Ingolstadt

Sternstunde des Stammelns

23.02.2010 | Stand 03.12.2020, 4:14 Uhr

Doubelte gleich drei bayerische Ministerpräsidenten: Wolfgang Krebs trat in der Neuen Welt auf. - Foto: Herbert

Ingolstadt (DK) Wenn "Problem-Bären" auftauchen, eine Blume im Beet "hingerichtet" wird und der Flughafen dank "Transrapid" näher an München rückt, dann hört man doch Stoiber sprechen, oder nicht? Falsch, es könnte auch Wolfgang Krebs sein, der Beckstein und den aktuellen Bayern-Regenten Seehofer ebenso im Double-Programm hat.

Am Montagabend lud Krebs solchermaßen selbdritt zum "Rhetorikseminar" ins "Alte Schloss, äh, die Neue Heimat, äh, Dings, die Neue Welt" ein. Das Publikum dort erwartete ein grandioses Stoibersches Stotter-Stakkato, eine Sternstunde des Stammelns.

Man kann den Krebs-Gags nur selektiv folgen, so schnell prasseln dem Publikum die Pointen im ausverkauften Saal um die Ohren, insbesondere in der Paraderolle als Stoiber: Der Plot seines Programms "Ja, mir kennan!", so die Eindeutschung von Obamas Slogan "Yes, we can", besteht darin, dass Stoiber ein Rhetorikseminar anbietet und dabei "Muster-Reden" hält, angereichert durch Beispiele für "schlechte" Reden, für die Krebs kurz hinter der Bühne verschwindet und sogleich in der Rolle von Beckstein und Seehofer wieder auftaucht. Zu Hilfe stehen ihm dafür seine frappierenden Echthaarperücken, deren jede stolze 2000 Euro kostet: Schon aufgrund dieser Investition ("allmählich hat sich’s amortisiert") wünscht Krebs Seehofer noch eine lange Amtszeit.

Stoiber stellt sich als "Ministerpräsident des ehemaligen Bayern" vor, und los geht’s mit einer Suada, die vor Versprechern strotzt: Begrüßt werden wechselweise das "sehr verreckte, äh verschreckte Publikum", die "sehr versehrten Damen und Dings" oder die "lieben Ingolschläfer". Stoiber scheint nicht ganz im Bild, wenn er glaubt, in Augsburg zu sein und eine Rede zum Jubiläum der "Puppenschachtel" halten will, um bald zu merken, dass er "keinen Fehler gemacht" hat – "aber Sie sind das falsche Publikum!".

Krebs, eingetragenes CSU-Mitglied, hat nicht nur genau die charakteristischen Sprechweisen der drei Politiker abgekupfert, sondern auch ihre Charaktereigenheiten, zu denen bei Seehofer etwa das ausgeprägte Selbstbewusstsein zählt: So lässt Krebs diesen selbst die Festrede auf seinen 60. Geburtstag halten. Beckstein schickt Krebs dann in den Fettnapf, wenn er ihn sagen lässt, er habe jetzt "Zwei plus x Maß Bier intus und fahre nun nach Hause, und zwar selber!". Wichtig sei für Politiker eben "Authizität – seien Sie immer autistisch!". Ihr Fett bekommen auch die Minister Westerwelle, der "Franken-Obama" zu Guttenberg und Söder ab, natürlich auch die Kanzlerin aus "Mecklenburg-Vorpolen": Diese habe sich erdreistet, den Papst zu kritisieren. Doch der sei aus Bayern und damit "schon von Geburt an unfehlbar". Am Schluss gab’s zwei Zugaben für ein bestens unterhaltenes Publikum.

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