Neuburg

Das Rückgrat der Wirtschaft

Freisprechungsfeier für 66 junge Männer und Frauen Wertschätzung aus der Politik "Akzeptanz für Ausbildung muss weiter erhöht werden"

03.10.2016 | Stand 02.12.2020, 19:14 Uhr

Die Besten sind Frauen: Lisa Leidl (2,0, dritte von links) und Lisa Humbold (Note 1,5) stachen mit ihren Ergebnissen heraus. Für das beste Gesellenstück wurde Johannes Leinfelder geehrt, sein Sideboard aus Nussbaumholz trägt den Namen "Bretterstapel" (rechts). - Fotos: Hammerl

Neuburg (ahl) Insgesamt 66 Junggesellen, darunter 21 junge Frauen, sind am Sonntag in der Großen Dürnitz feierlich freigesprochen worden. Stellvertretende Kreishandwerksmeisterin Manuela Wittek übernahm die traditionsreiche Aufgabe in Vertretung für den erkrankten Kreishandwerksmeister.

Als Prüfungsbeste wurden Lisa Humbold (Note 1,5) und Lena Leidl (2,0) ausgezeichnet. Dass zwei junge Damen an der Spitze standen, gehörte zu den drei Dingen, die Landratsstellvertreter Alois Rauscher aufgefallen waren, als er sich die Statistik angeschaut hatte. Ungewöhnlich sei vor allem die Leistung von Lisa Humbold, die bei der Pettmesser GmbH Oberhausen zur Schreinerin ausgebildet wurde. Zum andern bedauerte Rauscher, dass die Absolventenzahl vergleichsweise gering ausgefallen war - bei Abiturfeiern käme leicht die doppelte Zahl zusammen. Auffällig war auch, dass nur ein einziger Metzger die Prüfung absolviert hat; Bäcker waren es vier, dazu drei Bäckereifachverkäuferinnen. Freigesprochen wurden zudem neun Maurer und ein Straßenbauer, sechs Friseure, sechs Maler und Lackierer sowie ein Fahrzeuglackierer, zwei Metallbauer, acht Zimmerer und drei Anlagenmechaniker. Positiv heraus stach die Schreinerinnung, die 17 Gesellen aus 13 Ausbildungsbetrieben hervorgebracht hat. Für das beste Gesellenstück wurde Johannes Leinfelder vom Ausbildungsbetrieb Tobias Kugler, Feldkirchen, geehrt. Sein Sideboard aus Nussbaumholz mit dem Titel "Bretterstapel" wurde von den Juroren als "konsequent in der Form, jenseits von Effekthascherei" gewürdigt und dem Jungschreiner attestiert, seine Zuneigung zum Werkstoff Holz sei erkennbar.

Wittek brach eine Lanze für die berufliche Ausbildung. In Bayern würden bis zum Jahre 2030 rund 381 000 Fachkräfte benötigt, aber nur rund 25 000 Akademiker. Die Akzeptanz für die berufliche Aus- und Weiterbildung müsse in der Gesellschaft erhöht werden. Erfreulicherweise verzeichne das bayerische Handwerk bei den Lehrverträgen wieder ein leichtes Plus, und zwar um 6,3 Prozent im Vorjahresvergleich.

Rauscher betonte als Festredner, derzeit treffe der alte Spruch, das Handwerk habe goldenen Boden, zu. Zwar sei die Region geprägt von Großindustrie, aber auch von Mittelstand und Handwerk. Gerade die zeigten Kreativität, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität und seien mit ihren qualifizierten Fachkräften für die Wirtschaft unverzichtbar. Er forderte die Unternehmer auf, den bevorstehenden technologischen Umbruch der Digitalisierung mitzumachen: "Springen Sie auf diesen Zug auf, ich weiß, dass Sie das können." OB Bernhard Gmehling verwies auf zahlreiche anwesende Bürgermeister, zwei stellvertretende Landräte und Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl. Deren Anwesenheit zeige, "dass wir Politiker wissen, dass das Rückgrat der wirtschaftlichen Entwicklung in Neuburg das Handwerk ist". Das deutsche Bildungssystem, insbesondere das bayerische, sei das Beste Europas. Launig wagte er einen kurzen Exkurs in die Historie und merkte an, außer der Freisprechung sei von alter Ausbildungstradition nicht mehr viel geblieben - was die Absolventen aber nicht bedauern müssten. Denn früher sei weniger wertschätzend mit den Lehrlingen umgegangen worden, und sie muss sich ehrbar halten. "Wobei ich nichts dagegen habe, wenn Sie sich daran halten", scherzte der OB.

"Sie haben ihre persönliche Geschichte geschrieben", gratulierte Studiendirektor Franz Schmid, Leiter der Regens-Wagner-Schule Schrobenhausen zur bestandenen Prüfung. Auch persönlich hätten sich die jungen Menschen weiter entwickelt. In erster Linie sei der Erfolg auf eigene Leistung zurückzuführen, aber auch die Lehrkräfte seien stolz auf die Schüler, die Wissen angenommen hätten und es nun gewinnbringend anbrächten.

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