Mörnsheim

Wissenschaftlicher Ritterschlag für Steinbruch

20.04.2010 | Stand 03.12.2020, 4:05 Uhr

Der Dreh gestaltete sich sehr aufwendig. Für die Kamera mussten eigens Schienen verlegt werden.

Mörnsheim (EK) Prominenter Besucher im Fossiliensteinbruch bei Mörnsheim/Mühlheim: Der "Heinz Sielmann Großbritanniens", Sir David Attenborough, der bekannte Tierfilmer und Naturforscher, drehte hier eine Szene für seinen neuen Film. Das bedeutet den wissenschaftlichen Ritterschlag für den Steinbruch.

Die Dokumentation widmet sich den Flugsauriern und wird vom National Geographic in Zusammenarbeit mit der BBC produziert. Dafür reist das über 20-köpfige Team an Schauplätze in der ganzen Welt. "Gerade waren wir in Japan", erklärte Produzent Sias Wilson. Mit Hilfe von Computeranimationen sollen die Flugsaurier filmisch zum Leben erweckt werden, ausgehend von den realen Fundstellen. Sir David Attenborough (83) moderiert und produziert Tiersendungen für den britischen Fernsehsender. Viele davon wurden auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

 
In Mühlheim ließ sich Attenborough von den Besitzern Roland Pöschl und Ulrich Leonhardt den Steinbruch zeigen. "Das ist ein wundervolles Gebiet hier", begeisterte sich der Brite. "Hier finden sich so viele Fossilien, viele fliegende Reptilien." Die Faszination für die Fossilien merkte man dem 83-Jährigen an. Zusammen mit Pöschl begutachtete der Tierfilmer ausgiebig die neuesten Funde. Früher habe er oft selbst nach Fossilien gegraben, erzählte Attenborough. Der Steinbruch erlebte eine weitere Premiere: Erstmals filmte Sir David in 3 D, was von einem weiteren Kameramann eigens dokumentiert wurde. Die BBC-Produktion wird in etwa einem dreiviertel Jahr zu sehen sein. Roland Pöschl freut sich über die Resonanz des Steinbruchs. Dieser sei aber auch etwas Besonderes: "Die Schichten sind etwa eine Million Jahre jünger als die Eichstätter und Solnhofener Schichten." Die Fauna muss reichhaltiger gewesen sein.

"Wir finden hier Versteinerungen, die bisher noch gar nicht bekannt waren. Die Qualität der Funde hebt uns gegenüber allen anderen ab". Das rund 4500 Quadratmeter große Areal ist ein Dorado für Paläontologen. Deshalb sind beispielsweise Mitarbeiter des Geo-Bio-Centers der LMU München oder der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie regelmäßig vor Ort. Demnächst werden mehrere Doktoranden die "Mörnsheimer Schichten" unter die Lupe nehmen, wie Pöschl weiter berichtet.

Zufrieden sind auch die Hobby-Paläontologen, die es in Scharen nach Mörnsheim zieht. "Wir haben Fundgarantie", versichert Pöschl. Niemand gehe weg ohne Versteinerung. Das gelte auch für Schulklassen, die oft vor Ort sind und eine fundierte Einführung in die Thematik bekommen. Da komme oft Goldgräberstimmung auf.

Toni Gnatz nickt. Er ist aus der Nähe von Landsberg am Lech angereist. Er sammle Versteinerungen und Mineralien. Wenn die Zeit es zulasse, mache er sich auf den eineinhalb Stunden langen Weg. Sein spektakulärster Fund bisher ist ein Schnabelfisch. "Aber ich freue mich über jede G’schicht." Freuen tut sich auch der Mörnsheimer Bürgermeister Richard Mittl. Er baut auf Synergieeffekte. Von den Steinbruchbesuchern – voriges Jahr stattliche 11 500 – profitierten auch der Einzelhandel und die Wirtschaft im Ort. Der Steinbruch sei auch die ideale Plattform, den Solnhofener Naturstein zu vermarkten. Heuer werde der Zeltplatz realisiert. "Da überlegen wir uns, einen Shuttle-Service zu den Fossilien einzurichten." Außerdem habe es bereits eine Gewerbeanmeldung für einen Bootsverleih gegeben.

Sir David Attenborough könnte ein weiteres Aushängeschild werden. Der Brite hat ein Bild vom Dreh und eine persönliche Widmung im Steinbruch hinterlassen. Eine Besuchergruppe aus England ist angesichts dessen in Jubel ausgebrochen, erzählt Pöschl schmunzelnd.

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