Eichstätt

"Ein Uher schlachtet man nicht aus"

Ein kultiges Tonbandgerät begleitet Forstamtsdirektor Michael Strixner seit seiner Schülerzeit

03.09.2012 | Stand 03.12.2020, 1:06 Uhr

Mit seinem Tonbandgerät der Marke Uher verbindet Michael Strixner viele Erinnerungen. Das Gerät begleitet ihn seit seiner Schülerzeit und funktioniert nach wie vor. - Foto: baj

Eichstätt (baj) Einst war Uher Kult. Ein Tonbandgerät der in München beheimateten Firma umkreiste in einer Gemini-Kapsel die Erde. US-Rundfunkstudios nutzten die Präzisionsgeräte ebenso wie das FBI, der Deutsche Wetterdienst, Filmheld James Bond – und Michael Strixner. Der Forstamtsdirektor nennt ein Uher Variocord 263 aus dem Jahr 1968 sein Eigen.

Das gute Stück begleitet ihn seit der gymnasialen Mittelstufe und blieb ihm auch während der Zivildienstzeit, des Studiums und bis heute treu. Der Forstamtsdirektor zeigt auf ein kleines Schildchen. „UHER Werke München“ steht darauf. „Ich war schon immer ein Anhänger regionaler Produkte“, bemerkt er mit einem kleinen Schmunzeln.

Gekauft hat Michael Strixner, der in Hebertshausen bei Dachau aufwuchs, das Gerät in München. Ein Schulfreund hatte einen kleinen Laden in einer Nebenstraße der Goethestraße entdeckt. Es habe dort ein paar Ausstellungsstücke gegeben und ansonsten sei das Geschäft mit Kartons vollgestellt gewesen, erinnert sich Strixner. Vor allem: Der Inhaber habe mit sich handeln lassen. „Wenn man gesagt hat, man ist ein armer Schüler, ist er im Preis heruntergegangen.“ Richtig billig war das Tonbandgerät dennoch nicht: Stolze 600 Mark kostete es. Dafür ließen sich Lautsprecher anschließen, es spielte auf Stereo, es gab ein Mikrofon, und auch ein Plattenspieler ließ sich anstöpseln. „Das war für die damalige Zeit ganz schön gut.“ Das Geld hatte der damals 15-jährige Schüler von seinen Eltern. „Ich hatte nie einen festen Taschengeldsatz“, erinnert sich der Forstamtsdirektor. „Wenn ich die Eltern überzeugen konnte, habe ich etwas bekommen. Und weil ich nicht jede Woche gekommen bin, waren auch mal größere Sachen möglich.“

Michael Strixner und sein Tonbandgerät waren gefragt bei Schülerpartys, Klassenfahrten, bei den Festivitäten der Zivis und später bei Studentenfeten. Der Musikgeschmack freilich änderte sich. Waren es zu Schülerzeiten die Rolling Stones, die Beatles, The Who oder Deep Purple, stand der Zivildienstleistende Strixner eher auf die sanfteren Sachen: Peter, Paul and Mary oder Simon & Garfunkel. Besonders gern gehört hat er die Musik vom Woodstock-Festival. Um die 25 Bänder hat Strixner. „Mit dem Zählwerk habe ich richtig Buch geführt: Bei welcher Zahl war welches Lied auf dem Band. Dann gab’s kein Ratespiel.“ Wie viele Stücke es insgesamt sind, weiß Strixner gar nicht: „Werden wohl etliche droben sein.“ Umso größer war der Schreck, als das Variocord 263 plötzlich seinen Geist aufgab. Er eilte sofort zu einem Fachgeschäft und erfuhr zu seinem Entsetzen, dass es keine Ersatzteile mehr gibt.

Einige Zeit später gab es einen Hoffnungsschimmer. Es stellte sich heraus, dass ein Freund dasselbe Gerät hatte, ebenfalls kaputt, und Strixner konnte ihn überreden, ihm sein Uher zu überlassen. Mit beiden Tonbandgeräten unterm Arm eilte Strixner in ein Elektrofachgeschäft in Eichstätt und forderte den Meister auf, ein Gerät „auszuschlachten“, um das zweite in Gang zu setzen.

Der Meister reagierte pikiert: „Ein Uher schlachtet man nicht aus“, beschied er. Strixner solle dennoch beide Geräte hier lassen. „Und er hat tatsächlich beide repariert“, freut sich der Forstamtsdirektor noch heute. Eine Zeit lang nutzte er das Gerät weiter regelmäßig. „Aber die Bänder wurden viel gespielt und haben in der Qualität gelitten.“ Das Variocord 263 ist zwar nach wie vor funktionstüchtig, steht aber jetzt ungenutzt im Gästezimmer. „Es würde mir nie einfallen, das wegzugeben“, sagt Strixner, räumt aber ein: „Ein Erbstück wird das nicht.“

Kurz kommt er ins Grübeln. „Obwohl, der Musikgeschmack kommt zurück. Meine Kinder können dem schon was abgewinnen.“ Sieht so aus, als würde das Uher-Gerät doch in der Familie bleiben.

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