Gaslicht leuchtete Eichstättern heim

10.11.2006 | Stand 03.12.2020, 7:21 Uhr

Eichstätt (EK) In der Stadt Eichstätt sind 1718 Straßenlaternen montiert, von denen 570 zwischen 23 und 4.30 Uhr abgeschaltet werden. In den früheren Jahrhunderten wurden Öl und Gas zur Beleuchtung der Gassen und Plätze verwendet.

Am 7. Dezember 1863 lieferte das neu erbaute Werk an der Ingolstädter Straße beim Cobenzlschlösschen zum ersten Mal Gas. Die Gasfabrik war nach Riedinger-Plänen aus Augsburg gebaut worden und stellte aus Steinkohlen Gas her. Als Rückstand fiel Koks an, der verkauft wurde. Das Gaswerk belieferte die Haushalte mit Energie, ebenso die Straßenlaternen. Der Eichstätter Magistrat hatte am 15. Mai 1863 beschlossen, die bisher mit fein raffiniertem Lampenöl versorgten Laternen künftig mit Gas zu betreiben. Fleißig wurde in der Stadt gegraben und wurden Gasleitungen in den Boden verlegt.

Gaswerk bis 1964

Im Jahr 1962 hatte das Gasrohrnetz eine Länge von 23 Kilometer. Es bestanden 2050 Hausanschlüsse. Täglich wurden durchschnittlich 2910 Kubikmeter so genanntes Stadtgas verbraucht. Geschlossen wurde das Gaswerk 1964, es war zum Schluss von den Stadtwerken betrieben worden.

Bei der Einführung des Gases in der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auch Leute, die sich davor fürchteten. Vor allem die erhöhte Feuergefahr machte ihnen Angst. Dennoch wurde mit der privat geleiteten Gasfabrik schon 1862 ein Vertrag geschlossen, wonach für 112 Straßenlaternen Brennstoff geliefert werden sollte. Je Stunde Brennzeit wurden 1 1/6 Kreuzer verrechnet.

Eine Reihe Laternenpfähle für dreiflammige Gaslampen wurde im königlichen Hüttenwerk Obereichstätt gegossen. Wie das Bild zeigt, waren sie reich verziert und hinterließen etwa auf dem Domplatz einen höchst romantischen Eindruck.

Das Gaswerk florierte, und schon 1867 und erneut 1881 mussten weitere Kessel angeschafft werden. 1891 befasste sich der Magistrat mit einem Angebot der Firma Schuckert und Co., in dem es um die elektrische Straßenbeleuchtung ging. Ein Beschluss konnte nicht gefasst werden, weil der Vertrag mit den Augsburgern noch lief. Diese merkten woher der Wind wehte, und senkten den Gaspreis.

Am 15. Dezember 1913 berichtete Bürgermeister Eduard Mager, dass die Verhandlungen mit dem Überlandwerk zur Elektrifizierung der Stadt schon zwei Jahre andauern. Der Strom ließ noch lang auf sich warten. Erst im September 1920 hatten die Gaslaternen ausgedient und elektrisches Licht leuchtete den Menschen heim. Sicher nicht ernst zu nehmende Argumente gegen die Straßenbeleuchtung allgemein druckte das "Eichstätter Intelligenz-Blatt" im Juni 1819. Dabei wurden sieben Gründe "gegen die Erhellung der Nacht" angeführt.

Gegen "Erhellung"

Den Anfang machte die Theologie: Die Straßenbeleuchtung ist ein Eingriff gegen die Ordnung Gottes. Danach ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt, die zu gewissen Zeiten vom Mondlicht unterbrochen wird. Juristische Gründe: Die Kosten müssen durch eine Steuer aufgebracht werden; und warum soll dieser oder jener für die Beleuchtung zahlen, die ihm keinen Nutzen bringt?

Medizinische Gründe: Die Öl- und Gasausdünstung wirkt nachteilig auf die Gesundheit schwachleibiger oder zartnerviger Personen. Philosophisch-moralische Gründe: Die Sittlichkeit wird durch die Gassen-Beleuchtung verschlimmert. Die Helligkeit macht den Trinker sicher, dass er in den Trinkstuben bis in die Nacht hinein schwelgt, und sie verkuppelt verliebte Paare. Polizeiliche Gründe: Die Beleuchtung macht die Pferde scheu und die Diebe kühn.

Staatswirtschaftliche Gründe: Für Öl und Steinkohle geht jährlich eine bedeutende Summe in das Ausland, wodurch der Nationalreichtum geschwächt wird. Volkstümliche Gründe: Öffentliche Feste haben den Zweck, das Nationalgefühl zu erwecken. Dieser Eindruck wird geschwächt, wenn allnächtlich eine Quasi-Illumination vorherrscht.

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