Farben der ukrainischen Flagge beklebt ist. Bettina Reisner vom Verein Lebendige Innenstadt erklärt, dass die Dosen in vielen Geschäften in der Innenstadt zu finden sind. "Dadurch sind schon einige tausend Euro gesammelt worden", meint Käser. Mit dem Geld können gezielt die Produkte gekauft werden, die benötigt werden.

Eine ukrainisch sprechende Frau sieht sich die gestapelte Kleidung an. Eine grüne Kinderjacke hat es ihr besonders angetan. Sie selbst habe nur noch eine Hose und brauche auch Kleidung für ihre Kinder, erklärt sie einer Helferin. Sie ist eine von vielen Ukrainern, die in Pfaffenhofen Schutz gefunden haben. Dass sie direkt in der Kunsthalle nach dem Nötigsten sucht, ist laut Käser keine Seltenheit. "Es kommt oft vor, dass Geflüchtete hierherkommen und sich gleich etwas mitnehmen." In der Mitte der großen Halle liegen schon einige fertig verpackte Kartons. Auch diese gehen direkt an die Ukrainer vor Ort: "Das sind gepackte Hygienekisten für Ukrainer, die hier in einem Hotel untergekommen sind", so Käser.

PKHilfsmittel für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine können an Werktagen von 17 bis 20 Uhr sowie jeden Samstag und Sonntag von 13 bis 18 in der Kunsthalle des Neuen Pfaffenhofener Kunstvereins am Ambergerweg in Pfaffenhofen abgegeben werden. Die Aktion ist vorerst bis Freitag, 18. März, geplant. Benötigt werden unter anderem Baby- und Kinderartikel sowie Lebensmittel mit langer Haltbarkeit. Die Bedarfsliste der Ukrainehilfe Pfaffenhofen ist online einsehbar. Geldspenden sind auf das Konto der Kleiderkammer bei der Sparkasse Pfaffenhofen möglich: Iban DE80 7215 1650 0009 2812 62, Verwendungszweck: "Ukrainehilfe Pfaffenhofen". gni

Nicole Gigler

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