Wolnzach

Noch in den Kinderschuhen

Veronika Weichenrieder lotet Möglichkeiten für einen Waldkindergarten bei Wolnzach aus

27.02.2013 | Stand 03.12.2020, 0:27 Uhr

Gräser und Ähren statt Perlen und Glitter – in Waldkindergärten, wie hier in Ilmmünster, spielen und lernen die betreuten Kinder im Einklang mit der Natur. Konventionelles Spielzeug gibt es nicht. Ob sich so eine Einrichtung auch bei Wolnzach realisieren lässt, will eine junge Mutter nun austesten - Foto: privat

Wolnzach (WZ) Die Bäume sind Dach und Spielgefährten, die Natur ist Lehrmeister. Einen Waldkindergarten möchte die junge Mutter Veronika Weichenrieder gerne in Wolnzach auf die Beine stellen, steht mit ihrem Projekt aber noch ganz am Anfang.

„Aus Wertschätzung für den Wald und alles, was er dem Menschen bietet“ hat sich eine Idee in Veronika Weichenrieders Kopf festgesetzt. Eine Idee, die in anderen Orten bereits Realität ist: Jeweils seit knapp sieben Jahren gibt es in Ilmmünster und in Mainburg Waldkindergärten, in denen Kinder ab zwei Jahren eben nicht in einem festen Gebäude, sondern im Wald von ausgebildeten Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen betreut werden. Wie genau solche Kindergärten betrieben werden, was es dazu braucht und wo die Unterschiede zu konventionellen Konzepten liegen, das wollte sie nun bei einem Informationsabend in Wolnzach aufzeigen.

Gekommen dazu waren ein paar interessierte Eltern und Erzieherinnen, aber auch Jagdpächter, Waldbesitzer sowie die Wolnzacher Kindergartenreferentin Katharina Gmelch (CSU) und SPD-Gemeinderat Werner Hammerschmid. „Aus Interesse an dieser Idee“, wie sie übereinstimmend sagten. Informationen aus der Praxis eines Waldkindergartens steuerte dann Jana Axthammer bei. Ihre beiden Söhne besuchen beziehungsweise besuchten – der Große geht schon in die Schule – den Waldkindergarten Ilmmünster „mit großer Begeisterung“, wie sie unterstrich.

Der Tagesablauf dort unterscheide sich in seinen Grundzügen kaum von „Hauskindergärten“, erklärte sie weiter: Es gibt normale Bring- und Hol-zeiten, einen morgendlichen Gesprächskreis, eine gemeinsame Brotzeit – und eine Kindererziehung nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz BayKiBig. Auch in der Einschulung seien Waldkindergartenkinder keineswegs benachteiligt, wie sie aus eigenen Erfahrungen bestätigen könne.

Allerdings seien die Kinder immer draußen: „Ja, auch bei Kälte, ja, auch bei Hitze und Regen“, so Axthammer. Der Wald biete aber ausreichend Schutz, gute Kleidung tue ihr Übriges dazu. Und: In einem Waldkindergarten gibt es kein konventionelles Spielzeug. „Das braucht es auch nicht“, so die Mutter. „Der Wald gibt so viel her, was die Kinder entdecken und thematisieren können.“

Dass Kinder in Waldkindergärten auch den Jahresablauf bewusst miterleben und gestalten, das belegten die vielen Fotos, die auf den Tischen auflagen. Sie zeigten selbst gebaute Waldxylofone, Adventsgestecke, Weihnachtskrippen, Rutschbahnen oder Baumstamm-Schwebebalken.

Von 8 bis 13 Uhr werden die Kinder sowohl in Ilmmünster als auch in Mainburg betreut. Das bestätigte auch Franziska Bortenschlager, Erzieherin und Naturlehrerin am Mainburger Waldkindergarten. Und noch eine Information hatte sie dabei: „Auch wir haben ganz klein angefangen“, sagte sie. „Mittlerweile können wir aber gar nicht mehr alle Kinder aufnehmen, die zu uns kommen wollen.“ Doch auch in Mainburg hat es seine Zeit gedauert, bis der Waldkindergarten realisiert werden konnte.

Warum – das musste die Wolnzacher Initiatorin Veronika Weichenrieder deutlich erfahren. „Der Wald dafür muss unbedingt groß genug sein und das passende Grundstück zu finden, das geht nur mit den Jägern und Landwirten zusammen“, riet ihr Franziska Bortenschlager. Und ein passendes Grundstück in Wolnzach ist noch nicht gefunden, der kurz angedachte Gemeindewald hinter dem Stieglberg wurde sofort wieder verworfen, denn: „Der Wald ist viel zu klein. Da hätte das Wild keine Rückzugsmöglichkeiten mehr“, gaben Jagdpächter Alfons Pfab und der Chef der Wolnzacher Jagdgenossen, Sebastian Reith, eindringlich zu bedenken. Grundsätzlich seien sie jedoch nicht gegen die Idee eines Waldkindergartens, weil die Kinder dort schließlich im Einklang mit Wald und Natur leben.

Auch die Gemeinderäte Katharina Gmelch und Werner Hammerschmid zeigten sich grundsätzlich offen für die Idee, weil sie nicht in Konkurrenz zu den fünf bestehenden Kindergärten im Gemeindebereich stehe, sondern lediglich eine ganz andere Alternative für interessierte Eltern bieten könnte. „Sie stehen aber noch ganz am Anfang und alle grundlegenden Fragen sind noch offen“, stellte Kindergartenreferentin Gmelch abschließend fest.

Jetzt sei es angebracht, Gleichgesinnte zu finden – und genau das will Veronika Weichenrieder tun, denn: „Alleine kann ich das nicht stemmen“, sagte sie. Auch in Ilmmünster und Mainburg sei es eine Gruppe engagierter Eltern gewesen, die die allerersten Weichen für einen Waldkindergarten gestellt haben.

Und die sucht sie nun auch in Wolnzach. Ein paar Unterschriften hat sie schon bekommen, wer Interesse hat, kann sich bei ihr unter Telefon (01 60) 8 82 11 69, melden.

 

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