Nürnberg

Vier Jahre Gefängnis für Crystal-Meth-Dealerin

33-Jährige aus Neumarkt holte die Modedroge aus Tschechien, um sie in Deutschland weiterzuverkaufen

24.02.2015 | Stand 02.12.2020, 21:37 Uhr

Nürnberg/Neumarkt (DK) Die Ware war noch feucht und frisch, als die Beamten knapp 200 Gramm der Droge Crystal Meth in der Wohnung der Angeklagten entdeckten. Unter dem Sofa der Arbeitslosen fand die Polizei auch Bargeld. Ein bisschen mehr als 4000 Euro. Seit diesem Tag im Herbst 2014 saß die 33-Jährige aus Neumarkt in Untersuchungshaft. Und schwieg zunächst beharrlich gegenüber der Polizei. Trotz der erdrückenden Beweislast.

Schnell fanden die Beamten heraus, dass die Frau in der Nacht zuvor eine Reise nach Tschechien unternommen hatte. Irgendwo in Cheb hatte sie sich mit den Dealern verabredet, wo Geld und Modedroge den Besitzer wechselten. Anschließend hatte die Frau per Handy ein Taxi gerufen und war aus dem Nachbarland zurück über die Grenze nach Neumarkt gefahren. Im Gepäck die frische Ware. Bei der gestrigen Verhandlung vor dem Landgericht Nürnberg räumte die Angeklagte die gegen sie erhobenen Vorwürfe ein.

Doch der Reihe nach. Zunächst verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift. Die Droge sei von „sehr guter Qualität mit einem Wirkstoffgehalt von 60 Prozent“ gewesen. Danach unterbricht der Richter die Verhandlung. Hinter verschlossenen Türen wolle man sich unterhalten, ob man sich nicht auf ein Strafmaß einigen könne. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von fünf Jahren, die Verteidigung plädiert für vier Jahre.

Eine halbe Stunde später sitzt der Richter in der Kantine. Irgendwo im Verborgenen berät sich die Strafverteidigerin Veronika Huber mit ihrer Mandantin. Nach der kurzen Pause geht es weiter. Der Richter verkündet, man habe sich hinter verschlossenen Türen auf ein Strafmaß zwischen vier und viereinhalb Jahren einigen können. Vorausgesetzt die Angeklagte räume die Vorwürfe ein und sei mit diesem Deal einverstanden. Die Frau mit den schulterlangen, zu einem Pferdeschwanz geflochtenen Haaren und der Hornbrille nickt mehrmals schüchtern aber deutlich mit dem Kopf. „Wollen Sie der Verständigung beitreten“, fragt sie der Richter in schönstem Juristendeutsch. Die nickt wiederum heftig und sagt: „Ja.“ Dann schickt der Richter alle Zeugen nach Hause. Nur ein Polizeihauptkommissar wird gebeten, die eingangs geschilderte Durchsuchung der Wohnung noch einmal zu erzählen. Die Angeklagte bestätigt die nächtliche Taxifahrt über die Grenze mit den Drogen im Gepäck. 20 Gramm habe sie für sich behalten wollen. Den Rest habe sie verkaufen wollen. An wen? Diese Frage taucht erst gar nicht auf. Wahrscheinlich wäre sie auch zwecklos gewesen. Ein Blick in die Vita der Frau spricht Bände.

Vor drei Jahren wurde die 33-Jährige zum ersten Mal mit Drogen erwischt. Sie bekam knapp über drei Jahre auf Bewährung. Zwei Jahre später wanderte sie zum ersten Mal ins Gefängnis, weil sie Drogen spendierte. Erneut ging es um Crystal. Nicht viel. Aber das reichte für drei Monate hinter Gittern. Kurze Zeit später fuhr sie – ohne Führerschein, den musste sie zwischenzeitlich bereits abgeben – mit 2000 Euro im Geldbeutel nach Tschechien. Wieder traf sie die Dealer in Cheb, diesmal vor einer Spielothek. 50 Gramm bekam sie für das Geld. Allein war sie auf dieser Fahrt nicht. Die Polizei nahm gleich mehrere Leute fest, die etwas mit der gefährlichen Droge zu tun hatten.

Schließlich verkündet der Richter das Urteil. Vier Jahre muss die 33-Jährige jetzt ins Gefängnis. Außerdem wird die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Veronika Huber, die Rechtsanwältin aus Regensburg, kennt solche Urteile. „Die Zahl der Fälle, bei denen Crystal Meth eine Rolle spielt, nimmt in allen bayerischen Städten in der Nähe der tschechischen Grenze weiter zu“, sagt Huber. Ungewiss ist derzeit noch, ob das Angebot oder die Nachfrage nach der „Teufelsdroge“ steigt. Oder ob die Polizei einfach mehr Schmuggler der Modedroge festnehmen kann. Im Frühjahr will das Bundeskriminalamt die neusten Zahlen und Statistiken zu Crystal Meth veröffentlichen.

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