London

Der Würstl-Mann von London

David Rundel aus Ravensburg versorgt die Engländer seit sieben Jahren mit Spezialitäten aus Deutschland

10.08.2012 | Stand 03.12.2020, 1:11 Uhr

Der Würstl-Mann von Lewisham: David Rundel aus Ravensburg arbeitet seit sieben Jahren in London - Foto: Rob Logan

London (DK) Von der Weißwurst bis zur Wiener – David Rundel hat fast alle Wurstspezialitäten im Angebot. In Deutschland würde ihn kaum einer beachten, weil es an jeder Ecke einen Metzger gibt. In England leitet der junge Mann aus Ravensburg dagegen einen von wenigen Betrieben, die Wurst und Fleisch aus Deutschland verkaufen. Als „The Sausage Man“ ist der Würstl-Mann auf der Insel mittlerweile bekannt.

Vor sieben Jahren ist er nach London gezogen, um sich seinen Traum vom eigenen Imbisswagen zu erfüllen. „Bei mir daheim waren die Auflagen sehr streng. Als junger Unternehmer hat man es da nicht leicht“, sagt er. London kannte der 30-jährige Sportkaufmann von vielen Besuchen. „Es hat mir dort schon immer gefallen“, erzählt er. Also ist er ins Flugzeug gestiegen und hat sich hier auf die Suche gemacht. Da hier jeder Stadtteil seine eigene Verwaltung hat – teils sogar einen eigenen Bürgermeister – musste Rundel in vielen Verwaltungsstuben vorsprechen.

„Ich bin überall auf offene Türen gestoßen“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Die größte Unterstützung habe er dann vom Bürgermeister in Lewisham bekommen, einem Bezirk im Südosten Londons. Hier leben rund 260 000 Menschen. Der Schauspieler Jude Law stammt zum Beispiel von hier. Auf dem Markt an der High Street hat Rundel dann am 5. September 2005 seine erste Wurst verkauft. „Ein Paar Wienerle“, erinnert er sich. 300 000 Euro hatte er in sein Geschäft gesteckt. Mittlerweile weiß er, dass die Rechnung aufgegangen ist. Neben dem Imbisswagen in Lewisham betreibt er über London verteilt vier weitere. Dazu hat er als zweites Standbein einen Großhandel mit den Spezialitäten aus Deutschland aufgebaut. So beliefert er neben der Deutschen Botschaft in London auch viele Restaurants und Pubs. Ganz aktuell flatterte Rundel eine Anfrage für einen Weihnachtsmarkt in Hongkong ins Haus. Über 300 verschiedene Produkte hat er im Angebot, darunter 15 Wurstsorten. Einmal in der Woche kommt ein Lastwagen und bringt Ware aus der Heimat.

Am beliebtesten seien die Jumbo-Fankfurter und die Currywurst. Des Deutschen liebstes Fastfood verkauft er auch an seinen Imbissständen. 150 bis 300 Würste gehen alleine in Lewisham jeden Tag über die Theke, außer sonntags. Da bleibt die Küche kalt.

Dumme Sprüche müsse er sich als Deutscher nicht anhören. Seine Wagen zieren weiß-blaue Rauten, daneben hat der Ravensburger die deutsche Flagge gehisst. „Die Leute fahren auf unsere Würste ab“, sagt er. Deutschland stehe für Qualität und Sauberkeit. Das würden viele zu schätzen wissen.

Nur mit Weißwürsten haben die Engländer ein Problem. „Die gehen gar nicht“, sagt Rundel und schiebt seine Erklärung hinterher: „Ein helle Wurst aus heißem Wasser, damit kann sich kein Engländer anfreunden.“ Mittlerweile beschäftigt Rundel zwölf Leute. Das Personal ist international, wie Lewisham auch.

Bei den schweren Unruhen im vergangenen Jahr zählte auch der Stadtteil von Rundel zu den Brennpunkten. Per Telefon wurde der Unternehmer am Nachmittag informiert, dass sich da etwas zusammenbraue. „Kurz darauf sind auch schon die ersten Stühle vor unserem Imbiss geflogen“, erinnert er sich. Ruckzuck verrammelte er mit seinem Kollegen den Anhänger und suchte das Weite. Am nächsten Tag sei die Lage schon wieder ruhiger gewesen. Trotzdem blieb das Geschäft geschlossen.

Vor drei Jahren ist er von den Bürgern sogar zum beliebesten Geschäft gewählt worden. Vom Bürgermeister gab es eine Urkunde und in der Zeitung einen Zweispalter mit Bild. „Es wird wahnsinnig viel getan für junge Unternehmer. Da kann sich Deutschland eine Scheibe abschneiden“, sagt er. An eine Rückkehr nach Deutschland denkt er deswegen noch nicht.

 

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