Aschbuch

Grenzenlos frei oder unter Glas?

Die Aschbucher Künstlerin Elke Schwartz gestaltet vom 20. bis 22. Mai eine Ausstellung in Nürnberg

05.05.2022 | Stand 05.05.2022, 18:00 Uhr

Die Gefühle der Corona-Zeit künstlerisch aufbereiten, das ist Elke Schwartz eindrucksvoll gelungen. Zwei Serien, die während der Pandemie entstanden sind, zeigt die Aschbucher Künstlerin vom 20. bis 22. Mai in Nürnberg. Der Titel lautet dabei: „Luft. Unter Glas.“ Foto: Adam

Von Regine Adam

Aschbuch/Nürnberg – Elke Schwartz aus Aschbuch kann nicht nur eindrückliche Bilder mit dem Pinsel auf Leinwände malen, sondern auch mit Worten direkt in die Köpfe ihrer Zuhörer. Das beweist die Aschbucher Künstlerin mit ihrer Erklärung, warum für sie ihre neue Ausstellung vom 20. bis 22. Mai in einer kleinen Galerie in Nürnberg so wichtig ist: „Während Corona habe ich die Bilder meiner Serie Luft gemalt und viele davon direkt verkauft. Das war wichtig und gut in Zeiten des Stillstands, aber es fühlte sich trotzdem irgendwie unfertig und fast etwas traurig für mich an. Normalerweise verkaufe ich Bilder erst dann, wenn ich sie bei einer Ausstellung vorgestellt habe. Das ist dann für mich immer wie eine fröhliche Abschiedsparty für meine Werke, die ich damit in die Welt entlassen kann“, erklärt sie.

Diese Abschiedsparty fehlte dieses Mal. Und weil zwar kein Vorgehen in Stein gemeißelt ist, Traditionen aber doch irgendwie wichtig sind, hat sie sich ans Werk gemacht, weitere „Luft-Bilder“ geschaffen und auch ihre zweite Corona-Zeit-Serie „Unter-Glas“ um einige außergewöhnliche Motive ergänzt. Beides zeigt Elke Schwartz nun bei einer kleinen, aber feinen Ausstellung vom 20. bis 22. Mai in der Nürnberger Galerie Lukasch, Bucher Straße 93. Die „Abschiedsparty“ kann also steigen – und steht unter dem Titel „Luft. Unter Glas.“ Vernissage für geladene Gäste ist am Freitag um 18 Uhr, Finissage am Sonntag ab 16 Uhr. Werkgespräche mit der Künstlerin finden zudem statt am Samstag um 10 Uhr, 13 Uhr und 16 Uhr sowie am Sonntag um 10 Uhr und 13 Uhr.

Besucher dürfen gespannt sein auf zwei Werk-Richtungen, die beide Corona-geprägt sind und doch so gegensätzlich, dass sie im ersten Moment nur schwer vereinbar scheinen. Die „Luft“-Bilder erzählen von unendlicher Weite. Mit weichen Pinselstrichen, ohne harte Linien als Beschränkung oder Trennung, zeigen sie fließende Übergänge und vermitteln ein Gefühl von Stille, von Freiheit und Grenzenlosigkeit. „Beim Betrachten bekomme ich Luft“, erklärt Schwartz. „Während der Corona-Einschränkungen war ich viel in der Natur, habe Spaziergänge gemacht, mich frei und nie eingeschränkt durch die Maßnahmen gefühlt. Den Stillstand hab ich ein Stück weit gut annehmen können und diese Freiheit tatsächlich gefühlt – wie hoffentlich auf den Bilder spürbar“, erklärt sie ihre „Luft“-Gedanken.

Dazu völlig konträr scheinen die „Unter Glas“-Werke. Im Mittelpunkt steht immer eine Glasglocke, frei auf einer schwarzen Leinwand im Raum schwebend. Unter der Glocke sind Menschen – einzeln oder zu zweit, auch diese scheinbar schwebend, ohne feste Bodenberührung, ohne den Betrachter jemals direkt anzuschauen, „gefangen in ihrer eigenen Welt“. Mal „fliegt“ ein Radfahrer unter der Glocke, mal ist ein Spaziergänger von hinten abgebildet, mal sind zwei Personen im Gespräch, nur sich zugewandt, zu sehen. Die Motive sind Szenen ihrer Töchter, verrät Elke Schwartz.

Schon zur Weihnachtszeit hat die Aschbucherin für einen Pop-Up-Store im Haus des Gastes und im Kaiserbeck solche Glasglocken-Werke entstehen lassen, damals mit so ungewöhnlichen Inhalten wie einer Wolke unter der Glasglocke oder gar einem Goldfisch. „Ich kann es nicht mehr nachvollziehen, wie ich auf diese Gedanken gekommen bin, gegenständlich und doch sehr surreal“, sagt Schwartz. Bei den neuen Glasglocken jetzt gibt es zwei Bilder mit den Köpfen ihrer Mädels, die sie selbst fast etwas gruselig empfindet. Frei schwebend im Raum, die Augen geschlossen, Blumen verziert. Aber auch hier, sagt sie, ist der Boden der Glasglocke offen. „Niemand ist eingesperrt, sondern kann jederzeit herauskommen aus diesem geschützten Bereich“. Und so schließt sich der Kreis für die Ausstellung zwischen „Luft“ und „Unter Glas“ – denn obwohl die Glasglocken-Bilder im ersten Moment eher nach Einsamkeit und Enge aussehen, überwiege auch hier nicht der Gedanke von eingesperrt sein, „sondern von Schutz und Sicherheit vor äußeren Einflüssen“.

Besucher sind an den Ausstellungstagen und zu den Werkgesprächen gerne willkommen. Wegen der eher kleinen Galerie wäre eine vorherige Anmeldung per E-Mail an die Adresse elke@schwartzinfarbe.de bis 15. Mai erwünscht.

DK

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