Rollenspiel im Landtag

21.02.2011 | Stand 03.12.2020, 3:08 Uhr

Rednerpult erobert: Daniela Pfaller sprach als FDP-Fraktionsvorsitzende während des Planspiels im Landtag. Ihre Klassenkameradin Alessandra Margraf übernahm das Amt der Präsidentin - Foto: Winter-Berke

München (DK) Politiker, das sind die, die immer im Fernsehen sind. Aber wie funktioniert Politik wirklich? 150 bayerische Schüler konnten das gestern bei einem Planspiel im Landtag ausprobieren – indem sie die Rolle der Abgeordneten übernahmen.

  In Fraktions-, Ausschuss- und Plenarsitzungen diskutierten sie Gesetzentwürfe zu den Themen Schulreform und Jugendkriminalität. Mit dabei: die Klasse 10b der Maria-Ward-Mädchenrealschule Eichstätt.

Ihre Sozialkundelehrerin Renate Stoll hatte durch Eva Gottstein, Eichstätter Abgeordnete der Freien Wähler, von dem Projekt erfahren. Susanne Hagenmaier sprach mit der "Land-tagspräsidentin" Alessandra Margraf, 16, und der "FDP-Fraktionsvorsitzenden" Daniela Pfaller, 15.
 
Alessandra, wie wird man Landtagspräsidentin?

Alessandra Margraf: Wir sind gefragt worden, wer sich freiwillig aufstellen lässt. Ich hab mich sofort gemeldet und hatte nur einen Gegenkandidaten. Ich fand’s aufregend, mal da oben zu sitzen und alles zu leiten.

Wie sah euer Tag als Abgeordnete aus?

Alessandra: Wir haben mit Zetteln ausgelost, wer in welcher Partei ist; dann hat jeder eine Mappe bekommen in der Parteifarbe, mit den wichtigsten Informationen. Jeder musste sich einen Namen erfinden, da konnte man sich auch einen Doktortitel geben. Dann haben wir Fraktions- und Pressesprecher gewählt. Während der Sitzungen ist die Presse rumgegangen, das waren auch welche von uns, die haben alle befragt.

Daniela Pfaller: In den Ausschüssen mussten wir diskutieren und versuchen, Mehrheiten zu gewinnen. Die Gesetze wurden im Plenarsaal vorgestellt, es gab zwei Lesungen und dazu immer Reden von den Parteien.

Wie fühlt man sich so als Landtagsabgeordnete?

Daniela: Irgendwie kam ich mir so beschäftigt vor. Ich hätte nicht gedacht, dass Politiker solchen Zeitdruck haben; ich dachte immer, die trödeln. Das war anstrengender als Schule.

Alessandra: Ich fand’s wahnsinnig aufregend. Die Räume im Landtag sind atemberaubend; die Gemälde und die riesigen Säle. Es war toll, da entlangzulaufen.

Daniela, wie war’s als FDP-Mitglied – das hast du dir ja nicht ausgesucht, oder?

Daniela: Ich hab erst mal gar nicht gewusst, wofür die stehen. Aber wir hatten ja Hilfen. In der Mappe stand, dass wir eine Koalition mit der CSU haben und uns nicht gegen die stellen dürfen, dass wir bei der Schulpolitik für kleinere Klassen sind und so. Ich musste die Meinung der FDP als meine annehmen, teilweise hatte ich selber eine andere Meinung, aber die musste ich halt zurückschrauben.

Was macht man als Fraktionsvorsitzende?

Daniela: Ich durfte im Plenarsaal die Rede halten, die Fraktionssitzungen leiten und bestimmen, wer die anderen Ämter übernimmt. Das hat Spaß gemacht, den anderen was reinzudrücken! Es war aber auch viel Verantwortung. Unsere Rede war dreimal so lang wie die der anderen.

Bist du ermahnt worden, dich an die Redezeit zu halten, vielleicht mit der Landtagsklingel?

Daniela: Das wäre Alessandras Aufgabe gewesen.

Alessandra: Aber ich hab mir gedacht, wir machen das doch bloß einmal, und so hab ich sie halt gelassen. Alle waren friedlich. Ich hab die Klingel gar nicht gebraucht.

Bei den Berufspolitikern im Landtag geht es häufig nicht so friedlich zu. Ist Politik spielen besser als Politik machen?

Alessandra: Ja, bestimmt. Mit den Jugendlichen war es witzig, bei den echten Politikern ist es sicher eher langweilig.

Daniela: Die Politiker wollen ja ernsthaft was beschließen, und dann ist das Volk nicht damit einverstanden und man kriegt eins auf den Deckel.

Wäre das Politikerleben auch was für euch?

Alessandra: Das wäre nicht so meins. Aber ich gehe bestimmt wählen, wenn ich 18 bin. Ich will auch mitbestimmen; es ist nicht gut, wenn immer über die Köpfe der Jugendlichen hinweg entschieden wird.

Daniela: Ich glaube, man muss dafür geboren sein. Aber wählen – auf jeden Fall. Wir haben auch was zu sagen!

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