Günter Böhm: "Das Ende der Parteibuchpolitik"

08.06.2011 | Stand 03.12.2020, 2:44 Uhr

Pfaffenhofen (rs) Der CSU-Kreisverband hat zum Rückzug geblasen und den Kampf gegen die Abspaltung der Gemeinden Scheyern, Hohenwart und Gerolsbach aus dem Landtags-Stimmkreis Pfaffenhofen aufgegeben (PK berichtete). Die Kreis-SPD bewertete dies bereits als „glatte politische Bankrotterklärung“ und jetzt legt AUL-Landratskandidat Günter Böhm nach.

Er spricht vom „Ende der Parteibuchpolitik“. In der Vergangenheit sei immer wieder der Eindruck erweckt worden, dass die angeblich guten Beziehungen der CSU-Größen im Landkreis zur Staatsregierung dem Landkreis nur Vorteile bringen würden, so Böhm in einer ersten Reaktion: „Durch die jüngsten Entscheidungen sieht man sich leider eines Besseren belehrt“. Landtags- und Bezirkstagsabgeordnete, die Heerschar der CSU-Bürgermeister zusammen mit dem amtierenden Landrat – sie alle hätten die „Ohrfeigenorgie“ nicht verhindern können, die in letzter Zeit auf den Landkreis niederprasselte, erklärt Günter Böhm in einer Pressemitteilung: „Keine Kinderstation an der Ilmtalklinik, die Zurückstufung beim Ausbau der dringend benötigten Umgehungsstraßen Pfaffenhofen und Geisenfeld, eine weitere Realschule in Mainburg mit existenziellen Problemen für die Realschule Geisenfeld und jetzt noch der Stimmkreis für Herrn Seehofer – alles voll auf unsere Kosten und über die Köpfe der Bürger hinweg mittels Order per Mufti. Eine bürgernahe Politik sieht anders aus.“
 
Hier stellt sich für Günter Böhm die Frage, „ob das nur pure Ignoranz ist, oder Kalkül dahinter steckt“. Mit einem Schuss Sarkasmus reagiert der AUL-Landratsbewerber auf die Anmerkung des CSU-Landratskandidaten Martin Wolf, dass die drei Gemeinden, die dem Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen zugeschlagen werden sollen, ja beim Landkreis Pfaffenhofen bleiben. Böhms Kommentar: „Welch ein Erfolg!“ Am Beispiel Stimmkreisreform sieht man laut Böhm, dass weder die örtlichen Abgeordneten, noch Parteifunktionäre oder Ministerialbeamte der CSU einen „Bonus“ hätten, der ihnen automatisch die Türen öffne. Man muss etwas mehr tun, „als zu zögern, zu kuschen, abzuwiegeln und zu jammern“, so die Sicht der Dinge des AUL-Kandidaten. Sein Fazit: „Ob ein Landrat das schwarze, das rote oder gar kein Parteibuch besitzt, das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, dass er seine eigene aktive und unabhängige Politik für alle Bürger macht und sich gelegentlich auch etwas traut.“

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