Eichstätt

Emotionaler Auftritt der ukrainischen Gemeinschaft

26.02.2022 | Stand 26.02.2022, 15:47 Uhr

Singen, beten, sich einfach nur umarmen: In Eichstätt lebende Ukrainerinnen und Ukrainer machten am Marktplatz auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam. Fotos: Knopp

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Der Wahnsinn des Krieges wurde präsent am Samstagvormittag auf dem Eichstätter Marktplatz. Zahlreiche hier lebende Ukrainerinnen und Ukrainer, darunter Studenten vom Collegium Orientale, waren zusammengekommen, um den Familien und Freunden in ihrem Heimatland ihren Beistand zu zeigen, um für Frieden zu beten, zu singen, einander Mut zuzusprechen, Trost zu spenden „und sich einfach nur zu umarmen“. In einer gemeinsamen Aktion zeigten auch die Stadt mit Oberbürgermeister Josef Grienberger, die Diözese mit Generalvikar Pater Michael Huber, das Referat Weltkirche mit Gerhard Rott, die Uni mit Vizepräsident Klaus Stüwe und Vertreterinnen und Vertreter von Pax Christi und AK Shalom ihre Solidarität und hängten die ukrainische Flagge am Rathausbalkon auf. „Vor 30 Jahren stand hier Michail Gorbatschow“, sinnierte Grienberger, der selber kaum älter ist. „Bisher kannte ich nur Frieden in Europa.“ Die jetzige Situation gehe ihm „durch Mark und Bein.“



Alle seien entsetzt über den Ausbruch des Krieges und in großer Sorge um ihre Verwandten, sagte Tetiana Umin, die seit zwölf Jahren in Eichstätt lebt und hier Lehrerin ist: „Wir werden angegriffen von Brüdern.“ Bei ihren Eltern und der Oma in der Ukraine sei es „noch ruhig“, aber ihre Freunde in Kiew hörten schon die Bomben und verschanzten sich in der U-Bahn. Es gebe schon sehr große Zerstörungen, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl der Ukrainer steige Stunde um Stunde.

Das ist auch die Einschätzung des Ochsenfelder Pfarrers Andriy Mykhaleyko: „Es herrscht eine Mischung aus Angst und Solidarität.“ Noch nie sei das ukrainische Volk so mobilisiert gewesen und so entschlossen, sein Land und seine Freiheit zu verteidigen.

Nach etwa zwei Stunden löste sich die Versammlung langsam auf, und selbst Tetiana Umin, die anfangs viele Tränen vergossen hatte, konnte schon wieder etwas lächeln: „Ich nehme einen Sonnenstrahl mit nach Hause.“

DK



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